Kino

Ab heute Neu auf der Leinwand: „Roman J. Israel, Esp.“

berlin.  Der Film zeigt eindringlich die moralische Wendung eines Idealisten. Der Titelheld wird gespielt von Hollywoodstar Danzel Washington.

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Schon mit seinem Film „Nightcrawler“ brachte Regisseur und Drehbuchautor Dan Gilroy vor drei Jahren einen verstörenden Nachrichten-Junkie auf die Leinwand, der selbst für die Straftaten sorgte, über die er brandheiß berichtete. Nicht weniger verstörend kommt jetzt in seinem zweiten Film der Titelheld Roman J. Israel daher: ein Rechtsanwalt im heutigen Los Angeles, der Zeit seines Lebens für das Gute im Allgemeinen und die Rechte der Rechtlosen im Besonderen gekämpft hat.

Akribie im Hintergrund

Allerdings immer aus der zweiten Reihe, denn im direkten Kontakt zu anderen Menschen ist Roman, um es gelinde auszudrücken, nicht ganz einfach: zu direkt, zu ehrlich und insgesamt mehr als nur ein bisschen schräg. Deshalb ist bisher im Gerichtssaal immer sein Kanzleipartner aufgetreten, während Roman die Fälle im Hintergrund akribisch vorbereitet hat.

Ein komplizierter Charakter, wie gesagt, aber kaum hat man sich an den idealistischen, inselbegabten, aber sozial inkompetenten Mann gewöhnt, dessen Anzüge, Afrofrisur, Musikgeschmack und Ansichten irgendwo in den 70er-Jahren hängengeblieben sind, schlägt der Film Haken.

Nachdem sein Kompagnon unerwartet stirbt, muss sich Roman nach 35 Jahren nach einem neuen Job umsehen und heuert in der Firma eines gerissenen Luxusadvokaten an. Auch dort eckt er zunächst an, wirft aber alsbald alle Werte über Bord und vergreift sich sogar an illegal beschafftem Geld. Ohne überzogene Dramatik nimmt die gerade in ihrer Lächerlichkeit zunehmend tragische Geschichte ihren Lauf. Auch Romans nur angedeutete (und nicht unbedingt glaubwürdige) Zuneigung zur Aktivistin Maya kann dem von den eigenen Ansprüchen getriebenen Mann nicht mehr helfen.

Ein sperriger Charakter

Denzel Washington (Bild) spielt diesen Roman mit fast unangenehmer Intensität. Auch äußerlich ist der Hollywoodstar hinter Afromähne, Riesenbrille, altmodischen Klamotten und dem schwerfälligen Gang kaum wiederzuerkennen. Weder er noch der Film legen es darauf an, dem Zuschauer seine Figur auf Anhieb sympathisch zu machen, dazu bleibt sie zu sperrig.

Und doch sieht man mit Interesse dabei zu, wie sich ein im Grunde guter Mensch an einer viel zu schnellen, viel zu hinterhältigen Umwelt reibt. Ein moderner Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlen der Justiz, sozusagen, dem auf einmal die Luft ausgeht. Ist er den Verlockungen des schnellen Lebens erlegen? Machen die neue Frisur, die neuen Anzüge, die neue Nobelwohnung einen anderen Menschen aus Roman J. Israel?

Der Zuschauer sollte nicht vergessen, dass Roman in der Rahmenhandlung seine eigene Anklage aufsetzt, sich seiner „Vergehen“ also durchaus bewusst ist. Und dass sein großer Aktenkoffer außerdem ein noch viel wundersameres Projekt enthält, auch wenn wir nichts davon erfahren …

„Ich bin es leid, das Unmögliche für die Undankbaren zu erwirken“, sagt Roman einmal. Ob der Zuschauer seiner plötzlichen moralischen Wendung zu folgen bereit ist, das ist der Knackpunkt dieses sehenswerten Porträts eines wie aus der Zeit gefallenen Mannes.

USA 2017, 122 Min., R: Dan Gilroy, D: Denzel Washington, Carmen ­Ejogo FSK 6, Wertung: 4 von 5 Sternen

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