Kultur

Helge Schneider wagt sich an das Thema Ordnung heran

00 Schneider nimmt einen Pflaumenmus-Dieb fest und wirbt für seine neue Tour.

00 Schneider nimmt einen Pflaumenmus-Dieb fest und wirbt für seine neue Tour.

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Für neue Tour „Ordnung muß sein“ macht sich Helge Schneider warm: „Ich will eine Diskussion entzünden.“ Schneider über den Unsinn der Ordnung.

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Manchmal sind Clowns regelrechte Philosophen: „Ich will damit eine gesellschaftliche Diskussion entzünden“, verrät Helge Schneider zur Vorstellung seiner neuen Tour „Ordnung muß sein“. Das verstaubte Eszett ist so gekonnt platziert wie das Chaos aus herumliegenden Glitzerdiscokugeln, Kerzenständern nebst geknickten Kerzen und patiniertem Kronleuchter, in das die singende Herrentorte einen Freischwinger wie einen Thron gesetzt hat.

„Sieht unordentlich aus, ist aber fürs Auge ordentlich gemacht“, kommentiert Helge. Manchmal sind Philosophen eben auch Clowns. Und ob der Titel nun dem Zeitgeist oder der eigenen Mutter geschuldet ist, die dem jungen Helge schon „Ordnung ist das halbe Leben“ eingetrichtert hat?

Schönheitschirurg, der in seiner Garage operiert

Aus der vermeintlichen Unordnung heraus hat der Jazzer jedenfalls immer schon spontane Geistesblitze entfacht. Musikalisch wie sprachlich. „Meine Geschichten kommen mir manchmal hanebüchen vor“, behauptet Helge. So wie der Schönheitschirurg, der in seiner Garage operiert und eigentlich Klempner ist – „die Leute kommen, weil draußen ein Emaille-Schild hängt. Ist doch im Leben so.“

Für die neue Tour wird das nicht anders sein: „Baby, ich habe gerade viel Geld ausgegeben, es war ganz schön... wackelig in der Geisterbahn“, fabuliert Helge den Kirmes-Blues von Wanne-Eickel als knarzende Kostprobe aus dem CD-Spieler. Was zum Programm gehört, schleift sich ein durch viele Improvisationen, spontane Ideen oft auf den Touren selbst.

Das gilt erst recht für den verzapften „Unsinn – den Begriff finde ich gut. Lachen ist ein elementarer Teil unseres Lebens. Meine Aufgabe ist es, Menschen zum Lachen zu verführen, dass sie sich fühlen“, meint der 63-Jährige ausnahmsweise im vollen Ernst.

Zweieinhalb Stunden Erfinden, Zusammenfügen

Im Januar geht es damit auf Reisen, eine neuen Platte steht auch an. Im Reisekoffer ist erstmals der Kölner Blues-Gitarrist Henrik Freischlader und der New-Yorker Bassist Ira Coleman dabei. Freischlader hat sich mit rauer Stimme und modernen Interpretationen von Blues-Klassikern einen Namen gemacht. Coleman spielte schon mit Sting, ging aber auch 2012 mit Schneider auf Tour. „Drei Akkorde – mehr kannst du von einem Blues-Musiker nicht verlangen“, frotzelt Helge. Um dann aber gleich wieder umzuschalten: „Unser Zusammentreffen ist für mich jedes Mal ein Abenteuer – zweieinhalb Stunden Erfinden, Zusammenfügen. Deshalb mache ich das.“

Übrigens: Das neue Programm für 2020 steht noch nicht ganz fest, wohl aber der Titel für die „Abschiedstournee – ich komme wieder, vielleicht schon morgen.“

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