Buch

„Machet gut, Schwatte“ erzählt vom Abschied von der Kohle

Blick aufs Buch: „Machet gut, Schwatte!“, erschienen im Verlag Henselowsky und Boschmann.

Foto: Verlag

Blick aufs Buch: „Machet gut, Schwatte!“, erschienen im Verlag Henselowsky und Boschmann. Foto: Verlag

Essen.   „Machet gut, Schwatte!“ ist ein liebevoller Abschied vom Schwarzen Gold. Er dient als Erinnerungshilfe – oder als Tor in eine neue Welt.

170 Zechen, 350 000 Kumpel: So sah das Ruhrgebiet für Opa August aus, der einst aus dem Saarland nach Osterfeld kam. Auch sein Enkel Friedhelm Wessel, Jahrgang 1944, arbeitete auf verschiedenen Pütts im Revier – verlegte sich dann aber aufs Schreiben. Und gibt nun mit „Machet gut, Schwatte“ einen liebevollen Abschiedsband an das Schwarze Gold heraus.

Wenn hier 18 Autorinnen und Autoren aus dem Revier ihre Erinnerungen ans Bergbau-Revier aus den Tiefen des Gedächtnisses abtragen, dann fördern sie höchst authentische Geschichten und Anekdoten zutage.

Abgesänge auf den Kohleherd

Gleich mehrere poetisch-melancholische Abgesänge auf den Kohleherd stehen hier neben nachkriegs-nächtlicher Jagd auf den Inhalt eines abgestellten Güterwaggons („fringsen“, wer kennt dieses Wort noch, das vom Kölner Kardinal Frings abgeleitet wurde, weil er dem Not-Raub eine Art kirchlichen Segen erteilte?) oder dem Büromenschen-Staunen über den Arbeitsplatz unter Tage. Da schreiben ein Grubenholzkaufmann und eine Gästeführerin auf Zollverein, ein Arzt und ein Zeitungsjournalist, ein Fußballtorwart und eine Krimiautorin. Sie zeichnen das Bild einer untergegangenen Zeit, in der samstags Waschtag war und der Regen rußig, eine Zeit, in der noch Kohledeputate beim Metzger getauscht wurden und alle Tauben Hänschen hießen.

Für echte Reviermenschen ist dies Büchlein eine willkommene Erinnerungshilfe. Für alle, die auf einem Boden ganz ohne Stollen, Flöze, Streben aufgewachsen sind, dürfte sich mit jedem Satz eine neue Welt eröffnen.

Das Buch im Überblick

Friedhelm Wessel (Hg.): Machet gut, Schwatte. Verlag Henselowsky und Boschmann, 80 Seiten, 9,90 Euro.

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