Für den Respekt vor dem Kreativen

  Das Musikhören via Internet, das Streaming über Plattformen wie Spotify, Deezer, Apple Music oder Google Play, hat im vergangenen Jahr 2017 in Deutschland um sagenhafte 42,8 Prozent zugelegt, wie der Bundesverband der deutschen Musikindustrie gestern verkündete. Doch der Gesamtumsatz mit Musik kam nur noch auf rund 1,6 Milliarden Euro, er ging leicht zurück. Und es könnte gut sein, dass sich dieser Abwärtstrend weiter verstetigt, wenn der Anteil des Streamings am Musikkonsum immer weiter wächst.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das Musikhören via Internet, das Streaming über Plattformen wie Spotify, Deezer, Apple Music oder Google Play, hat im vergangenen Jahr 2017 in Deutschland um sagenhafte 42,8 Prozent zugelegt, wie der Bundesverband der deutschen Musikindustrie gestern verkündete. Doch der Gesamtumsatz mit Musik kam nur noch auf rund 1,6 Milliarden Euro, er ging leicht zurück. Und es könnte gut sein, dass sich dieser Abwärtstrend weiter verstetigt, wenn der Anteil des Streamings am Musikkonsum immer weiter wächst.

0,5 Cent pro Stream

Da das digitale Monats-Abonnement meist nur rund 10 Euro pro Person kostet (und von Familientarifen um die 15 Euro bis zu sechs Personen profitieren können), sind die – legalen – Beschaffungskosten für die Musik-Konsumenten erfreulich gesunken. Das führt freilich zu Problemen am anderen Ende der Kette: Bei den Musikern kommt immer weniger an. Rockstar Bryan Adams, ein Plattenmillionär aus der analogen Zeit, hat vor einer Weile preisgegeben, dass er innerhalb von vier Jahren durch Streaming gerade einmal 2500 Dollar eingenommen hat.

Die französische Musikindustrie hat die Unternehmensberater von Ernst & Young beauftragt, Streaming-Erlöse auf einzelne Musiker herunterzurechnen. Demzufolge soll das Entgelt je nach Musiker bei 0,5 bis 0,7 Eurocent liegen. So komme ein globales Hitalbum auf etwa 425 000 Dollar im Monat, ein Top-Ten-Album auf 145 000 Dollar und ein Indie-Nischenalbum auf lediglich 3300 Dollar. Doch diese Beträge gehen in der Regel an die Plattenlabels, die nur einen Bruchteil davon an die Musiker weiterreichen (was zum Teil an veralteten Verträgen liegt, in denen Streaming noch gar nicht vorkommt). Die Folgen sind schleichend, aber für die Betroffenen spürbar: Musikern fällt es immer schwerer, von der Musik zu leben.

Der Kölner Musikproduzent Lando von Herzog hat deshalb versucht, das Problem von der Wurzel her anzugehen. Er hat namhafte deutsche Musiker zusammengetrommelt, um ein Konzeptalbum aufzunehmen, das für Respekt vor geistigem Eigentum wirbt.

Für sein „Fair Play“-Album hat er deutsche Popstars wie Yvonne Catterfeld und Marianne Rosenberg gewinnen können, die Söhne Mannheims, die Prinzen und den Jazz-Trompeter Till Brönner. Es gibt Bigband-Klänge und Dancefloor-Sounds, Jazzimpressionen und Technobeats und klassische Popsongs, das Model Eva Padberg hat mitgetextet und -komponiert, die Prager Philharmoniker spielten pathospralle Sequenzen ein, die manchem „Winnetou“-Film zur Ehre gereichen würden.

Vom „Fairen Handel“ zu „Fair Play“

Und weil in Lando von Herzogs Augen die Musiker nur die ersten sind, die es trifft, haben sich auch Schriftsteller wie zum Beispiel Frank Schätzing („Der Schwarm – drei Jahre meines Lebens, für nichts und niemanden hatte ich Zeit, Jocelyne hat mich wohl deshalb verlassen!“) und Tanja Kinkel beteiligt, der Filmemacher Pepe Danquart, die Schauspieler Christoph Maria Herbst und Ulrich Noethen, Moderatoren wie Hella von Sinnen und Nina Eichinger.

„Bis der ,Faire Handel’ ein Begriff war, hat es lange gedauert – da wird es bei ,Fair Play’ nicht viel schneller gehen“, ist Lando von Herzog klar. Aber: „Wir müssen klarmachen, dass Musik, Literatur und Kunst nicht vom Himmel fallen, dass da Werte dahinterstecken!“ Respekt vor den Rechten der Urheber sollte Thema im Schulunterricht werden, findet Produzent von Herzog, „und wenn es nötig ist, bringen wir das ,Fair Play’-Projekt auch auf die Bühne.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben