Konzert

In Düsseldorf zeigen sich die Toten Hosen ungewohnt soft

Die Toten Hosen kurz vor ihrem ungewohnt soften Heimspiel in der Düsseldorfer Tonhalle: (v.l.) Breiti, Kuddel, Campino, Vom und Andi.

Die Toten Hosen kurz vor ihrem ungewohnt soften Heimspiel in der Düsseldorfer Tonhalle: (v.l.) Breiti, Kuddel, Campino, Vom und Andi.

Foto: David Young / dpa

Düsseldorf  Ungewohnte Klänge der Toten Hosen bei ihren Konzerten "Mit Pauken und Trompeten" in der Düsseldorfer Tonhalle. Gerücht: Es soll eine Tour geben.

Düsseldorf. Im Foyer kreist das Altbier und auf den Rängen feiern Menschen in T-Shirts mit Totenkopfmotiv. Es ist ein ungewohnter Anblick an diesem Ort, an dem sonst die Klassik zu Hause ist. Die Toten Hosen sind für zwei Akustik-Abende unter dem Motto „Mit Pauken und Trompeten“ in die Tonhalle ihrer Heimatstadt Düsseldorf eingezogen. Dafür haben sie Verstärkung mitgebracht. Streicher und Klavier, Akkordeon und Bläser. 16 Musiker kommen zusammen zu diesem Experiment ohne Strom, das dennoch von ganz viel Energie lebt. Und mittendrin die Band um Campino, der sichtlich Mühe hat, sich längere Zeit auf dem bereitgestellten Barhocker aufzuhalten. Still sitzen beim Hosen-Konzert? Das passt nicht. Da kann die Bühne noch so sehr mit Teppichen im Perser-Look gemütlich gemacht worden sein.

"Hier kommt Alex" im ZZ-Top-Stil

„Kann’s losgehen?“, ruft der Sänger in die Runde. Doch da sind schon zwei Stunden um, in denen die Toten Hosen ein Best-Of ihrer Hits, Raritäten, neue Lieder und ausgewähltes Material anderer Künstler ganz neu interpretieren. Am Anfang war der Lärm, so lautet an anderen Tagen der Leitspruch der Toten Hosen. Aber jetzt ist alles anders. „Hier kommt Alex“ im ZZ-Top-Stil. Eine Hommage an Rammstein mit einer soften Version von „Ohne dich“. Oder der unvermeidbare Erfolgssong „Tage wie diese“. All diesen Liedern entziehen die Toten Hosen an diesem Abend das Stadionrockhafte. Es funktioniert. Zum Vorschein kommen melodische, fast loungige Klänge. Piña Colada statt Altbier.

Eine längere Tournee soll in Planung sein

Seit ihrem Akustik-Konzert im Wiener Burgtheater vor 14 Jahren haben die Toten Hosen immer mal wieder kleine Ausflüge in die Welt der Unplugged-Musik unternommen. Dieses Mal scheinen sie es besonders ernst zu meinen. Im Herbst sollen die Tonhallen-Abende in Bild und Ton auf den Markt gebracht werden. Und hinter den Kulissen macht das Gerücht die Runde, eine längere Tournee „Mit Pauken und Trompeten“ stehe bevor.

Campino jedenfalls hat sich offensichtlich längst mit dem Gedanken angefreundet, die Bühne nicht mehr nur mit seinen vier Band-Kollegen zu teilen. „Der Traum der Toten Hosen war es schon immer, eine Big Band zu haben“, behauptet er. Schon allein, weil dann im Tourbus mehr los sei. Er ist gut aufgelegt in der Tonhalle. Hält die anderen Musiker bei Laune, gibt dem Publikum Gesangsunterricht, schlendert zu den etwas leiseren Tönen entspannt durch die Ränge, statt sich wie sonst schweißgebadet in die Menge zu stürzen. Es hätte nicht viel gefehlt, und der Sänger wäre nach getaner Arbeit auf einem der Perser-Teppiche aus der Halle Richtung Mond geflogen.

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