FILM

„Lady Bird“ – bewegtes Drama um eine Tochter und ihre Mutter

Saoirse Ronan (links) ist „Lady Bird“, Laurie Metcalf ihre Mutter und subtile Gegenspielerin.

Foto: Universal Pictures

Saoirse Ronan (links) ist „Lady Bird“, Laurie Metcalf ihre Mutter und subtile Gegenspielerin. Foto: Universal Pictures

Essen  Erwachsenwerden als Alltagsdrama: Greta Gerwig setzt in „Lady Bird“ das Gegen- und Miteinander von Generationen ins Bild – ab Donnerstag im Kino.

. Mit ihren gerade einmal 34 Jahren hat sich die Schauspielerin und Drehbuchautorin Greta Gerwig schon einen Status als Ikone des amerikanischen Independent Kinos erarbeitet. In Filmen wie „Greenberg“, „Wiener Dog“ und vor allem in „Frances Ha“ hat man ihren subtilen Humor und ihre Liebe zu den Rollen ganz normaler Alltagsmenschen schätzen gelernt. Jetzt hat sie, nach einem frühen Versuch als Co-Regisseurin, mit „Lady Bird“ ihren ersten eigenen Kinofilm gedreht. Und damit einen Erfolg erzielt, an den sie in dieser Fülle sicher nie geglaubt hat. Immerhin hat sie fast 100 Auszeichnungen damit errungen, bei doppelt so vielen Nominierungen – darunter auch in fünf Oscar-Kategorien.

Der Triumph ist umso erstaunlicher, als es sich bei „Lady Bird“ eigentlich nur um einen weiteren Film zum Thema Erwachsenwerden (neudeutsch: „Coming-of-Age“) handelt, von denen Hollywood nicht gerade wenig produziert. Was Gerwigs Film so anders macht, ist die Wahrhaftigkeit, mit der die Regisseurin das Thema angeht. Bei ihr spucken die Teenager keine gelackt-perfekten Sentenzen aus, sie strahlen erfreulich viel Natürlichkeit aus. Sicher auch, weil Gerwig, wie ihre junge Heldin, in Sacramento aufgewachsen ist und das Flair in diesem kalifornischen Hinterland noch sehr gut kennt.

Doppel-Schichten im Krankenhaus

Lady Bird (Saoirse Ronan), das ist die 17-jährige Christine McPherson, die sich diesen Phantasie-Namen zugelegt hat, um ein wenig aus dem grauen Alltag herauszuragen. Wenn der Film beginnt, hat sie noch ein Jahr bis zu ihrem Abschluss an der katholischen Highschool vor sich. Danach will sie nur noch weg, am liebsten an die Ostküste, besser noch gleich nach New York. Aber das sind Träume, die mit der finanziellen Lage des Elternhauses nicht in Einklang zu bringen sind. Dem Vater Larry (Tracy Letts) ist gerade gekündigt worden, dafür schiebt Mutter Marion (Laurie Metcalf) jetzt Doppel-Schichten im Krankenhaus.

Es ist denn auch die nicht gerade herkömmliche Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die diesen Film prägt. Marion kann nicht aufhören, immer wieder gegen ihre Tochter zu sticheln, weil sie ihre Liebe wohl nicht anders zeigen kann und vielleicht auch, weil sie in der rebellischen Tochter ihr eigenes, verlorengegangenes Spiegelbild entdeckt. Einmal, während einer Autofahrt, kann Lady Bird die Aggressivität im Reden ihrer Mutter nicht mehr ertragen – und stürzt sich einfach aus dem Auto. Auf dem Gips, den sie danach tragen muss, hat sie „Fuck You Mother“ einritzen lassen.

Ballkleid aus dem Second-Hand-Laden

Lady Bird mag in diesem letzten Highschool-Jahr ihre ersten erotischen Erfahrungen machen, sie muss einen Anti-Abtreibungsvortrag in der Sporthalle der Schule über sich ergehen lassen und sie muss zufrieden sein, ihr Kleid für den Abschlussball im Second-Hand-Laden zu erstehen. Aber das komplizierte Verhältnis zwischen ihr und ihrer Mutter mit seinen vielen Facetten bleibt das beherrschende Element in diesem so schön entspannten Film.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik