Literatur

Ein etwas anderer 007: Anthony Horowitzes „Ewig und ein Tag“

Anthony Horowitz widmet sich in seinem aktuellen Werk dem berühmtesten Geheimagenten der Welt.

Anthony Horowitz widmet sich in seinem aktuellen Werk dem berühmtesten Geheimagenten der Welt.

Foto: Sebastien Nogier / dpa

Anthony Horowitz erzählt in „Ewig und ein Tag“ die Vorgeschichte zu „Casino Royale“ – und bietet neue und altbekannte Blickwinkel auf Agent 007.

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Tot im Hafenbecken liegt 007, als ihn die französische Polizei findet. Drei Einschusslöcher im Anzug – abgefeuert aus nächster Entfernung. Mit „Ewig und ein Tag“ liefert Autor Anthony Horowitz die Vorgeschichte zu „Casino Royale“ – dem Originalroman von Ian Fleming wohlgemerkt. Denn die Verfilmung mit Daniel Craig basiert nur lose auf dem Klassiker aus dem Jahr 1953.

Die Geschichte spielt daher noch vor dem Jahr 1951, dem Zeitraum der Ereignisse aus Casino Royale – der zweite Weltkrieg ist noch immer präsent in den Köpfen der Menschen, als ein junger James Bond zum Doppelnull-Agenten befördert wird und die berühmt-berüchtigte Lizenz zum Töten erhält. Doch er ergänzt nicht das Team aus drei Agenten, er übernimmt die Rolle seines Vorgängers mit der Nummer 007 – eben jener, der in Südfrankreich ums Leben kam. Sein erster Auftrag lautet dann auch, den Mord an der Riviera aufzuklären, und den Auftrag des Agenten zu vollenden.

„Ewig und ein Tag“ – die Vorgeschichte zu „Casino Royale“

Im sonnigen Süden Frankreichs verschiffen in der Nachkriegszeit korsische Kriminelle Heroin, doch der Nachschub bleibt aus. Eigentlich eine erfreuliche Nachricht, doch der britische Geheimdienst vermutet mehr dahinter, immerhin gibt es keine offensichtlichen Gründe, weshalb die Banden ihre Haupteinnahmequelle nicht mehr bedienen wollen. Bonds Vorgänger scheiterte bei der Aufklärung der Umstände, der neue 007 soll es nun richten.

Vor Ort lernt er den CIA-Spion Reade Griffith kennen und freundet sich mit ihm an. Und natürlich nähert er sich einer mysteriösen Madame Sixtine an – im Casino von Monte Carlo. Die Geschichte ist also typisch Bond – was auch daran liegt, das Horowitz Zugang zu Originalmaterial von Ian Fleming hatte. Aus diesem entstand etwa eine Anekdote Bonds um einen russischen Kapitän und sein Schiff.

Ein neuer Blickwinkel auf den abgebrühten Agenten

Was die Literaturversion von den Filmen unterscheidet, ist der Blick ins Innere des Geheimagenten. Der Leser erfährt die Vorgeschichte, die Beweggründe und zumindest teilweise die Gefühle von 007.

Auch die Tatsache, dass Bond hier eben nicht der abgebrühte Geheimagent ist, sondern vergleichsweise unerfahren, macht den Roman zu einem interessanten Beitrag im Bond-Universum. Anders als die Filme, die sich auch mit der Rolle der Geheimagenten in unserer heutigen Zeit auseinandersetzen, gibt es hier klassischen Agentenstoff und altbekannte Bond-Stereotypen.

Nach und nach kommt Bond-Feeling auf

Horowitz hält dabei die Spannung stets aufrecht. Nur die Exposition ist etwas holprig geworden: Der Autor lässt die Beteiligten nacheinander alles erzählen, was der Leser für das Folgende wissen muss. Diese Monologe wirken da recht gekünstelt. Ist man darüber aber erst einmal hinaus, kommt echtes Bond-Feeling auf.

Ewig und ein Tag
von Anthony Horowitz
Cross Cult, 336 Seiten, 16,99 €
Wertung: 4 / 5 Punkten

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