Trivialthriller

Louis Begley erreicht mit „Killer’s Choice“ seinen Tiefpunkt

Louis Begley, Jahrgang 1933, war erst Anwalt, dann wurde er Schriftsteller.

Louis Begley, Jahrgang 1933, war erst Anwalt, dann wurde er Schriftsteller.

Foto: Sonia Moskowitz / WireImage/Getty Images

Hanebüchen, platt, unbeholfen: Der einst gefeierte Star-Autor Louis Begley scheitert mit „Killer’s Choice“ erneut an einem Jack-Dana-Thriller.

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Spät erst hat Louis Begley (Jahrgang 1933) als Schriftsteller debütiert. Aber wie! Der autobiografisch grundierte Roman „Lügen in Zeiten des Krieges“ (1991) war ein gigantischer Erfolg. Da hatte der einer galizisch-polnisch-jüdischen Familie Entstammende in Amerika schon eine Bilderbuchkarriere als Anwalt hingelegt. Roman auf Roman ließ er nun folgen, und sein Erfolg als Bestsellerautor hielt an. Gern stellte er dazu den pensionierten Anwalt Schmidt ins Zentrum, den man sich am besten mit dem grimmig, granteligen Gesicht von Jack Nicholson vorstellt.

2015 dann wechselte Begley ins Krimi-Genre, und die Begeisterung ließ deutlich nach. Dass er jetzt nach den beiden Bänden „Zeig dich, Mörder“ und „Ein Leben für ein Leben“ mit einem dritten Roman an seinem Protagonisten Jack Dana festhält, hat schon fast etwas Starrsinniges, hagelte es bisher dafür doch fast ausnahmslos Verrisse. Das wird sich auch diesmal nicht ändern.

Jack Dana gerät ins Fadenkreuz eines Monsters

Jack Dana ist ehemaliger Marine-Infanterie-Offizier. In Afghanistan haben Taliban-Scharfschützen seinen Beckenknochen zertrümmert. Seitdem ist er ausgemustert und hat sich eine Nachfolgekarriere als Bestseller-Autor erschrieben. Ein kämpferischer Krieger ist er geblieben, der das Gelernte und Erlebte nicht nur in seine Bücher fließen lässt, sondern auch in seinen Überlebenskampf. Sein reicher Onkel hatte ihn zum Erben gemacht, bevor er ermordet wurde. Dann ist auch der Mörder tot, und Jack Dana gerät ins Fadenkreuz eines Monsters, das Viren in seinen Computer implantiert und so mit ihm kommuniziert…

Genug! Louis Begleys neuer Roman ist hanebüchen und unterläuft in seinem papiernen Draufgängerdröhnen jeden Standard. Die Dialoge sind platt oder unfreiwillig komisch. Die Liebesszenen sind selten und unbeholfen. Die Effekte sind grell und blenden. Das Parlament ist käuflich, Trump ist ein „grotesk unfreiwilliger Kandidat“, und Louis Begley ist mit diesem Trivialthriller auf seinem schriftstellerischen Tiefpunkt angekommen.
Ulrich Steinmetzger

Louis Begley. Killer’s Choice. Aus dem Amerikanischen von Christa Krüger. Suhrkamp. 254 S., 22 €

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