NEUE MUSIK

Mit drei Konzerten endete das „NOW!“-Festival 2017 in Essen

Jörg Widmann, Klarinettist und Komponist der Top-Liga.

Jörg Widmann, Klarinettist und Komponist der Top-Liga.

Foto: dpa

Essen.   Kulturelle Grenzen sind in der Musik keine Barrieren: Das zeigten drei Spitzenensembles am Finalwochenende des „NOW!-Festivals für neue Musik“.

Für das Final-Wochenende des diesjährigen „NOW!-Festivals für neue Musik“ bot die Essener Philharmonie gleich drei Spitzenensembles auf, die zu den „Nobelmarken“ zeitgenössischer Musik zählen: Das „Ensemble Modern“, das „ensemble recherche“ aus Freiburg und die „MusikFabrik Köln“. Drei versierte Spezial-Gruppierungen, die das Festivalmotto „Grenzgänger“ seit Jahren aus unterschiedlichen Perspektiven reflektieren.

Das Konzert „Tongue of the Invisible“, das zum Abschluss die MusikFabrik unter Leitung von Christian Eggers bestritt, zeigte mit Arbeiten von Komponisten aus dem Nahen Osten, dass nationale und kulturelle Grenzen keine unüberwindlichen Barrieren sind. Alle beteiligten Komponistinnen und Komponisten haben einen wesentlichen Teil ihrer Ausbildung in Deutschland genossen und kennen sich in der westlichen Szene bestens aus. Das hört man den Arbeiten des Iraners Ehsan Ebrahimi und seiner Landsleute Farzia Fallah und Bijan Tavili ebenso an wie denen der chinesisch-stämmigen Liza Lim. Beziehungen zu Ursprungskulturen wurden vor allem durch die Verwendung exotischer Klangfärbungen deutlich.

Wenige Stunden zuvor wirbelte das „ensemble recherche“ durch die Musiklandschaft des Westens mit seinem grenzenlosen Stil-Pluralismus. Die Geräuschstudien des Brasilianers Ricardo Eizirik, die auf weitgespannte Streicher-Glissandi basierende „Study for String Instruments“ des Dänen Simon Steen-Andersen, die virtuos geknüpfte Collage „Com un Time“ des Dänen Loïc Destremau und die feinen, zerfallenden Klangsplitter des Franzosen Mark Andre gaben in den vorbildlichen Interpretationen der Musiker einen beeindruckenden Einblick in die aktuelle Avantgarde.

Ein prominenter Großmeister setzte sich am Samstag mit dem „Ensemble Modern“ für ein Komponistenporträt in Szene: Jörg Widmann, Klarinettist und Komponist der Top-Liga, der mit seiner schillernden Programmauswahl demonstrierte, wie wach und kreativ er Einflüsse aus verschiedenen Epochen und Regionen in seine Arbeiten einfließen lässt.

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