Ruhr.2010

Kulturhauptstadt hatte zehn Millionen Bürger

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Oberhausen. 21 Tage vor Ende des Kulturhauptstadt-Jahrs ziehen die Ruhr.2010-Verantwortlichen eine positive Bilanz. Geschäftsführer Pleitgen sparte aber auch die Loveparade nicht aus, deren Tragödie „wie ein Meteorit“ eingeschlagen sei.

Bis zum Ende des Kulturhauptstadtjahres sind es noch 21 Tage, prall gefüllt mit 140 Kulturhauptstadt-Veranstaltungen. Aber dass Ruhr.2010 ein Riesenerfolg war, den man in dieser Riesenhaftigkeit natürlich nicht erwarten konnte, das steht längst fest. So hielten sich die Überraschungen, die Fritz Pleitgen und Oliver Scheytt als Ruhr.2010-Chefs auf der „kältesten Pressekonferenz des Jahres“ im Oberhausener Gasometer zu verkünden hatten, denn auch in engen Grenzen. Dass die Kulturhauptstadt 10,5 Millionen Besucher hatte (überwiegend Eingeborene, versteht sich) und einen Tourismuszuwachs von 13,4 Prozent (bei vergleichsweise bescheidenem Ausgangsniveau) und dass nur fünf von 5500 Veranstaltungen Groß-Events waren, hatte sich auch zuvor schon herumgesprochen.

Man habe das Versprechen eingelöst, eine Kulturhauptstadt für alle zu veranstalten und die Bürgerinnen und Bürger zu aktivieren, so Fritz Pleitgen, und man sei mit „starken, frischen Bildern“ gegen das „veraltete, standortschädliche Image“ angegangen. Die größten Erfolge seien die „Local Heroes“-Reihe (bei der jede Revierstadt eine Woche lang kulturell glänzen durfte) und das „Twins“-Programm aus Kulturprojekten mit den jeweiligen europäischen Partnerstädten der Revier-Kommunen gewesen. Man habe das Ruhrgebiet auf dem Weg zur Metropole weiter vorangebracht („Das Jahr war ein starkes Plädoyer für die polyzentrische Metropole Ruhr“) und im Revier „eine neue Soldiarität gelernt“, sagte Pleitgens Kollege Oliver Scheytt.

„Auf keinen Fall klein-klein weitermachen“

Aus Sicht der Ruhr.2010 GmbH, so Scheytt, sollte die Kultur.Ruhr GmbH (die sich bislang vor allem um die Organisation der Ruhr-Triennale kümmert) die Aufgaben der städteübergreifenden Kultur-Koordination im Revier übernehmen. Man habe dafür im Aufsichtsrat der Ruhr.2010 gerade 33 Projekte benannt, die weitergeführt werden sollen, darunter die „Ruhr-Kunst-Museen“ und der „Kultur-Kanal“ in der Emscherzone.

„Aber man sollte auf keinen Fall klein-klein weitermachen“, wollte Fritz Pleitgen „den Kräften der Restauration ins Stammbuch“ geschrieben wissen – gewandt an den Regionalverband Ruhr (RVR), in dem es das Bestreben gibt, die Aufgaben der Ruhr.2010 auf diverse RVR-Einrichtungen zu verteilen. Der RVR soll am 13. Dezember beschließen, die Kulturhauptstadt-Umlage von 2,4 Millionen Euro auch 2011 von den 53 Städten und Gemeinden des Reviers zu erheben; das Land NRW, so Oliver Scheytt, prüfe gerade „wohlwollend“, weitere 4,2 Millionen für die Revier-Kultur beizusteuern.

Pleitgen sparte in seiner Bilanz des Kulturhauptstadtjahres auch die Loveparade nicht aus, deren Tragödie „wie ein Meteorit“ eingeschlagen sei, obwohl es sich um ein Unglück gehandelt habe, „das durch menschliche Fehler ausgelöst worden sei – das liegt mir immer noch auf der Seele, ich frage mich, was hätte ich anders machen können?“ Aber für die Loveparade hätten sich nicht nur die Kulturhauptstadt-Chefs ausgesprochen, sondern auch viele Politiker, die im Nachhinein darüber geschwiegen hätten. Er habe sich zu seiner Mitverantwortung bekannt, obwohl „wir keinen Vertrag mit der Loveparade hatten und es keine finanziellen Zuwendungen gab“. Pleitgen kritisierte aber auch, dass die Medien im Vorfeld der Loveparade „ihrer Aufgabe nicht gerecht“ geworden seien - von Sicherheitsproblemen sei im Vorfeld nirgends zu lesen oder zu hören gewesen.

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