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Musicalstar Andy Bieber vermisst die Hattinger Ruhe

Hattingen.   Musicalstar Andreas Bieber wurde als „Joseph“ berühmt. Vor 20 Jahren landete er in der ZDF-Hitparade auf Platz zwei. Er tritt immer noch auf.

Der Wechsel ist das Beständige bei Andreas Bieber. 13 Jahre lang, bis 2005, hatte er Hattingen als Wahlheimat, geboren ist er in Mainz, jahrelang war Wien sein Zuhause, jetzt lebt er in Berlin. „Wehmut ist immer dabei, wenn ich an Hattingen denke, ich hab da so gerne gelebt, wir hatten zwei Pferde, das Reiten hat mich geerdet.“

„Andy auf Platz zwei“ titelte vor zwanzig Jahren die WAZ, als Bieber überraschend in der ZDF-Hitparade einen Riesenerfolg mit dem Song „Wie vom Traum verführt“ aus dem Musical Joseph verbuchen konnte.

„Die Sendung war damals ja eine Institution mit Dieter Thomas Heck. Und der Erfolg eine große Überraschung, denn ich fühlte mich wie ein Exot mit dem Lied aus einem Musical unter den Schlagersängern. Ich war bei ‘Wetten, dass...?’ zu Gast. Kurz darauf lud mich die Hitparade ein und ich kam auf den ersten Platz bei der Monatshitparade und auf den zweiten Platz in der Jahreshitparade. Ich konnte es nicht fassen.“

Bieber lebt seine Leidenschaft

Das war die Zeit, als Andreas Bieber in Hattingen lebte. Die hat ihn nachhaltig beeindruckt. „Ich mag den Ruhrpottschlag, die Ehrlichkeit, Direktheit, das Normale und Unprätentiöse. Im übrigen habe ich immer noch meinen Hattinger Steuerberater“, sagt der 51-Jährige. Der Schauspieler und Sänger steht nach wie vor im Rampenlicht. Erfolge in Musicals, Theater, Film und Fernsehen machten ihn nicht arrogant, er ist freundlich, respektvoll und sensibel geblieben.

„Mein Beruf, in dem es ja immer um Show geht, kann mich nicht zum Abheben bringen, weil ich ihn einfach liebe.“ Bieber ist glücklich, dass er seine Leidenschaft leben kann, denn er schlüpft unglaublich gerne in unterschiedliche Rollen.

Schauspiel und Gesang hat er studiert, kennt das Leben in Großstädten bestens. Aber sein Leben damals in Hattingens Südstadt, in der Otto-Hue-Straße, hat seine Seele berührt, ihn nachhaltig geprägt. „Ich habe oft Sehnsucht nach den Hollywood Hills des Ruhrgebiets nach der ländlichen Ruhe, der Vertrautheit“, räumt der Schauspieler ein. „Unsere beiden Pferde standen bei Reuter am Homberg. „Was war das Ausreiten dort herrlich, ich habe sogar ein paar Dressurturniere mitgemacht.“

Yoga gegen Schicksalsschläge

Ein emotionaler Mensch sei er, der lange Zeit dankbar war, dass ihm Schicksalsschläge, wie andere sie erleiden mussten, erspart geblieben waren. „Ich dachte, ich sei privilegiert, so etwas nicht erleben zu müssen. Aber dann hab ich die volle Breitseite bekommen, musste Tod und Trennung von engen Freunden verkraften.“ Das war die Zeit, als er sich auf Yoga besann. Er gewann dadurch Abstand zu den Problemen, die von außen auf ihn eindrangen. In Amerika ließ er sich zum Yogalehrer ausbilden und unterrichtete ein Jahr lang in Wien.

In Berlin lebt er jetzt seit Jahren. „Es ist eine spannende Stadt, aber man muss immer mehr Kompromisse machen. Sie überfordert und erschlägt mich oft.“ Die Hauptstadt wolle immer vorne, hip und neu sein. Immer cool zu sein, erfordere unglaublich viel Energie. Das sei nicht das, was er brauche und wolle. „Die Ruhe und die saubere Luft in Hattingen fehlen mir.“

Auf der anderen Seite freut er sich, dass er für die nächste Zukunft schon wieder zwei Angebote aus Berlin hat. „Man muss in unserem Beruf auch Urvertrauen haben. Manchmal muss man Türen richtig zu machen, damit andere aufgehen. Mal sehen, ob das hier meine letzte Station ist“, sagt Andreas Bieber.

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