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Lyrikerin Carolin Callies liest im Apollo Theater Siegen

Carolin Callies (links) und Prof. Dr. Dieter Schönecker

Foto: Ina Carolin Lisiewicz

Carolin Callies (links) und Prof. Dr. Dieter Schönecker Foto: Ina Carolin Lisiewicz

Siegen.   Bei der Literaturreihe „poetry@rubens“ liest die gelernte Verlagsbuchhändlerin aus ihrem Gedichtband „fünf sinne & nur ein besteckkasten“.

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Körperlichkeit und Vergänglichkeit – diesen Themen widmet sich Carolin Callies in ihrem Gedichtband „fünf sinne & nur ein besteckkasten“. „Der Körper funktioniert erstmal als Oberfläche, ich möchte hinter sie schauen“, sagt die Lyrikerin. Nun las sie im kleinen Saal des Apollo-Theaters. Die Veranstaltung war Teil der Literaturreihe „poetry@rubens“, die in Kooperation mit der Philosophischen Fakultät der Uni Siegen stattfindet.

„mir wurde, es war mal, räudig ums maul. drum fehlt nun die anzahl an backen, um kauen zu können“, schreibt Carolin Callies. „doch, ach, behalf ich mir mit fleisch, das hinten, das vorne & aller leib dazwischen war & muskelrelevant. ich hatte, es war mal, ’nen tüchtigen körper“, liest sie weiter. Die Worte ergeben dabei eine ganz eigene Melodie, betont sie sie langsam und bedacht. Das Und-Zeichen und die stete Kleinschreibung fallen den Zuhörern nicht auf und doch sind sie zum Erkennungszeichen von Carolin Callies geworden.

Die gelernte Verlagsbuchhändlerin studierte nach ihrer Ausbildung Germanistik und Medienwissenschaften. Bücher begleiten sie schon von klein auf. Ihr Gedichtband „fünf sinne & nur ein besteckkasten“ wurde in der Presse bereits als „wichtigstes lyrische Debüt der Saison“ gefeiert.

Die Gedichte und die Auslegung

Ihre Lyrik stellt die Leser dabei vor Herausforderungen: „Ich hatte große Schwierigkeiten ihre Gedichte zu verstehen. Ich hab mich oft gefragt: Wovon ist hier überhaupt die Rede?“, sagt Prof. Dr. Dieter Schönecker zu Carolin Callies. Er diskutierte mit der Lyrikerin auf der Bühne über ihr Werk. „Im Text gibt es bestimmte Hinweise, wie man ihn zu denken hat“, antwortet Carolin Callies.

Dennoch fällt es erst einmal schwer, als Zuhörer einen Zugang zum Gedicht zu finden. Auch in der Diskussion mit dem Publikum stellt sich heraus, dass jeder seine eigenen Ideen und Interpretationen entwirft. Die Gedichte von Carolin Callies sind nicht klar interpretierbar, oft bleiben sie ein Rätsel. „Wenn der Text abgedruckt ist, verlässt er mich“, sagt Callies. Sie selbst würde Gedichte eher bildhaft und emotional lesen, statt nach Kohärenz zu suchen.

Inhaltlich nimmt Carolin Callies kein Blatt vor den Mund: ihre Gedichte greifen nicht nur das Schöne des menschlichen Körpers auf, sondern auch Körperteile und Ergüsse, die für gewöhnlich verschwiegen werden. Dass eine Frau so offen darüber schreibe, stoße oft auf Verwunderung. Und dennoch: „Wie wir uns den Körper vorstellen und denken, kann nur ein Konstrukt sein.“

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