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Wie sich die Fankultur durch soziale Netzwerke verändert hat

Lena Stamm aus Olpe mit Lena Meyer-Landrut.

Foto: Stamm

Lena Stamm aus Olpe mit Lena Meyer-Landrut. Foto: Stamm

Olpe.  Die Fankultur verschiebt sich immer mehr ins Netz. Auch Lena Stamm aus Olpe betreibt eine Fanseite. Eine Expertin erläutert die Folgen.

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Sie kreischen auf Konzerten, reisen ihren Stars hinterher und haben ihre Zimmerwände voller Poster: So stellt man sich junge Fans von Musikern vor. Heute geht es beim Fan-Dasein aber auch darum, seinen Star im Internet zu pushen und sich dort mit anderen Fans zu vernetzen.

Das macht auch die 14-jährige Lena Stamm aus Olpe. Sie ist „Lenaistin“, also Fan der Sängerin Lena Meyer-Landrut, die 2010 den Eurovision Song Contest mit „Satellite“ gewann. In ihrer Freizeit betreut sie auf Instagram eine Fanseite für ihr Idol. Dort und auf anderen Plattformen wie Youtube oder Twitter folgt die Schülerin Lena Meyer-Landrut und kommentiert ihre Beiträge. Durch Fangruppen und Fanseiten stehe sie mit vielen anderen Fans im Kontakt.

Das ist laut Katharina Heder von der Deutschen Pop Akademie in Bochum nicht ungewöhnlich. „Soziale Netzwerke sind qua Definition so zu verstehen, dass es ihre Aufgabe ist, Menschen sinnstiftend zu einem Thema zusammenzubringen, die weit auseinander leben“, erläutert die Dozentin für Marketing und Management.

Fans wissen nicht, wer postet

Allein auf Instagram hat Lena Meyer-Landrut mehr als zwei Millionen Fans und gilt damit als Influencerin. Unter ihren Beiträgen finden sich zahlreiche Kommentatoren wie Stamm, die ihr Idol anhimmeln. „Ich sehe Lena als Vorbild“, erläutert die Schülerin. Fan ist seit ihre sechsten Lebensjahr. „Ich höre den ganzen Tag ihre Musik, mag aber auch, wie sie sich allgemein gibt, ihren Charakter. Wie Lena Lena ist“, sagt Stamm.

Songs für Lena

Songs für Lena
Ingmar Kreienbrink, André Bauer

„Fans haben dank sozialer Netzwerke und der Möglichkeit zur direkten Kommunikation mit ihren Vorbildern eine viel emotionalere Beziehung aufgebaut“, erläutert Heder. Beispielsweise gebe es im Netz vermeintlich intime Einblicke in das Privatleben der Stars. Wer die Kommentare der Anhänger liest, sei aber nicht immer klar. „Für Fans ist oft nicht zu sehen, ob der Star selbst postet beziehungsweise antwortet oder eben dessen Team“, so die Dozentin.

Stamms Bewunderung für die Sängerin werde auch „offline“ beim Blick in ihr Zimmer bewusst. „Ich habe sehr viele Poster und Bilder an den Wänden hängen“, erzählt sie. Außerdem besitzt sie noch etliche Fanartikel. Dazu zählt auch eine Jacke, die die Sängerin bei einem Shooting mit dem Unternehmen L'Oréal getragen hat.

Treffen mit Lena Meyer-Landrut in Köln

Lang ist's her: Lena im Interview 2010

Lang ist's her: Lena im Interview 2010
Ingmar Kreienbrink, André Bauer

Stamms Freunde aus Olpe hätten sich mittlerweile mit ihrem Lenaismus angefreundet, sind aber eigentlich keine großen Lena-Fans. „Ihnen blieb auch nichts anderes übrig“, sagt die 14-Jährige mit einem Lachen. Zwar habe sie das Gefühl, ihre Freunde manchmal ein wenig zu nerven, dennoch gehen manche von ihnen mit ihr auf Konzerte.

Auf drei Konzerten ihres Idols war die Schülerin bereits, das größte Highlight war aber ein „Meet and Greet“ mit Lena Meyer-Landrut in Köln. „Lena saß in der Mitte und wir konnten ihr Fragen stellen“, erinnert sich Stamm. Ihr Idol selbst empfand sie als „wahnsinnig fanbezogen“. „Es hieß vorher, dass man sie nicht umarmen darf. Lena kam dann aber auf uns zu und hat mit uns Fotos gemacht.“

Illusionen werden über soziale Netzwerke geschaffen 

Für die Schülerin war dieses Treffen ein Höhepunkt und nicht mit den Social-Media-Aktivitäten gleichzusetzen. Das sei aber nicht bei jedem Fan so. „Tatsächlich ist steigende digitale Bekanntheit und vermeintlicher Kontakt über beispielsweise Nachrichten, die Agenturen schreiben, für einige Menschen damit gleichzusetzen, diese Menschen wirklich zu kennen“, sagt Katharina Heder.

Sie sieht daraus resultierend auch Risiken für die Stars. „Die Fans wollen Nähe, aber sie wollen eben ihre Illusion stärken und nicht die Realität sehen. Wer möchte auch eine Frau mit verlaufendem Make-up sehen, die nur wenige Stunden im Auto schlief, bevor in der nächsten Stadt Soundcheck ist?“, gibt sie zu bedenken.

Katharina Heder unterscheidet Fangruppen in von den Prominenten „selbst gegründeten und organisierten Fangruppen“, und „privat betriebene Clubs“. „Dient Ersteres eher als Kommunikations- und Marketinginstrumente, zeugt Letzteres schon seit jeher für eine tiefe Bindung an den jeweiligen Star“, erläutert sie.

Stamm ist Mitglied bei den „Lenaisten“

Einem privat betriebenen Verein ist Stamm 2016 beigetreten, den „Lenaisten“. Seit 2011 gibt es den Verein offiziell, der aus einem Internetforum entstanden ist. „Da ist eine tolle Gemeinschaft entstanden. Wir haben zum Beispiel auch gemeinsam den Eurovision Song Contest 2010 in Hannover geschaut“, erinnert sich Stefan Peters aus dem Vereinsvorstand. „Der Lenaismus klingt zwar wie eine Religion, ist aber purer Spaß“, versichert er.

Fanclubs an sich seien laut Heder nicht neu, schließlich hätten beispielsweise die Fußballvereine sehr aktive Fans. Für die Musikwelt können solche Anhänger besonders wichtig sein. „Ein gutes Beispiel sind die Fans der Kelly Family. Das Comeback im vergangenen Jahr beruht maßgeblich auch bestehenden Fans und dem Wunsch dieser nach neuen Songs“, betont die Dozentin.

Lena Stamm aus Olpe war noch bei keinem Treffen des Vereins. Die fanden bisher zu weit weg statt. Allerdings plant sie schon das nächstes Treffen mit ihrem Idol. „Von meinem Konfirmationsgeld kaufe ich Karten für die Tour im Herbst, auch wieder mit Meet and Greet", freut sich Stamm.

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