Sprache

Finanzamt NRW vereinfacht die Sprache in Formularen

Viele veraltete und unverständliche Vokabeln wurden überarbeitet und durch zeitgemäße Wörter ersetzt.

Viele veraltete und unverständliche Vokabeln wurden überarbeitet und durch zeitgemäße Wörter ersetzt.

Foto: Photoevent

Düsseldorf.   Über 600 Formulare hat das Finanzamt NRW in puncto Sprache und Modernität verändert. So sollen Bürger und Amt einander endlich besser verstehen.

Falls Sie demnächst Ihre Steuererklärung verstehen, wundern Sie sich nicht, denn die Finanzverwaltung hat an ihren rostigen Sprachschrauben gedreht. Bisher tummelten sich in Formularen, Anträgen und Bescheiden der Ämter verwirrende Wortungeheuer mit Zungenbrecher-Qualität à la „Grundbesitzfeststellungsbescheid“ oder „Bundesfinanzhofentscheidung“. Doch im Mai 2018 hatten die Finanzminister der Länder beschlossen, die Behördensprache zu vereinfachen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat zum Jahresbeginn 600 Formulare und Vordrucke verschiedener Ämter auf ihre Verständlichkeit geprüft und sprachlich abgeändert, darunter die Kindergeldanträge und Anforderungen von Steuererklärungen.

Dazu gehört auch der bundesweit geltende Einkommenssteuerbescheid, der nun vereinfacht und neugestaltet wurde. In Zusammenarbeit mit der Universität für Verwaltungswissenschaften im rheinland-pfälzischen Speyer wurden nach Angaben des Finanzministerium auch die Mitarbeiter geschult, um ein generelles Bewusstsein für verständliche Sprache zu schaffen. „Das ist längst überfällig“, sagt Michaela Blaha vom „Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache (Idema) – Gesellschaft für verständliche Sprache“ mit Sitz in Bochum.

Angestellte arbeiten mit unverständlichen Textbausteinen

Denn Probleme mit dem Behördendeutsch gibt es einige. Bürger stolpern über antiquierte Begriffe wie „fernmündlich“ für telefonisch oder pseudowissenschaftliche wie „Spontanvegetation“ für Unkraut. Auch komplizierte Formulierungen, die mit Paragrafen bestückt sind, machen so manchen bürokratischen Vorgang unnötig schwierig. Schon seit vielen Jahren versucht Blaha zu vermitteln, wie sehr Demokratie eine verständlichere Sprache braucht: „Das ist eine grundsätzliche Problematik. Die Behörden wollen etwas vom Bürger, deshalb müssen sie sich auch dementsprechend ausdrücken. Trotzdem sind viele Mitarbeiter der Ansicht, dass sie hoheitliche Pflichten tun – und sich dementsprechend auch ausdrücken müssen.“

Dabei wüssten viele Angestellte in den Behörden manchmal gar nicht, was in den Briefen steht, die sie tagtäglich verschicken. „Vieles läuft über Textbausteine, die nach einem Schema verarbeitet werden. Dass die Mitarbeiter dann selbst nicht genau wissen, was sie da eigentlich mit ihrem Namen unterschreiben, ist eine Unmöglichkeit.“ Dadurch häuften sich Nachfragen und falsch ausgefüllte Formulare: „Die Ämter müssen sich ihrer Zielgruppe anpassen, der Wille dazu fehlt leider meistens“, so Blaha.

Weitere Schreiben sollen folgen

Die nun vorgenommenen Änderungen sind vielfältig; überholte Vokabeln werden durch moderne Formulierungen ersetzt – aus „Lichtbild“ wird „Foto“, aus „Ablichtung“ wird „Kopie“. Außerdem werden die beliebten Bandwurmwörter aufgelöst und Sinndopplungen wie „Rückantwort“ entfernt. Sind Fachbegriffe trotzdem notwendig, werden diese nun zumindest erklärt.

In Zukunft sollen rund 2000 weitere Schreiben auf bundesweiter Ebene bearbeitet werden. Die umgesetzten sprachlichen Änderungen begrüßt die Wissenschaftlerin: „Komplex sind Behördenangelegenheiten sowieso. Wenn die Sprache in Teilen abgeändert wird, sind wir schon einmal einen wichtigen Schritt weiter.“

>>> Weitere Anpassungen in Formularen

Weitere Änderungen: „anweisen“ (bitten), „in Anrechnung bringen“ (anrechnen) und „nicht bestandskräftig“ (änderbar).

Aber auch Abkürzungen werden ab jetzt ausgeschrieben; so wird „z.B.“ zu „zum Beispiel“ und „o.g.“ zu „oben genannte“.

Außerdem werden Fachbegriffe weitestgehend erklärt. Aus der Steuererklärungs-Wendung „Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit“ wird zum Beispiel: „Werbungskosten sind alle Ausgaben, die Sie im Laufe des Jahres für Ihren Beruf getätigt haben“.

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