Comedy

Moers’ Comedy Arts Festival - Lachnummer der Superlative

„Suchtpotenzial“ tritt am Samstag, 16.09.2017, an Tag 3 des 41. Comedy Arts Festivals in der Festivalhalle in Moers auf. Das Duo wurde mit dem Preis der NRZ ausgezeichnet.

Foto: DIANA ROOS

„Suchtpotenzial“ tritt am Samstag, 16.09.2017, an Tag 3 des 41. Comedy Arts Festivals in der Festivalhalle in Moers auf. Das Duo wurde mit dem Preis der NRZ ausgezeichnet. Foto: DIANA ROOS

Moers.   Breites Spektrum von der halben Ukulele bis zur vollen Hütte: Das Comedy Arts Festival Moers zeigte sich am Wochenende in starker Verfassung.

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Das war knapp: Später hätte das Duo Suchtpotenzial nicht zum Comedy Arts Festival in Moers eingeladen werden dürfen, wenn das Gipfeltreffen der Komik nicht seinen Ruf verlieren will. Nämlich den, dass dort Acts schon zu sehen sind, bevor sie richtig bekannt werden. Denn dass die beiden Damen – schon mit dem Prix Pantheon dekoriert – das Zeug haben, alsbald richtig durch die Decke zu gehen, bewiesen sie mit stehendem Beifall umjubelt beim Festivalsamstag.

In bester Queen B-Manier (als Ina Müller noch mit Edda Schnittgard unterwegs war) liefern sich die beiden Wortgefechte und Gesangsduelle. Ariane Müller am Klavier und Julia Gamez Martin mit der Wahnsinns-Stimme befanden, dass Moers ein Heavy Metal Name ist, weil man Möööörs so schön röhren kann. Und niemand sonst kann einen so erotischen Chanson über Remoulade hinräkeln. Um die aufgebaute Erotik gleich darauf schwäbelnd über den Haufen zu werfen.

Sie kokettieren mit ihrem fünften Platz beim Chanson-Wettbewerb, bei dem nur vier Teilnehmer waren, sehen sich wegen vorgegebener Erfolglosigkeit bei einer Waldorf-Kita-Tour und beim Bootcamp in Oberursel. In Wirklichkeit ploppt das charmante Duo derzeit in einschlägigen Fernsehsendungen immer häufiger auf. Jedenfalls bei Sendern, die ihrem Publikum zutrauen, dass es die Pointen auch ohne Lach-Einspieler findet. Das angebliche Wettbewerbstrauma, von dem die beiden erzählten, konnte jedenfalls die NRZ mit ihrem Förderpreis für Suchtpotenzial vorerst lindern.

Vier Tage lang hat das Publikum in Moers lachen dürfen über Oropax, Artistk und Clownerie

Vier Tage lag konnte das Publikum in Moers diverse „Lach-Rassen“, wie Nessi Tausendschön als geniale Moderatorin des Festivalsamstags es nannte, produzieren: Von der rasselnden Schnapp-Lache bis zum damenhaft schnaufenden Nasenlachen. René Marik und sein „Maulfwurfn“, Bär Kalle und Frosch Falkenhorst machten mit einem Special am Donnerstag den Auftakt. Wobei das Publikum mitgenommen haben dürfte, dass Marik hinter der Puppenbühne besser aufgehoben ist, als mit Hass-Kasper am Mikro.

Das mit 41 Jahren wohl älteste Festival der kleinen Künste in Deutschland wartet am Freitag und Samstag traditionell mit einem breiten Spektrum des Humors auf. Da hat der höhere Blödsinn des Duos Oropax genauso Platz wie der feinsinnige Humor eines Fatih Cevikkollu, der sich sehr gewandt zwischen Kopftuch und kölschem Klüngel bewegt. Er provoziert, wenn er das Publikum „Kölle Allah“ rufen lässt, hat aber die Grenzen solchen Humors stets fest im Blick. Artistik auf höchstem Niveau präsentierten The Flying Dutchmen. Sie sind seit bald 30 Jahren mit ihrer 7-Bälle-Jonglage und Einradartistik unterwegs. Sie versetzten schon vor vielen Jahren die Moerser wie auch diesmal ins Staunen, wenn sie einer „Freiwilligen“ aus dem Publikum eine Zigarette mit Keulen aus dem Mund jonglieren. Respekt.

Hohe Pointendichte regiert beim Tradtionsfestival am Niederrhein

In bester Comedy-Arts-Tradition bediente die italienische Microband die Sparte Musik-Clownerie, die zeigte, dass auch eine halbe Ukulele zum vollen Groove ausreicht, und mal eben die komplette Klassik zerschredderte. Eine hohe Pointendichte hatte Starbugs Comedy aus der Schweiz. Niemand andere als Nadja Nadeschkin hatte da ihre Finger im Spiel, um aus den drei tanzenden Jungs treffsichere Komiker zu machen.

Bisher so noch nie Gesehenes präsentierte Ulik mit seiner Robotic Drum Show. Er erhielt das diesjährige „Henriettchen“, den Sparkassen-Preis. Gleichwohl hätte das durchaus spektakuläre Getrommel auf schwingendem Industrieroboter ein bisschen mehr Dramaturgie vertragen können. Auf etwas weniger stürmischen Beifall stieß auch das Experiment der klassischen Clownin Antoschka: Geige gegen Ghettoblaster. Aber das ist dann Jammern auf hohem Niveau.

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