Hollywood

Joaquin Phoenix spielt den „Joker“ mit irrer Leidenschaft

Joaquin Phoenix zeigt als „Joker“ seine Karriere-Bestleistung – und trägt reichlich manisch-bedrohliche Züge.

Joaquin Phoenix zeigt als „Joker“ seine Karriere-Bestleistung – und trägt reichlich manisch-bedrohliche Züge.

Foto: Niko Tavernise / Warner Bros

Essen.  Der Joker als Rächer der Enterbten: Der neue Film von Todd Phillips ist preisverdächtig. Joaquin Phoenix zeigt darin seine Karriere-Bestleistung.

Es ist dieses Lachen, das sofort im Gedächtnis bleibt. Dieses kreischende, krankhafte, überdrehte, hysterische Lachen, das zugleich auch ein Weinen ist und ein Schrei der Verzweiflung. Der Joker als berüchtigter Gegenspieler des Superhelden Batman hat im Laufe der Filmgeschichte schon manch furchteinflößende Fratze gezeigt. Doch keine trug derart manisch-bedrohliche Züge, wie sie Joaquin Phoenix dieser Figur nun verleiht. Dank dessen Karriere-Bestleistung ist der am Donnerstag in unseren Kinos startende „Joker“ keine x-beliebige Comicverfilmung geworden, sondern das verstörende Psychogramm einer gemarterten, aufbegehrenden Seele.

Die Joker-Rolle hat schon viele Darsteller herausgefordert. In Erinnerung blieb Jack Nicholson, der in Tim Burtons „Batman“ (1989) tänzelnd und scharwenzelnd einen Giftgasangriff auf Gotham City auslöste. Sein diabolisches Dauergrinsen machte Nicholson auch deshalb reich, weil er sich vertraglich am Einspielergebnis des Filmes beteiligen ließ. Der wurde ein Welterfolg – und spülte 60 Millionen Dollar auf Nicholsons Konto. Bis heute eine Rekordgage in Hollywood.

Heath Ledgers Joker-Leistung war herausragend

Vor drei Jahren passte sich der in Künstler- und Kritikerkreisen hoch geschätzte Jared Leto mit seiner Joker-Performance dem unterirdischen Niveau der Comicverfilmung „Suicide Squad“ an. Herausragend hingegen die Leistung von Heath Ledger in Christopher Nolans „The Dark Knight“ (2008). Sein Joker gilt Fans als mit Abstand bestes Leinwand-Schurkenstück im neuen Kinojahrtausend. Tragischerweise starb der australische Schauspieler kurz darauf an einer Medikamenten-Überdosis, er wurde aber postum zu Recht mit einem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Mit Preisen dürften nun auch Joaquin Phoenix und der neue „Joker“-Film überschüttet werden, nach dem Goldenen Löwen in Venedig. Dabei war Regisseur Todd Phillips bislang eher mit durchgeknalltem Popcorn-Kino aufgefallen war („Hangover“). Eine markerschütternde Charakterstudie hätten ihm nur die wenigsten zugetraut.

Joaquin Phoenix zeigt die Wandlung zum Joker mit Vehemenz und Wucht

Phillips fokussiert sich auf die Figur Arthur Fleck, bevor sie sich in den Joker verwandelt. Ihn interessiert mehr, wie es überhaupt zu dieser seelischen und körperlichen Verwandlung kommen konnte. Und Joaquin Phoenix, der sich für diese Rolle bis auf die Knochen heruntergehungert hat, verkörpert jenen erfolglosen Stand-up-Comedian Arthur Fleck mit einer Vehemenz und Wucht, die ihresgleichen sucht.

Mal sitzt Fleck verzweifelt vor seiner Therapeutin, die ihm nicht zuhören will. Dann hadert er mit der Pflege seiner psychisch angeschlagenen Mutter. Und regelmäßig wird der erfolglose Stand-up-Comedian auch das Opfer von Alltagsgewalt.

Wegen der Gewaltdarstellungen in den USA durchaus umstritten

Er ist ein Prügelknabe, der sich erfolglos nach Anerkennung und Aufmerksamkeit sehnt. Die bekommt er erst, als er zurückschlägt, mit Gewalt – und zwar mit solcher Vehemenz, dass der Film wegen seiner Gewaltdarstellungen in den USA durchaus umstritten ist. Die Exzesse erinnern in ihrer Heftigkeit an Tarantino-Filme, sind aber nicht so ins Groteske überzeichnet, sondern realistisch und anarchistisch.

Durch sein Aufbegehren wird aus dem gesichtslosen Verlierer der geschminkte Anführer einer Bürgerbewegung, in der alle Missachteten und Unterdrückten Zeichen der Gewalt aussenden. Dieser Joker löst wie im Vorbeigehen eine Revolution aus. Und wird, so viel sei verraten, so zu, unfreiwilligen Geburtshelfer seines späteren Kontrahenten Bruce Wayne alias Batman.

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