Konzert

So verzauberte Michael Bublé sein Publikum in Oberhausen

Michael Bublé lieferte eine große Show in Oberhausen ab

Michael Bublé lieferte eine große Show in Oberhausen ab

Foto: Bernd Thissen / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  30 Streicher und Bläser, dazu eine Live-Band und natürlich Michael Bublé. So war das Konzert des kanadischen Superstars in Oberhausen.

Nein, das ist hier nicht das Sands-Hotel sondern die Oberhausener Arena. Und der Verkehr draußen vor der Tür rollt nicht über den Strip, sondern über die nahe gelegene A42. Es ist auch keine laue Nacht in Nevada, sondern ein fünf Grad kalter Abend in Nordrhein-Westfalen. Dennoch weht am Mittwochabend manchmal ein Hauch von Las Vegas durch Oberhausen. Michael Bublé ist in der Stadt.

Der Abend beginnt wie das Intro zu einem James-Bond-Film. Dazu dreht sich in einem großen elektronischen Kreis ein Globus – erst in schwarz-weiß, denn in einem glühenden Orange. Und dann steht er da. Blauer Maßanzug zu schwarzen Lackschuhen und schmaler Krawatte, ein weiße Nelke am Revers. Er sehe aus, wie der Dschinn aus Aladdin, wird Bublé später über sich selbst scherzen. Er singt allerdings besser, was man hört, weil aus dem James-Bond-Song mittlerweile der Anthony-Newley-Klassiker „Feeling Good“ geworden ist, den Bublé so erfolgreich gecovert hat.

Die Klassiker der großen Crooner

Damit ist das Motto vorgegeben. Feeling Good, sich gut fühlen. Darauf legt er Wert bei seinen Konzerten. Gut zwei Stunden lang wird er sein Publikum – eher älter als jünger, ein paar mehr Frauen als Männer – in der nahezu ausverkauften Halle unterhalten. Er singt sich durch die Klassiker der großen Crooner, wie Tony Bennett oder Al Martino. Er schwört „I Only Have Eyes For You“, wünscht sich „Cry me A River“ oder erzählt, wie das so ist „When I Fall in Love“. Dazwischen mischt er eigene Hits wie „Home“ und streut auch Songs aus seinem jüngsten Album „Love“ ein.

Aber Bublé spielt die großen Erfolge nicht einfach nur herunter. Vor schlicht aber sehr effektiv beleuchteter Bühne bleibt er nur selten nahe am Original. Meistens hat er die Songs irgendwo zwischen Swing und Pop völlig neu arrangiert, immer aber macht er sie zu seinen Liedern. Begleitet wird er dabei stets von seiner fantastischen, unglaublich präzise spielenden Band.

Michael Bublé zeigt: Er ist ein begnadeter Entertainer

Das allein würde wahrscheinlich schon für ein außergewöhnliches Konzert reichen. Aber der Italo-Kanadier ist nicht nur Sänger, er ist Entertainer – einer der besten der Branche, sieht man mal davon ab, dass er beim Tanzen nicht unbedingt in die Fußstapfen eines Fred Astaire oder Gene Kelly tritt.

Dafür hat er andere Qualität. Nicht umsonst ragt der Steg der entfernt an eine Gitarre erinnernden Bühne weit ins Publikum hinein. Bublé sucht den Kontakt zu Publikum. Er schüttelt Hände, macht Selfies mit ihm entgegengehaltenen Smartphones, und wenn er gerade einmal nicht singt, dann schüttelt er die Gags nur so aus dem Handgelenk. Ein Typ zwischen Wunsch-Schwiegersohn und guter Kumpel. Einer, mit dem Frauen gerne Champagner schlürfen und Männer ein Bier trinken. Erst recht, seit selbst die Maßgarderobe nicht verdecken kann, dass der Sänger zugelegt hat. „Siehste“, sagt Mann zu seiner Frau. „Der wird auch dicker.“

Bublés Familie ist mit in Oberhausen

Aber das ist egal. Er hat ja ganz andere Sorgen gehabt in den letzten Jahren. Als sein Sohn Noah an Krebs erkrankt, zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück, nicht wissend, ob er je zurückkehrt ins Showgeschäft. Mittlerweile ist Noah wieder gesund, ist mit Mutter und seinen Geschwistern sogar mit in Oberhausen und sein Vater ist wieder da, wo er hingehört: auf der Bühne. Bescheidener, manchmal etwas ernster als früher aber glücklich – auch weil ihn seine Familie an diesem Abend begleitet. Und alle anderen will er nun auch glücklich machen.

Deshalb lädt Bublé „zu einer Party“. Eine Einladung, der nicht so einfach zu folgen ist, wenn das eigene Repertoire eher in Richtung romantisch tendiert. Ein paar Zuschauer lachen dann auch. Bis sie wenig später aufstehen müssen, um noch was zu sehen. Weil alle anderen vor ihnen auch aufgestanden sind. Und tanzen.

Partystimmung gegen Ende der Show

Denn ein paar große Lampen in Diamantform hat Bublé von der Decke herunterfahren lassen, ist mit ein paar Bandmitgliedern von der großen auf die kleine Bühne am Ende des Stegs gewechselt. Dann spricht er von Clubatmosphäre und bringt „Buona Sera Signorina“, „Just a Gigolo“ und zum krönenden Abschluss Chuck Berrys „You Never Can Tell“, zu dem sich Uma Thurman und John Travolta in Pulp Fiction auf der Tanzfläche standen.

Als Zugabe und – so Bublé – gleichzeitig zum Dank für die viele Unterstützung, die er und seine Frau während der Krankheit ihres Kindes erfahren hätten, gibt es eine wunderbare Version von „Always On My Mind“ – „Immer in meinen Gedanken.“ Die Zuschauer sind gerührt. „Schön war’s“, sagen zwei Mittdreißigerinnen beim Hinausgehen. Wen stört es da schon, dass draußen nicht Vegas sondern Oberhausen wartet.

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