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Lachen und Weinen im Kino mit dem Stier Ferdinand

Das Schicksal des jungen Stiers Ferdinand scheint besiegelt. Dann findet er eine neue Freundin. Doch sein Glück ist nicht von langer Dauer.

Das Schicksal des jungen Stiers Ferdinand scheint besiegelt. Dann findet er eine neue Freundin. Doch sein Glück ist nicht von langer Dauer.

Foto: Fox

Essen.   Neu im Kino: Der Animationsfilm „Ferdinand – Geht STIERisch ab!“ erzählt eine Geschichte, die zu Tränen rührt – und uns zum Lachen bringt.

Wer einmal den 1942 entstandenen Zeichentrickfilm „Bambi“ gesehen hat, wird die Szene, in der Bambis Mutter von der Kugel eines Jägers niedergestreckt wird, wohl nie vergessen. Die wohl größte Angst eines jeden Kindes wird in diesem Moment Wirklichkeit. Plötzlich bricht der Tod in eine paradiesische Welt ein. Danach ist nichts mehr so, wie es war, weder für Bambi noch für das Kind, das den Film zum ersten Mal sieht.

In Carlos Saldanhas 3D-Anima­tionsfilm „Ferdinand – Geht STIERisch ab!“ gibt es nun einen ähnlich traurigen Moment. Nachdem Ferdinands Vater am Morgen von der Farm abgeholt wurde, um in der Stierkampfarena von Madrid gegen einen Matador anzutreten, wartet das kleine Kälbchen sehnsüchtig auf dessen Rückkehr. Doch dann kommt nur der leere Transporter zurück, und mit einem Schlag weiß Ferdinand, dass er seinen Vater nie wieder sehen wird. Gleich darauf flieht er, der immer schon lieber an Blumen gerochen als gekämpft hat, von der Farm und landet bei einem Mädchen, das ihn sofort in ihr großes Herz schließt. Aber auch seine neue Familie wird der zu einem riesigen Stier herangewachsene Ferdinand durch eine Reihe von Missgeschicken verlieren. So führt ihn sein Weg doch noch in die Stierkampfarena.

Visuelle Gags und große Slapstick-Szenen

Carlos Saldanhas Verfilmung von Munro Leafs und Robert Lawsons 1936 erschienenem Bilderbuch „Ferdinand, der Stier“ hat zwei eigentlich kaum miteinander zu vereinbarende Seiten. Zum einen bleibt sich Saldanha, der federführend an der „Ice Age“-Reihe beteiligt war und auch die beiden „Rio“-Filme inszeniert hat, durchaus treu. Auch in „Ferdinand“ setzt er auf visuelle Gags, die an alte Cartoons erinnern, und auf große Slapstick-Szenen. So landet Ferdinand einmal in einem Geschäft für Tassen und Teller, die er schließlich auf seinen Hörnern balanciert. Aber so sehr er sich auch bemüht, keinen Schaden anzurichten, er bleibt doch ein Stier im Porzellanladen.

Doch diese überbordenden, gelegentlich auch vor Albernheiten nicht zurückschreckenden Szenen sind eben nur die eine Seite des Films. Die andere erzählt zunächst noch dezent vom Tod des Vaters in der Arena und führt Ferdinand schließlich in ein Schlachthaus, in dem zwei für die Arena ungeeignete Stiere zu Steaks verarbeitet werden sollen. In diesen Momenten überrascht Saldanha einen mit ei­ner Ernsthaftigkeit, die seinen früheren Filmen fehlte.

Anrührendes Plädoyer gegen Stierkämpfe

Aus der Geschichte von dem friedliebenden Außenseiter, der jedem Kampf aus dem Weg geht, wird ein anrührendes Plädoyer gegen den Stierkampf. Trotzdem karikiert Saldanha nicht einmal den Matador, der sich Ferdinand als Gegner für seinen letzten Auftritt in der Arena ausgesucht hat. Er gönnt El Primero in der Niederlage sogar einen Moment innerer Größe, der noch einmal ganz deutlich unterstreicht, dass Gewalt keineswegs ein Ausdruck von Stärke ist.

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