Lust aufs Wochenende

Der Traum vom Fliegen - Ein Selbstversuch im Skydiving

In der "Indoor Skydiving"-Anlage in Bottrop heben die Besucher ab.

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Bottrop.   In der „Indoor Skydiving“-Anlage in Bottrop heben die Besucher regelmäßig ab und erleben ein neues Gefühl von Leichtigkeit. Ein Selbstversuch.

Das laute Rauschen ist schon auf dem Parkplatz zu hören. Es klingt nach einem überdimensionalen Laubbläser. Kein Wunder, im Inneren befindet sich die „Indoor Skydiving“-Anlage. Darin bläst Luft mit Spitzengeschwindigkeiten von über 280 km/h im Windkanal im Kreis herum. In genau diesen – besser gesagt in die Flugkammer – werde ich mich gleich begeben und abheben.

Loslassen, ruhig werden

Meine Versuche, mir das bevorstehende Erlebnis vorzustellen, scheitern. Ist das vielleicht wie Schwimmen? „Nein, es ist wirklich mit nichts zu vergleichen“, erklärt Bastian Dicke (41) vom Indoor Skydiving Bottrop. Aus den Boxen schallt Reinhard Meys „Über den Wolken“. Passt ja irgendwie. Danach erklingt Tom Pettys „Free Fallin’“ – okay, die Botschaft ist angekommen. Ich bin bereit.

„Bist du abergläubisch?“, fragt Trainer Sebastian Koszarek (34) und hält mir den Helm mit der Nummer 13 entgegen. Nein, an Unglückszahlen glaube ich nicht. Also her damit, und rein in den flattrigen Anzug. Nach der Einweisung, in der die Zeichen erklärt werden – Beine ausstrecken, einziehen, Kinn anheben –, geht es in den Wartebereich vor dem Windkanal. Ich komme meinem Traum vom Fliegen näher. Hinter den Sicherheitstüren ist es irre laut. Meine Aufregung steigt.

„Vergesst alles, was ihr mal bei YouTube gesehen habt. Versucht keine Drehungen, Salti oder Ähnliches“, hatte Sebastian noch gesagt. Nie habe ich einen Ratschlag weniger gebraucht. Mein Ziel beschränkt sich bloß aufs Nicht-Runterfallen. Als ich an der Schwelle zur Flugkammer stehe, geht alles zum Glück ganz schnell. Keine Zeit mehr für Nervosität. Sebastian gibt das Zeichen: „Kinn hoch, und in den Luftstrom fallen lassen.“ Wie es ist? Überragend!

Bereits kleinste Veränderungen in der Haltung – ein abgeknicktes Bein, der gesenkte Kopf, eine schräg gestellte Hand – haben Auswirkungen auf den Flug. Doch das ist keineswegs beängstigend. Vielmehr: befreiend. Die Devise lautet: „Loslassen, locker und ruhig werden.“ Es mag erstaunlich klingen, aber genau das ist gar nicht schwer. Ich sinke hinab, steige wieder auf, drehe mich und genieße das ganz neue Gefühl von Leichtigkeit. Die Welt um mich herum verschwindet.

Das Hochgefühl bleibt

Eine Minute vergeht wie im Fluge. Zum großen Finale packt mich Trainer Sebastian noch einmal an der Halteschlaufe am Anzug. Das Rauschen wird lauter, immer lauter – und wir wirbeln wie in der Lufttanzschule nach oben. Drei-, viermal höher als zuvor schweben wir einige Augenblicke über den Köpfen der Wartenden. Dann sinken wir sanft herab, Sebastian bugsiert mich Richtung Ausgang.

Wieder auf den noch etwas unsicheren Füßen, ebbt das Hochgefühl nicht ab. Ich fliege weiter.

Auf dem Diplom, das es am Ende für jeden gibt, kreuzt Sebastian an, was ich gemeistert habe: hoch- und runter fliegen und Drehungen. Bis zum „Proflyer“-Status fehlen noch zwei Kreuzchen: bei vor- und rückwärts sowie dreidimensional... Die gehe ich beim nächsten Mal an. Denn das wird es definitiv geben. Ich will doch noch hoch hinaus!

Indoor Skydiving Bottrop, Prosperstr. 297. Infos unter: www.indoor-skydiving.com

Am Wochenende findet die erste deutsche Meisterschaft statt.

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