Ruhestand

Museumschef Dirk Syndram verlässt Dresdens Grünes Gewölbe

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Dirk Syndram (65) im Dresdner Residenzschloss.

Dirk Syndram (65) im Dresdner Residenzschloss.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Dresden.  Abschied an der Elbe: Im August verlässt der aus Duisburg-Homberg stammende Museumsdirektor Dirk Syndram die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Egal ob Miniaturschnitzerei oder ein Palast aus Edelsteinen, goldene Rüstung oder Krönungsmantel, für Dirk Syndram sind dies alles Kostbarkeiten einer Sammlung, die Sachsens Kurfürsten begründeten: Seit 2002 hat der aus dem heutigen Duisburg-Homberg stammende Kunsthistoriker das wiederaufgebaute Dresdner Residenzschloss eingerichtet – vom Historischen Grünen Gewölbe und dem neuen Teil über die Türckische Cammer und den Riesensaal bis zu den Paraderäumen.

Im August endet die Ära des Museumsdirektors der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – vor Vollendung seiner Vision für das Museumsschloss geht er in den Ruhestand. Wer ihm nachfolgt, ist noch nicht entschieden.

„Das Schloss war Ruine, die Rekonstruktion noch am Anfang“

Syndram wurde 1993, mit 37 Jahren, Direktor des Grünen Gewölbes, das damals noch im Nachkriegsinterim Albertinum untergebracht war. „Das Schloss war Ruine, die Rekonstruktion noch am Anfang“, erinnert sich der 65-Jährige. „Eine außerordentlich spannende Zeit.“ Obwohl er, der immer ein Museum entwickeln wollte, nun eine abgeschlossene Sammlung bewahren sollte. Immerhin: Sie sollte wieder an den angestammten Platz, ins 1945 zerstörte Residenzschloss.

2002 schreibt er an einem Nachmittag einen Plan für das künftige Museumsschloss. „Ich habe mir einfach überlegt, wie könnte es ideal aussehen.“ Dabei sollten auch die im Depot verborgenen Schätze der Rüstkammer präsentiert werden. „Mir war wichtig, eine Ausstellung zu machen, die Besucher neugierig macht und nicht ermüdet; die dazu führt, dass man durchgeht und sie immer wieder neu sehen möchte.“

Die meisten Besucher verbringen mehrere Stunden in den Räumen

Nach dieser Maßgabe konnte er dann Stück für Stück sein Konzept umsetzen. Die meisten Besucher verbringen mehrere Stunden in den historisch oder modern eingerichteten Räumen. „Weil sie sehen, sehen, sehen und einfach die Zeit vergessen“, sagt Syndram.

Seine Faszination für das, was die sächsischen Kurfürsten und Könige mit dem Grünen Gewölbe und der Rüstkammer bewahrt haben, hat er geteilt, die Schätze im Kreml oder in Versailles, in Südkorea oder im Metropolitan Museum in New York gezeigt. Und mit spektakulären Ausstellungen lenkte er die Scheinwerfer auch auf bedeutende Orte der Geschichte außerhalb Dresdens.

Diebstahl der Juwelen aus dem Schatzkammermuseum war ein Schock

Als Direktor beider Museen tritt er nun ab, und ist ein getroffener „Hüter der Schätze“. Der spektakuläre Diebstahl prächtiger Juwelen aus dem barocken Schatzkammermuseum im November 2019: der Tiefpunkt und „ein Schock“. Unbekannte waren ins Schloss eingedrungen und hatten historische Schmuckstücke von kaum schätzbarem Wert mitgenommen. Wie das gelang, ist noch immer unklar. Fünf Tatverdächtige sind gefasst, von der Beute fehlt jede Spur. „Das war eine Katastrophe, die einen immer noch verfolgt und vieles überlagert von dem, was man hier an Positivem geschaffen hat“, sagt Syndram.

Das letzte Teil von Syndrams Museums-Puzzle fehlt noch: Im Nordflügel sollen ab 2024 Exponate von der sächsischen und Dresdner Festkultur ab dem 16. Jahrhundert gezeigt werden. „Wir haben Zeugnisse und Objekte, die es nirgendwo anders in Europa gibt.“ Immerhin wären dann ungefähr 4500 der insgesamt 16.500 Rüstkammer-Objekte ausgestellt.

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