US-Kongresswahlen

Wie „Bild“-Chef Reichelt Trump bei Maischberger verteidigte

Diskutierten mit Sandra Maischberger (Mitte) über die US-Kongresswahlen: Julian Reichelt, Gayle Tufts, Klaus von Dohnanyi und Klaus Brinkbäumer (v.l.) 

Diskutierten mit Sandra Maischberger (Mitte) über die US-Kongresswahlen: Julian Reichelt, Gayle Tufts, Klaus von Dohnanyi und Klaus Brinkbäumer (v.l.) 

Foto: Max Kohr / WDR

Berlin  Welche Folgen haben die Midterm-Wahlen – für Trump und die Welt? Darüber diskutierte Sandra Maischberger mit ihren Gästen im ARD-Talk.

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Nicht gewonnen, nicht verloren – so könnte man das Ergebnis der Midterm-Wahlen in den USA zusammenfassen. Präsident Donald Trump und die Republikaner mussten die Kontrolle im Repräsentantenhaus zwar an die Demokraten abgeben, der Senat aber bleibt weiter in republikanischer Hand. Was folgt daraus? Ist Trump geschwächt – oder fühlt er sich nun erst recht herausgefordert? Wird er die Zusammenarbeit mit den Demokraten suchen oder verstärkt sich die politisch verfeindete Stimmung weiter?

Die Midterms waren auch in Deutschland aufmerksam verfolgt worden, und so diskutierte Sandra Maischberger das Thema am Mittwoch mit dem SPD-Politiker und Hamburgs früherem Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, der amerikanischen Komikerin Gayle Tufts, „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt und dem Ex-„Spiegel“-Chef Klaus Brinkbäumer.

Weniger Analyse der Wahlen als Analyse von Trump

Die Wahlen selbst und deren Konsequenzen gerieten dann allerdings bloß zur Nebensache. Klaus Brinkbäumer etwa bezeichnete die Kongresswahlen als einen Denkzettel für Trump, denn die politische Kontrolle sei durch die Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus wiederhergestellt. Dass Trump mit ihnen zusammenarbeiten werde, glaube er nicht. „Trump macht keine Verträge, er kündigt stattdessen Abkommen auf.“ Julian Reichelt sah das anders. Für ihn ist Trump ein „Deal-Maker“. Er liebe es, Deals auszuhandeln und sich dafür feiern zu lassen. Warum nicht auch mit dem Repräsentantenhaus?

Vielmehr drehte sich die Sendung aber um die Fragen: Wie tickt Trump? Wie tickt Amerika? Dabei ging es wieder einmal um Trumps Egoismus, seine Unberechenbarkeit und Impulsivität. Und fast jedem fiel irgendein Lehrer, Psychologe oder entfernter Bekannter ein, der Trump vor zwei Jahren überraschenderweise gewählt hatte.

Alte Geschichten also. Schon vor Beginn von Trumps Amtsantritt als Präsident und auch in der Zeit danach hatten seinen charakterlichen Eigenarten Sendezeiten in Talkshows gefüllt. Gerüchte, dass er sich auf politische Sitzungen nicht vorbereite und besonders kurze Aufmerksamkeitsspannen habe, boten keinen anregenden Diskussionsstoff. Ohnehin waren sich alle einig, dass von Trump aufgrund seiner verbalen Entgleisungen und rassistischen Äußerungen nicht viel zu halten sei.

„Bild“-Chef Reichelt: Trump hört besser zu als Obama

Einzig „Bild“-Chef Julian Reichelt gab sich mit seinen Äußerungen als Trumps Verteidiger, auch wenn er betonte, dass er Trump in keiner Weise sympathisch finde. Im Gegensatz zum Ex-Präsidenten Barack Obama sei Trump jemand, der zuhöre, sich für sein Gegenüber interessiere und Fragen stelle. Das wollte Reichelt auf Reisen mit der Regierung erlebt haben. Anders Obama: Er sei nur darauf aus gewesen, seine eigenen Worte zu verbreiten. Hatte da etwa jemand noch eine Rechnung mit Obama offen?

Als Sandra Maischberger wissen wollte, ob die Gewalt im Land durch Trump zugenommen habe, war es wieder Julian Reichelt, der dem Präsidenten zur Seite sprang. Anschläge in Amerika gebe es nicht erst seit Trump. Waffengewalt sei schon immer Thema. „Spiegel“-Autor Klaus Brinkbäumer war auch an diesem Punkt anderer Meinung: „Für mich gibt es eine Verbindung zwischen Trumps Rhetorik und den Taten.“ Trumps Verhalten habe zu Eskalationen im Land beigetragen und Frauenfeindlichkeit und Rassismus wieder legitim werden lassen.

Die beiden Journalisten waren es, die die deutlichsten Gegenpole in dieser Runden bildeten – dabei aber wenig erhitzt, sondern vielmehr sachlich und ruhig blieben.

Ex-Botschafterin: Trump und Reagan? Kein Vergleich!

Dass die Runde ab und zu dann aber doch ihre Ernsthaftigkeit verlor, lag an Helene von Damm, die per Video zugeschaltet worden war. Die Österreicherin war einst US-Botschafterin und Vertraute von Ronald Reagan. Eine aufgeweckte, lebhafte Frau, wie sich herausstellte.

Auf dem Papier sei sie noch Republikanerin, gewählt habe sie bei den Midterm Elections aber demokratisch, erklärte sie, und kam dann richtig ins Plaudern. Über ihre ersten Begegnungen mit Trump, den aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Vergleich zwischen Trump und Reagan und ihre Einschätzungen zur Zukunft Trumps. Maischberger hatte zwar Probleme, von Damm zu unterbrechen, fühlte sich aber wohl gut unterhalten. Als Helene von Damm immer wieder über ihre eigenen Geschichten lachte, konnte sie sich ein Schmunzeln jedenfalls nicht verkneifen.

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