TV-Kritik

Wie Iris Berben als „Miss Sixty“ Mutter werden will

Luise Jansen (Iris Berben) und Frans Winther (Edgar Selge) beschnuppern sich.

Luise Jansen (Iris Berben) und Frans Winther (Edgar Selge) beschnuppern sich.

Foto: ARD Degeto/Senator/Bavaria Pictu

Essen.   Nachwuchs bekommen mit 60? Keine reine Männersache im ARD-Sommerkino mit Iris Berben als „Miss Sixty“.

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Im wahren Leben ist Iris Berben gerade 65 geworden. In der ARD-Sommerkino-Komödie „Miss Sixty“ mimt sie eine 60-Jährige – irgendwo zwischen verrückt und verzweifelt, mit einem außergewöhnlichen Vorhaben.

Was die Hollywoodstars können, kann ich auch, denkt sich Luise Jansen alias Iris Berben: im hohen Alter Mutter werden. Schließlich hat sie jetzt Zeit. Denn die renommierte Molekularbiologin ist gerade von ihrem Chef und Ex-Geliebten Bernhard (Götz Schubert) abserviert und in Frühpension geschickt worden.

Mit der Bauch-Attrappe im Kaufhaus

Eigene, vor 20 Jahren eingefrorene Eizellen und der Samen eines fremden Spenders sollen den Kinderwunsch möglich machen. Theoretisch. Praktisch weht Luise ein rauer Gegenwind ins Gesicht. Freunde und Verwandte reagieren skeptisch. „Mach dich nicht lächerlich“, heißt es. Und dann sind da die abwertenden Blicke anderer Frauen, etwa als Luise mit einer Bauch-Attrappe durch die Schwangerschaftswäscheabteilung stöbert, um mal zu testen, wie man sich dabei so fühlt. Ja, auch die schrullige Frau, die roboterartige Babypuppen verleiht, eher um Teenager mit Abschreckung aufzuklären, scheint irritiert.

Es kommt der noch nicht befruchteten, aber in Gedanken schon werdenden Mutter vor, als würde man ihr ein Privileg absprechen, das viele Männer haben. Die bekämen mit 60 ja noch reihenweise Nachwuchs.

Viele Zufälle vorm Kinderglück

So ein Kandidat für spätes Vaterglück ist Galerist Frans Winther (Edgar Selge), der sich in ebenfalls höherem Alter nicht nur gern mit jüngeren Frauen schmückt – naiv wie er ist, erhofft sich der Vater ei­nes erwachsenen Sohnes von seiner knackigen 26-jährigen Assistentin Romy (Jördis Richter) die große Liebe. Rückenprobleme nach dem Sex und Sprachprobleme nach dem Piercen seiner Zunge nimmt er dafür in Kauf.

Wie der Zufall so will, treffen Luise und Frans aufeinander. Und auch fiese Beleidigungen von Frans – mit 60 sei sie als Frau zu alt für Sex –, können Luise nicht von ihrem Kinderwunsch abbringen. Frei nach dem Motto: „Das einzige, was Männer haben können und ich nicht, ist Prostatakrebs“. Und noch ein Zufall: Beim Googeln in der Internet-Samenspenderdatei findet sich bald ein geeigneter Kandidat. Luise weiß anfangs nicht, dass es sich dabei ausgerechnet um den Sohn von Frans handelt.

Lustiges am Rande: ein ironischer Blick auf die Kunst-Szene.

Drehbuchautorin Jane Ainscough und Regisseurin Sigrid Hoerner haben eine charmante Komödie geschaffen, die von ihren Darstellern, Dialogen und von Situationskomik lebt. Bestens besetzt mit Iris Berben, die 1978 im Playboy war, aber auch immer wieder in Filmen gezeigt hat, dass es für Erotik keine Altersbeschränkung gibt. Bei allem Humor, die Themen sind ernst. Jugendwahn, Alter und Sterblichkeit, Kinderlosigkeit und Feminismus.

(ARD, Montag 20.15 Uhr)

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