Kino

Will Smith im Doppelpack: „Gemini Man“ auf der LeinwandWill Smith im Doppelpack: „Gemini Man“ auf der Leinwand

Hier und da blickt Will Smith in „Gemini Man“ auch recht erstaunt aus der Wäsche.

Hier und da blickt Will Smith in „Gemini Man“ auch recht erstaunt aus der Wäsche.

Foto: Paramount Pictures Germany

Berlin.   „Gemini Man“ ist technisch eine Wucht und liefert solide Action-Unterhaltung. Will Smith trifft in seinem neuen Streifen auf sein jüngeres Ich.

Jean-Luc Godard merkte einmal an, dass Filme 24 Mal pro Sekunde lügen, denn üblicherweise laufen Bewegtbilder mit 24 Bildern pro Sekunde (fps) ab. Peter Jackson verdoppelte die Kino-Framerate für den „Hobbit“ auf 48, was ein besonders scharfes und detailreiches Bild ermöglichte, aber die Kulissen leider als Pappmaschee entzauberte. Besser funktionierte die Technik beim Biopic „Die irre Heldentour­ des Billy Lynn“, das Ang Lee sogar in 120 fps filmte. Der Hyperrealismus unterstrich den biografischen Anspruch.

„Gemini Man“ ist technisch brillant

Nun hat Ang Lee erneut mit 120 fps und in 3D+ gedreht. Und auch wenn „Gemini Man“ wegen fehlender Kinoausstattung in 60 fps projiziert wird, funktioniert der Effekt: Die detailreiche Schärfe macht die genial inszenierte Action wuchtiger – man fühlt sich mittendrin statt nur dabei. Welchen Anteil das Gimmick am Ergebnis hat, ist indes kaum aufzudröseln. Es liegt auch am klassischen Handwerk, dass der SciFi-Actionthriller spannend unterhält. Der Autorenfilmer Lee setzt die Kämpfe nämlich weit findiger um als Spielkinder der Marke Michael Bay.

Die saubere Machart zeigt sich in vielen Kleinigkeiten. Zur Eröffnung liegt Will Smith als Attentäter der US-Behörde DIA auf der Lauer. Die Zielperson sitzt in einem vorbeirauschenden Zug, Smith feuert. Es folgt ein Schnitt auf den Zug, der zugleich das heransausende Projektil aufgreift, bis die Kugel von links in die Scheibe kracht. Muss man gesehen haben.

Der Regisseur beherrscht sein Metier

An anderer Stelle wird Smith verfolgt und erspäht den Gegner in der Spiegelung einer Pfütze. Wenn dann noch Ego-Aufnahmen wie aus einem First-Person-Shooter dazukommen, merkt man, dass Ang Lee einfach weiß, was er tut.

Der Plot bietet ein paar Twists, von denen einer verraten werden muss. Smith spielt den Top-Regierungskiller Henry Brogan, den der Leiter eines Geheimprojekts (Clive Owen) eliminieren will. Die junge Agentin Danny (Mary Elizabeth Winstead) und Henrys Kumpel Baron (Benedict Wong) helfen dem Gejagten bei der Flucht rund um den Globus. Dann schaut Brogan einem Verfolger ins Gesicht und sieht sich selbst als jüngere Klon-Version. Der digital animierte jüngere Will Smith ist das zweite Technik-Highlight, wobei es erstaunt, wie real die Kopie aussieht.

Schnittige Dialoge

Die Story fällt hinter der technischen Brillanz zurück, sollte aber nicht leichtfertig abgetan werden. Bezüge stecken genug darin, wenn der Antagonist etwa anmerkt, dass der Kriegseinsatz von Klonsoldaten humaner sei, da die Gefallenen so keine Trauernden hinterlassen. Damit setzt der Widersacher einen Trend fort, bei dem die Motive der „Bösen“ ethische Fragen aufwerfen.

Unterm Strich ist „Gemini Man“, der auch viele schnittige und humorvolle Dialoge bietet, aller Technikwucht zum Trotz der vielleicht menschlichste Actionkracher seit den Hongkong-Epen von John Woo.

USA 2019, 117 Min., R: Ang Lee,
D: Will Smith, Mary Elizabeth Winstead, Clive Owen, Benedict Wong
FSK 12, Wertung: 4 / 5 Punkten.

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