Film

„In My Room“: Armin allein zu Haus

Erst in der totalen Einsamkeit scheint er so ganz in sich zu ruhen: Hans Löw als Armin, der letzte Mensch auf Erden.

Erst in der totalen Einsamkeit scheint er so ganz in sich zu ruhen: Hans Löw als Armin, der letzte Mensch auf Erden.

Essen.   Ulrich Köhlers Film „In My Room“ erzählt vom letzten Menschen auf der Welt – und der lebt im Bielefelder Umland.

Kameramann Armin (Hans Löw) gehört irgendwie zu den Losern dieser Welt. Gerade erst zeigte er wieder völliges Versagen, als er bei Aufnahmen im Bundestag konsequent den Einschalt- mit dem Ausschaltknopf der Kamera verwechselte. Das Ergebnis mag für den Auftraggeber katastrophal sein, für den Betrachter von Ulrich Köhlers Film „In My Room“ jedoch ergibt sich dadurch eine höchst amüsante Eröffnungssequenz, in der bei jedem Statement von Politikern Ton und Bild einfach verschwinden. Köhler wird denn auch der „Berliner Schule“ zugeordnet, deren Regisseure sich nicht selten mit dem Nebensächlichen und vermeintlich Uninteressanten beschäftigen.

Leere Straßen, Häuser und Geschäfte

Davon jedoch ist Köhlers neuer Film, nach Arbeiten wie „Schlafkrankheit“ und „Bungalow“, eigentlich weit entfernt. Zwar muss Armin noch einmal in die tiefe Tristesse der Provinz eintauchen, um seinem Vater (Michael Wittenborn) bei der Sterbebegleitung der Großmutter zu helfen. Dann aber, nach einer durchschlafenen Nacht im Auto, kommt der Film auf den eigentlichen Punkt: Armin sieht sich nach dem Aufwachen plötzlich ganz allein auf dieser Welt, nirgendwo mehr eine Menschenseele, nur noch leere Straßen, unbewohnte Häuser und Geschäfte. Es ist eine Situation, wie sie immer mal wieder im Bereich der Science Fiction auftaucht, hier jedoch eher an eine Robinsonade erinnert, später auch mit Anklängen an den Garten Eden. Der Regisseur hat deutlich Freude daran, aus seinem anfänglichen Versager mehr und mehr einen Naturburschen zu formen, der plötzlich ungeahnte Fähigkeiten entwickelt. Er hat ein Haus gebaut, bezieht Strom von einem Mühlrad, hält Tiere und beackert ein Feld. Und dass der Regisseur immer mal wieder überraschen kann, beweist er allein schon damit, dass er Armins Paradies in der Nähe von Bielefeld angesiedelt hat, wo Kameramann Patrick Orth sich alle Mühe gibt, die Schönheit des Landkreises fotographisch hervorzuheben.

Es ist erstaunlich, wie sehr der Film den Betrachter von Anfang an hineinzieht in die Figur dieses Armin, was vor allem an seinem Darsteller Hans Löw liegt. Der macht aus diesem ungelenken Menschen, dem anfangs nicht einmal ein One- Night-Stand gelingen will, einen, der nun in der totalen Einsamkeit ganz in sich zu ruhen scheint.

Auch dieser Adam findet eine Eva

Doch diese Phase endet abrupt, als plötzlich in Gestalt der Italienerin Kirsi (Elena Radonicich) doch noch eine Eva für diesen Adam auftaucht. Es ist faszinierend, wie diese beiden vermutlich letzten Menschen auf der Erde nun miteinander umgehen. Wie er meint, verliebt in sie sein zu müssen, sie aber, selbst in dieser Situation, jede Bindung ablehnt und Sex nur mit Kondom erlaubt. Da schleppen zwei offenbar immer noch ihr altes Denken mit sich herum, und können sich davon nicht lösen. Ein Ende also zum Nachdenken.

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