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„Stronger“ hat das Leben von Jake Gyllenhaal verändert

US-Schauspieler Jake Gyllenhaal.

Foto: Jordan Strauss / dpa

US-Schauspieler Jake Gyllenhaal. Foto: Jordan Strauss / dpa

Essen   In „Stronger“ spielt Jake Gyllenhaal Jeff Baumann, der beim Attentat von Boston seine Beine verlor. Heute sind sich die beiden nahe.

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Hollywood-Schauspieler ­Jake Gyllenhaal (37) war es, der als Erster Interesse an der Rolle des Jeff Bauman bekundete. Der Arbeiter wurde im Jahr 2013 Symbol der Hoffnung für eine verwundete Stadt. Bei dem Bombenattentat auf den Boston-Marathon verlor er beide Beine und kämpfte sich mühsam ins Leben zurück.

Das Drama „Stronger“ (nach Baumans gleichnamigem Buch, Kinostart 19. April) schildert seinen Leidensweg und seinen inspirierenden Durchhaltewillen. Der Oscar- und Golden-Globe-Nominee Gyllenhaal („Brokeback Mountain“) spielte schließlich nicht nur die Hauptrolle, sondern produzierte den Film auch. Im Interview spricht er seine Annäherung an den echten Jeff Bauman und ihre Beziehung.

Wie haben Sie vom Attentat auf den Boston-Marathon erfahren?

Jake Gyllenhal: Ich war in New York und erinnere mich an die Fernseh-Szenen des Chaos unmittelbar nach dem Anschlag. Und ich erinnere mich gut an das Bild des schwer verletzten Jeff Bauman. Wir sind alle Teil einer Familie, die diesen Anschlag verarbeiten muss. Die Wunden sind noch am Verheilen, so viele Menschen sind von den Folgen betroffen. Doch in die Tränen mischen sich Optimismus und Lebensfreude.

Warum lag Ihnen so viel an seiner Lebensgeschichte, dass Sie den Film auch produziert haben?

Gyllenhal: Wir sind Freunde geworden, deshalb sollte Jeffs Geschichte wahrheitsgemäß und diskret erzählt werden. Jeder kennt ihn von den Fotos, die um die Welt gingen. Seit der Identifizierung der Boston-Attentäter nach dem Aufwachen aus dem Koma verehren ihn viele Amerikaner als Held. Noch viel größer war seine Leistung, sich nicht hängen zu lassen, um Dinge, die uns selbstverständlich erscheinen, wieder tun zu können. Er brauchte Monate, um wieder zwei Schritte gehen zu können, und es kostete ihn ungeheuer viel Kraft. Ich lege nicht meine Hand dafür ins Feuer, dass ich diese Situation überlebt hätte.

Wie gut kennen Sie ihn?

Gyllenhal: Ich hasse die Aussage von Schauspielern, aber die Begegnung mit ihm veränderte mein Leben. Es passiert einfach, es gehört zum Prozess des Filmemachens. Der Autor hatte 18 Monate mit Jeff und seiner Familie verbracht, ehe er das Drehbuch schrieb. Trotzdem habe ich mir nochmals ein Jahr Zeit genommen, um sie gut kennenzulernen. Ich wollte Jeff mit seinem bittersüßen Humor und seinen Macken porträtieren, und nicht so, wie ich ihn mir vorstelle.

Was hat sich für Sie verändert?

Gyllenhal: Ohne seine Familie und seine Freunde hätte Jeff das nicht geschafft. Ich habe durch unsere Freundschaft gelernt, wie wichtig funktionierende Beziehungen sind. Ich pflege meine Freundschaften. Früher hatte ich zu meinen Freunden einmal die Woche Kontakt, heute beinahe jeden Tag. Denn das sind die Menschen, die in solchen Momenten da sein werden.

Sehen Sie Jeff Bauman als positives Beispiel?

Gyllenhal: Natürlich. Zu oft stehen heute Menschen im Fokus der Öffentlichkeit, weil sie reich oder schön sind. Jeff verkörpert die Tugenden, die wirklich zählen. Als der Film bei der Premiere beim Filmfestival von Toronto endete, fragte er mich, was er jetzt tun solle. Ich sagte nur: „Steh auf“. Mir war die Ironie in diesem Moment gar nicht bewusst. Als er mithilfe seiner Bein-Prothesen aufgestanden war, dankte ihm da Publikum mit Standing Ovations. Es hatte verstanden, wie viel Kraft ihn diese Bewegung gekostet hatte. Ich bin ständig auf Achse und achte nicht auf meine Gliedmaßen, für ihn aber bedeutete dieser Moment sehr viel.

Haben Sie befürchtet, dass Sie Dinge nicht zeigen können, ohne Jeff in schlechtes Licht zu rücken?

Gyllenhal: Ich mag Filme, die alle Facetten eines Menschen zeigen. Wir haben uns bei der Dramatisierung von der Verantwortung leiten lassen, so nah wie möglich an der Wahrheit zu bleiben. Solche Prämissen bergen Schatten und Chancen. Es gab eine Zeit, in der Jeff sich emotional verloren fühlte. Er sehnte sich nach seinem alten Leben zurück. Es war sehr schmerzhaft, zu erkennen, dass er einen Neuanfang wagen muss. Die Wut darüber mussten wir im Film deshalb zeigen.

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