KINO

Mit „Brechts 3Groschenfilm“ ist kein großer Wurf gelungen

„Mackie Messer“ –  Lars Eidinger spielt Bertolt Brecht.

Foto: Wild Bunch/Central Film

„Mackie Messer“ – Lars Eidinger spielt Bertolt Brecht.

Essen.   Joachim A. Lang will in „Mackie Messer – Brechts 3Groschenfilm“ reale Historie mit großem Entertainment verweben. Das klappt nur bedingt.

Eigentlich wartet man schon seit längerem darauf, dass Heinrich Breloers Fernseh-Zweiteiler „Brecht“ endlich fertig wird. Doch da werden wir wohl noch bis tief ins nächste Jahr ausharren müssen. Stattdessen taucht jetzt mit „Mackie Messer – Brechts 3Groschenfilm“ im Kino ein Film auf, der reale Historie verweben möchte mit großem Entertainment. Der SWR-Fernsehredakteur und Regisseur Joachim A. Lang, ein ausgewiesener Brecht-Kenner, versucht da in seinem ersten Kinofilm eine waghalsige Vermengung.

Zum einen will er einen Bertolt Brecht zeigen, dessen „Dreigroschenoper“ im August 1928 auf der Bühne Triumphe feiert und den Autor dazu beflügelt, das Stück nun auch verfilmen zu lassen. Zum andern aber will er gleichzeitig auch die „Dreigroschenoper“ als Stück im Stück neu inszenieren, zumindest im Hinblick auf die einprägsamen Songs. Das aufwändige Personal dazu ist mal exklusiv engagiert (Tobias Moretti als Macheath, Joachim Król als Peachum), mal aber auch in Doppelbesetzung. Was sich aber ganz logisch ergibt, weil Hannah Herzsprung beispielsweise die Sängerin Carola Neher verkörpert, die damit auch gleichzeitig der Polly des Stücks ihre limitierte Stimme leid.

Teile des Films bereiten Freude

Hat man dieses Prinzip einmal begriffen, dann kann man zumindest an diesem Teil des Films noch Freude empfinden. Auch wenn der Regisseur verzweifelt nach Bezügen zum Heute sucht und dabei nicht mehr herauskommt als „Dreigroschen“-Gangster, die zu Bankern werden, während die Kulisse plötzlich aus Wall-Street-Glastürmen besteht.

Sehr viel schwerfälliger jedoch inszeniert Lang die Szenen, in denen es um Brecht geht und darum, aus dem Bühnenhit einen Film zu machen. Hier bewahrheitet es sich wieder einmal, dass man Experten gar nicht erst in die Nähe ihres Fachgebietes kommen lassen sollte. So beseelt ist der Regisseur von Brecht, dass sein Darsteller Lars Eidinger nicht einmal mehr natürlich sprechen darf. Jeder Satz aus seinem Mund klingt wie aufgesagt, soll denn auch in seinen Texten nachweisbar sein.

Dichter als Aphorismus-Maschine

Brecht wird hier auf einen Sockel gehoben, der ihn zu einer Aphorismus-Maschine erstarren lässt, die auf alle Fragen in Sachen Kunst, Politik und Ästhetik die passende Antwort bereithält. Dass ein Schauspieler wie Eidinger sich in diese sprachliche Zwangsjacke hat einengen lassen, verwundert doch sehr. Robert Stadlober als Kurt Weill ist da zwar viel offener, darf dafür aber auch nur ein paar wenige Sätze beisteuern.

Als Bertolt Brechts Filmpläne schließlich trotz Abmachung scheitern, geht er gegen die Produktionsfirma vor Gericht. Er verliert, zumindest in erster Instanz, und beschimpft den Produzenten Seymour Nebenzahl als „Unterhaltungsfabrikanten“. Und das bei einem Mann, der immerhin Marksteine der Filmgeschichte wie „Die Büchse der Pandora“, „Westfront 1918“ oder Fritz Langs „M“ ermöglicht hat. Ein Regisseur mit Augenmaß hätte hier sicherlich vorsichtiger agiert, hätte auf einen Gleichstand der gegnerischen Lager geachtet. Bei Lang jedoch, dem Verehrer schlechthin, darf immer nur einer Recht haben.

„Die Dreigroschenoper“ wird unverwüstlich bleiben. Dieser Film eher nicht.

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