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Hennes Benders Asterix an der Ruhr: Keine Kirmes ohne Kloppe

Mit Hinkelbrocken „voll auffe Omme!“ Asterix pfeift Obelix an, während Miraculix leidet

Mit Hinkelbrocken „voll auffe Omme!“ Asterix pfeift Obelix an, während Miraculix leidet

Foto: © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Essen.  Bei Asterix gibt’s „Voll auffe Omme!“: Hennes Bender hat „Der Kampf der Häuptlinge“ ins Ruhrdeutsche übertragen - ein K.o.-Sieg für den Humor.

Auf zur „Klopperei der Ruhrbarone“! In Crange auf dem Kirmesplatz funktionierte zu Asterix’ Zeiten die Kommunalpolitik eben noch als Abstimmung mit den Fäusten, als „öffentliche Wämserei“. Spielprinzip: „Wer gewinnen tut, kricht dem andern sein Dorf!“

Es ist auch diese handfeste Verbindlichkeit, die „Der Kampf der Häuptlinge“ zum hieb- und stichfesten Asterix-Leserliebling gemacht hat. Und die so gut zum Ruhrgebiet passt wie eine zünftige Rummelplatzrauferei. Eigentlich ein Wunder, dass erst jetzt, 50 Jahre nach dem Erscheinen hierzulande, endlich eine Übersetzung auf Ruhrdeutsch herauskommt – oder sollte man besser sagen: eine Übertragung? Treffender Titel: „Voll auffe Omme!“ Comedian und Revierhengst Hennes Bender hat sich in den Ring gestellt, um einen sprachlichen Aufwärtshaken nach dem anderen zu schlagen. Es ist sein dritter Asterix – und wieder ein humoristischer K.o.-Sieg, der weit über die gewitzte Übersetzung hinausgeht. Was Bender selbst eine „Parodie im Original“ nennt, enthält so viele liebevolle Aktualisierungen und Eingemeindungen, dass man meinen könnte, Asterix wäre mit Ruhrwasser getauft. Angefangen beim herausfordernden Häuptling, der hier Urbanatix heißt, nach der Bochumer Artistik-Schau.

Miraculix mit Dachschaden dank Hinkelbrocken

Und wenn die Römer mit Schild und Speer eine keilförmige Phalanx bilden sollen, ruft der Zenturio „Formt dat Bermudadreieck!“, ein wunderbarer Seitenhieb auf Bochums berühmt-berüchtigte Trink- und Absackmeile. „Das war bis zur letzten Sekunde noch: ,Formt dat Tetraeder‘!“, plaudert Bender aus dem Übersetzerstübchen. Was ja auch ganz schön spitzwinklig gewesen wäre.

Noch mal kurz zur Handlung: Der römische Stratege Sigidomkus (herrliche Hommage an Revier-Autor Sigi Domke) plant, das gallische Dorf mithilfe heimischer Gebräuche zu übernehmen – nämlich indem er dem römerfreundlichen Urbanatix, dem Häuptling von Crange, aufträgt, den Kollegen Majestix zur „Klopperei der Ruhrbarone“ zu fordern. Der Sieger wäre dann auch Chef des zweiten Dorfes. Bei entsprechender Gabe von Zauberbräu wäre Majestix natürlich der Gewinner. Wenn, ja wenn nicht Miraculix einen von Obelix‘ Hinkelbrocken „voll auffe Omme“ bekommen hätte. Nun ist der olle Mistelschneider etwas gaga im Schädel und es gibt da ein paar Brau-Probleme – eigentlich undenkbar im Revier. Sein Bräu macht höchstens die Haut blau.

Aus einer Boxbude entstand die Cranger Kirmes

Es läuft alles darauf hinaus, dass Majestix sich ungedopt auf die Keilerei am Dorfplatz von Crange einlassen muss – und wenn man schon so eine Boxbude dort aufgebaut hat, kann man gleich eine ganze Kirmes errichten. Was für jeden Jahrmarkt-Archäologen eine Sensation bedeutet: Die Cranger Kirmes, die gab es schon vor 2000 Jahren – und nun wissen wir, wie sie entstanden ist.

Wie’s weiter und wie’s ausgeht, das ist ja längst Geschichte. Dass Hennes Bender aber nebenbei aufdeckt, wie die Emscher zur Köttelbecke wurde („Abba, Scheff, die Emscher läuft voll duache Siedlung, dat stinkt donnoh in zweitausend Jahren!“) oder dass man damals bei den Bergleuten schon an Kinderbetreuung dachte („Furzknotix möchte aussa Untatagesstätte abgeholt werden!“).

Mit allen Freiheiten ganz kongenial am Original

Bender nimmt sich so viele Freiheiten, leistet sich so viel eigenen Witz und bleibt doch so eng am Original, dass man bei den lobenden Worten ganz schlicht stehlen muss. Bei jenem Lob, dass die Zeichner Hauck & Bauer für die Übersetzungen des verstorbenen Harry Rowohlt fanden. Denn auch für Benders Asterix-Übertragungen trifft zu: „Im Original geht da viel verloren.“

Goscinny/Uderzo: „Asterix auf Ruhrdeutsch – Voll auffe Omme!“, übertragen von Hennes Bender, Egmont, 48 Seiten, 14 €

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