URAUFFÜHRUNG

Funken der Komik bei „Nur die Harten (kommen in den Garten)“

Emilia Reichenbach, Ronja Oppelt, Daniel Rothaug, Mervan Ürkmez und Burak Hoffmann (v.li.) in „Nur die Harten (kommen in den Garten)“.

Emilia Reichenbach, Ronja Oppelt, Daniel Rothaug, Mervan Ürkmez und Burak Hoffmann (v.li.) in „Nur die Harten (kommen in den Garten)“.

Foto: Katrin Ribbe

Oberhausen.   Das Theater Oberhausen beweist mit „Nur die Harten (kommen in den Garten)“, wie es gelingt, große Themen mit Leichtigkeit zu präsentieren.

Wenn Kunst und wirkliches Leben zusammenprallen und dann auch noch Verfolgung, Flucht und Wohlstand hinzukommen, wird es auf der Bühne für gewöhnlich grabesschwer. Dirk Laucke aber, einer der namhaftesten Stückeschreiber der Republik und in dieser Spielzeit Haus-Autor am Theater Oberhausen, hat das Händchen, derlei Großkonfliktpotenziale federleicht aufeinander rasen zu lassen, dass es Funken der Komik regnet.

In seinem neuen, hörbar in Oberhausen entstandenen Stück „Nur die Harten (kommen in den Garten)“ bringt ausgerechnet die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 die Parallelwelten von Hipstern und kleinkriminellen Schlägern, von Kickboxern und Filmemachern überkreuz. Ein verschuldeter Vinylplattenhändler holt vier Flüchtlinge von einem Parkplatz am Rande Europas ab; unter ihnen ein Mädchen, das sich als Kickbox-Talent herausstellt, obwohl ihm zwei Finger fehlen. „Drei-Finger-Joe“ nennen sie die Kleine, die sich flugs Respekt verschafft. Ihr Schicksal aber wird am Ende der rasanten sarkastischen Komödie zu jenem Schlag in die Magengrube, der sie von der Farce auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Dialog-Sätze wie ein Battle-Rap

Dirk Laucke hat, in der Manier eines Ödön von Horvath, fünf Figuren aus Schichtsprache und Hochdeutsch-Witz erzeugt, die der Realität furchtbar nahe kommen, ohne Verwechslungsgefahr aufkommen zu lassen. Dialog-Sätze fliegen dem Publikum um die Ohren, als wär’s ein Battle-Rap, und die 80 Minuten rasante Inszenierung des Hausherrn Florian Fiedler im spartanischen Saal-2-Bühnenbild von Ines Loska würde auch dann erfrischend jung wirken, wenn die fünf Schauspieler nicht so punktgenau besetzt wären und eine grandios kernige Vorstellung abliefern würden. Ein Stück wie gutes Pfefferminzbonbon: Auch wenn es längst weg ist, kaut man noch eine Weile darauf herum.

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