Kino

Doctor Sleeps Erwachen: Ein Fest für „Shining“-Fans

DIe Ähnlichkeit mit Jack ist nicht ganz zufällig: Ewan McGregor.

DIe Ähnlichkeit mit Jack ist nicht ganz zufällig: Ewan McGregor.

Foto: Warner Bros. GmbH / Raufeld

Berlin.  Neues zum Gruseln: „Doctor Sleeps Erwachen“ ist das „Shining“-Sequel, von dem man erst hinterher weiß, warum man es anschauen wollte.

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Von Christian Horn


Das Kino hat das oft gescholtene Phänomen der Fortsetzungen und Neuverwertungen erfolgreicher Stoffe keineswegs erfunden, sondern aus der Welt der Literatur übernommen. Auch der Horrorautor Stephen King führte seinen Erfolgsroman „Shining“ von 1977 vor sechs Jahren unter dem Titel „Dr. Sleep“ fort. Nun erscheint die zugehörige Kinoadaption, bei der allein schon die vertrackte Ausgangslage interessant ist.

Drehbuchautor und Regisseur Mike Flanagan jongliert nämlich mit mehreren Vorlagen und den daraus resultierenden Erwartungshaltungen: neben den King-Romanen insbesondere mit der klassischen „Shining“-Adaption von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1980. Dazu kommt, dass Kubrick die Original-Story wesentlich umschrieb, was King bei seiner Romanfortsetzung wiederum ignorierte. Es spricht für Flanagan, dass er bei seinem späten Klassiker-Sequel den Spagat zwischen Referenz an die Originale, Sequel und eigenem Ansatz ziemlich geschickt meistert.

„Doctor Sleeps Erwachen“ thematischen posttraumatische Vorbelastung

„Dr. Sleep“ beginnt mit einer akkuraten Nachstellung von Schlüsselszenen des Kubrick-Films, die mit einer passenden Neubesetzung und nicht etwa mit der momentan angesagten Digital-Verjüngung realisiert wurde. Danach schickt sich der Film zunächst an, ein fatalistisches Psycho-Drama zu werden.

Roman wie Film erzählen die Geschichte von Danny Torrance (Ewan McGregor) weiter, dem Sohn des Axt schwingenden Psycho-Vaters, den Jack Nicholson so wuchtig verkörperte. Danny ist inzwischen erwachsen und hat sowohl seine Telepathie-Begabung namens „Shining“ als auch seinen zwischenzeitigen Alkoholismus unter Kontrolle. Doch dann nimmt der Film eine Wendung, als das ebenfalls übersinnliche Mädchen Abra (Kyliegh Curran) Danny kontaktiert. Es gilt, eine grausame Hippie-Untoten-Sekte unter Führung von Rose the Hat (verführerisch diabolisch: Rebecca Ferguson) unschädlich zu machen...

Ambitionierte Fortführung

Was konstruiert bis haarsträubend klingen mag, fügt sich im Film sinnvoll zusammen, wobei man den filmischen Vorgänger besser kennen sollte, da Mike Flanagan diesen nicht nur in direkten visuellen Zitaten aufgreift. Und natürlich muss man akzeptieren, dass es völlig legitim ist, einen ewigen Klassiker fortzusetzen, auch wenn dessen Brillanz kaum erreicht werden kann.

Flanagan setzt jedenfalls genug eigene Ideen um, so dass er dem Vorbild einerseits die Ehre erweist, andererseits aber nicht in bloßer Ehrfurcht erstarrt. So ist „Dr. Sleep“ eine ambitionierte Fortführung geworden, die nicht nur die schnelle Mark mit dem aktuellen King-Revival machen will, sondern bei der die eigene Interpretation harmonisch mit Kubricks Meta-Klassiker zusammenläuft.

USA/GB 2019, 152 Min., R: Mike Flanagan, D: Ewan McGregor, Rebecca Ferguson, Kyliegh Curran
FSK 16, Wertung: 4 / 5 Punkten.

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