LITERATUR

Lucie Flebbe beendet Bochumer Krimi-Serie um Lila Ziegler

Lucie Flebbe hat ihre Lila-Ziegler-Serie abgeschlossen und auch schon für einen neuen Roman recherchiert – im Bochumer Jobcenter...

Foto: Ingo Otto

Lucie Flebbe hat ihre Lila-Ziegler-Serie abgeschlossen und auch schon für einen neuen Roman recherchiert – im Bochumer Jobcenter... Foto: Ingo Otto

Bochum.   Abschied von Lila Ziegler: Lucie Flebbe hat mit dem neunten Fall für ihre Ermittlerin, „Totalausfall“, die Serie der Bochum-Krimis abgeschlossen.

Als vor neun Jahren der erste Lila-Ziegler-Roman erschien („Der 13. Brief“), hieß die Erfinderin der jüngsten Krimi-Ermittlerin weit und breit noch Lucie Klassen. Nun hat Lucie Flebbe, wie sie nach zwischenzeitlicher Verehelichung heißt, mit dem neunten Fall für Lila Ziegler die Serie der Bochum-Krimis abgeschlossen. „Totalausfall“ spielt großenteils in einer psychiatrischen Klinik im Stadtpark. Lila Ziegler, die sich mit 20 gegen das von den Eltern gewünschte Jurastudium in Bielefeld entschieden hatte und stattdessen in Bochum aus dem Zug stieg, um dort ein eigenes Leben zu beginnen, ist dort, weil sie den Kampf gegen die Schatten auf ihrer Seele, die sich als schwarzer Faden durch die Serie ziehen, schon einmal verloren hat. Aber dann gibt es auch hier den ersten Mordfall zu ermitteln.

Schrebergärten und Pflegedienste

Lucie Flebbes große Krimischreiber-Stärke ist die Authentizität: Ihre Ermittlerin Lila schlägt sich kratzbürstig durch den Alltag, ihr Freund Danner, der Privatdetektiv, und dessen Freund Staschek von der Kripo, der Kneipenwirt Molle und das übrige Personal der Romane überzeugen durch Kanten und Charakter. Gleiches gilt für die Sujets, in denen Flebbe ihre Bücher spielen lässt: Sie hat sie ins Fußball-Milieu verlegt („Tödlicher Kick“), in die allgegenwärtigen Schrebergärten des Reviers („Das fünfte Foto“), in die Welt der Extremkletterer auf Industriedächern wie dem verlassenen Opel-Werk („Am Boden“) oder die beinharte Welt der ambulanten Pflegedienste ausgeleuchtet („77 Tage“).

Das Trauma, das Flebbes Heldin Lila umtreibt, schimmerte stets aufs Neue durch und nahm von Band zu Band immer mehr Konturen an. Es geht um den frühen Tod ihrer Schwester, es geht um einen gewalttätigen Vater, der als Staatsanwalt in Hannover die bürgerliche Fassade zu wahren versteht.

Der letzte Fall nun wendet sich mit realistisch-satirischem Scharfblick der Psychiatrie-Szene zu, in der von Magersucht bis Selbstmord-Versuchen alles Erdenkliche oft mit denselben untauglichen Methoden behandelt wird. Wo Blender besonders leichtes Spiel haben und seelenkranke Menschen nicht selten ein zweites Mal zu Opfern werden.

Holterdipolter-Ende

Geradezu hingebungsvoll malt „Totalausfall“ die dazugehörigen Szenerien aus, einmal mehr auf überzeugende, offenbar bestens recherchierte Art. Spannung und Ermittlungslogik treten dabei mitunter etwas in den Hintergrund, und auch das Ende kommt holterdipolter mit einer etwas überraschenden Plötzlichkeit. Gleichwohl bleibt die Lila-Ziegler-Serie, die geradezu mustergültig Unterhaltung und Gesellschaftsreportage miteinander verwebt, ein echter Markstein auf dem Feld des zeitgenössischen Krimis.

Lucie Flebbe: Totalausfall. Grafit Verlag, 270 S., 11 Euro.

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