Sponsoring

Klavierfestival Ruhr, der teure Tastengipfel

Franz Xaver Ohnesorg führte das Klavierfestival Ruhr zum Erfolg. Doch das Verhältnis zu einigen Großsponsoren hat gelitten.

Franz Xaver Ohnesorg führte das Klavierfestival Ruhr zum Erfolg. Doch das Verhältnis zu einigen Großsponsoren hat gelitten.

Foto: frank vinken

Essen.   Künstlerisch ist das Klavierfestival Ruhr ein Erfolg. Doch einigen Sponsoren ist es zu groß und zu teuer geworden. Sie springen ab – und Intendant Franz Xaver Ohnesorg muss sich rechtfertigen.

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RWE, Eon und Evonik haben dem Klavierfestival Ruhr das Sponsoring zusammengestrichen, und es liegt nicht nur an der Finanzkrise. Auch ein Grund: Intendant Ohnesorg ignoriert seit Jahren die Forderung, das Programm zu straffen. Seit Monaten läuft die Suche nach weiteren Geldgebern für eine Stiftung, die das Festival langfristig tragen soll. Die Aufnahme in den sogenannten Gründerkreis läuft noch bis Ende des Jahres.

Vor zwei Jahren hatte RWE-Chef Jürgen Großmann genug: Franz Xaver Ohnesorg forderte von ihm mehr Geld für sein Klavierfestival. Großmann bügelte den Intendanten ab: „Der Jahresbeitrag für den Initiativkreis Ruhr ist hoch genug, mehr gibt es nicht!“ Großmann strich das zusätzliche Sponsoring für die Konzerte in Höhe von etwa 100 000 Euro im Jahr auf null. Ohnesorg sei dem RWE-Boss zu narzisstisch gewesen, sagt einer, der nah dran war. Ohnesorg selbst bewertet den Rückzug des Stromkonzerns anders: „Wenn sich ein Sponsor aus wirtschaftlichen Gründen zurückzieht, muss ich davor Respekt haben.“

Erfolgreich, zu erfolgreich?

Als Franz-Xaver Ohnesorg vor 15 Jahren beim Klavierfestival anfing, war seine Aufgabe gewaltig: Er sollte das Klavierfestival im Auftrag des Initiativkreis Ruhr zum Leuchtturm machen, Glanz und Glamour an die Ruhr holen. Das meiste gelang: Daniel Barenboim trat beim Festival auf, Anne-Sophie Mutter kam. Der Initiativkreis, ein Zusammenschluss von gut 70 Unternehmen an der Ruhr, zeigte sich zufrieden. Die Konzerte sind eine gute Gelegenheit zur Kundenpflege. Aktueller Moderator des Initiativkreises ist WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach.

Allerdings scheint es, als habe der Erfolg Ohnesorg abheben lassen. Immer wieder beschwerten sich Unternehmen im Initiativkreis, Tenor: das Festival sei zu teuer. Schon 2005 forderte der damalige Moderator Werner Müller, das Klavierfestival müsse mit maximal 600 000 Euro Zuschuss im Jahr auskommen. Schließlich müsse der Initiativkreis mit seinem Budget von etwa drei Millionen Euro auch noch andere Projekte bezahlen. Die Unternehmen wollten die Zahl der Konzerte auf 60 begrenzen und so die Ausgaben senken.

Wie sehr ist der Intendant gebunden?

Ohnesorg hätte diese Aufforderung umsetzen müssen. Er ist nicht nur Intendant des Festivals, sondern war von 2005 bis 2010 auch einer von zwei Geschäftsführern im Initiativkreis und an Weisungen gebunden. Doch er hielt sich nicht an die Vorgaben. 2007 sorgte Ohnesorg für 88 Konzerte. Der Zuschuss des Initiativkreises lag da bei 1,14 Millionen Euro. Es folgte ein persönlicher Brief an Ohnesorg, in dem eine Begrenzung auf 60 Konzerte dringend gefordert wird. Der Intendant ignorierte auch das.

Ohnesorg widerspricht den Dokumenten. Im Gespräch mit der WAZ sagt er, es habe zu keiner Zeit eine Zielvorgabe gegeben. „Wir sind ja nicht in der Planwirtschaft, wo Zahlen festgelegt werden und gesagt wird: Wehe, Du bist besser.“ Durch höhere Sponsoring-Einnahmen seien mehr Konzerte möglich geworden.

Kosten seit 1995 fast verfünffacht

Das Klavierfestival Ruhr ist heute um ein Vielfaches teurer als vor Ohnesorgs Antritt als künstlerischer Leiter. 1995 ging das Festival für 1,23 Millionen D-Mark über die Bühnen, 2010 kostete es 3,58 Millionen Euro. Etwa ein Drittel des Festival-Budgets kommt vom Initiativkreis, ein weiteres Drittel stammt aus Ticket-Einnahmen. Den Rest geben zusätzliche Sponsoren.

Allerdings finanzieren etliche Unternehmen an der Ruhr das Festival gleich zweimal. Über ihren Beitrag an den Initiativkreis – und als Sponsor für die Konzerte. Etlichen Firmen stieß das auf. Nicht nur RWE-Chef Großmann ist der Geduldsfaden gerissen. Auch die Großsponsoren Eon und Evonik haben dem Festival Geld gestrichen. Evonik zahlte jahrelang bis zu 200 000 Euro im Jahr – in diesem Jahr gab es keinen einzigen Euro. Eon-Tochter Ruhrgas hat das Sponsoring auf etwa 50 000 Euro reduziert.

Alte Sponsoren gingen, neue kamen

Ohnesorg sagt, der Rückzug der Großsponsoren sei nicht schlimm, die Zahl der Sponsoren sei von 44 auf 54 gestiegen. Ob die neuen Sponsoren genug Geld geben, um den Ausfall zu kompensieren, wollte Ohnesorg aber nicht verraten. Nur so viel ist sicher: Die mit öffentlichem Geld ausgestattete Kunststiftung NRW sagte bis jetzt vierhunderttausend Euro für die Klaviermusik zu.

Wer die ausgeschiedenen Sponsoren nach den Gründen für den Rückzug fragt, bekommt nur unter Zusicherung der Anonymität Auskunft: Die Geldgeber hätten keine Lust mehr, in eine Blackbox einzuzahlen, heißt es. Öffentliche Zahlen gibt es nicht.

Gewinne – das überrascht die Sponsoren

Der WAZ liegt eine interne Kostenliste vor. Daraus ergibt sich, dass etwa im Jahr 2007 nach Organisation der Konzerte 364 698 Euro als Rohgewinn übrig blieben – nachdem Honorare, Hotels und Saalmieten bezahlt waren. Der Erlös wurde ermöglicht durch Ticket-Einnahmen und Sponsoring. Die personellen Fixkosten sowie die Kosten fürs Büro bezahlte der Initiativkreis in getrennter Rechnung.

Sponsoren gingen bislang von Verlusten, allenfalls von einer schwarzen Null aus. Und mehr noch: Statt mit dem Überschuss den Beitrag des Initiativkreises zu senken, bezahlte Ohnesorg mit dem Gewinn unter anderem die von ihm erfundenen „Education-Projekte“ mit Jugendlichen.

Ohnesorg sagt, der Geschäftsführende Arbeitskreis des Initiativkreises habe stets einen korrekten Jahresabschluss vorgelegt bekommen. „Wer mehr wissen wollte, erhielt die erbetene Antwort. Alles sei „einvernehmlich beschlossen worden“.

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