Medienmacher

WDR entscheidet in weiterem Fall mutmaßlicher Belästigung

Das WDR-Haus in Köln.

Das WDR-Haus in Köln.

Foto: Christoph Hardt / imago/Future Image

Berlin  Etwas mehr als zehn Fälle mutmaßlicher sexueller Belästigung soll es beim WDR geben. Nun entscheidet der Sender in einem weiteren Fall.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Aufarbeitung von Fällen mutmaßlicher sexueller Belästigung im WDR nähert sich ihrem zumindest vorläufigem Ende. Insgesamt soll es entsprechende Vorwürfe gegen etwas mehr als zehn Mitarbeiter des Senders gegeben haben. Die meisten Anschuldigungen erwiesen sich als haltlos.

Allerdings kündigte der WDR wegen den Vorwürfen einem ehemaligen Auslandskorrespondenten sowie seinem Fernsehspielchef Gebhard Henke fristlos. Der einstige Auslandskorrespondent klagt auf Wiedereinstellung. Mit Henke einigte man sich außergerichtlich.

Nun steht wohl die Entscheidung in einem weiteren Fall bevor. Dabei geht es um einen WDR-Redakteur, der bis 2010 mehrere jüngere Mitarbeiterinnen belästigt haben soll.

Halbherzige Versuche, den Fall aufzuklären

Besonders ist sein Fall deshalb, weil die halbherzigen Versuche des Senders, ihn bereits 2010 aufzuklären, sehr gut dokumentiert sind: Einige der betroffenen Frauen hatten sich an den WDR-Auslandskorrespondenten Arnim Stauth gewandt, der vom Sender den Auftrag erhielt, in dem Fall zu recherchieren.

Später prozessierte Stauth – auch aus anderen Gründen – gegen den WDR. Aus den Prozessunterlagen geht hervor, dass er wegen der Recherchen, mit denen der Sender ihn beauftragt hatte, vom WDR ermahnt wurde. Die Ermahnung wurde 2013 zurückgenommen.

Aus den Unterlagen geht ebenfalls hervor, dass der ­damalige WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn, der heute WDR-Fernsehdirektor ist, bestenfalls mäßig an einer Aufklärung der Belästigungsvorwürfe interessiert war. 2011 schrieb er Stauth, er könne sich „nicht daran erinnern“, ob er den Bericht zu dem Fall überhaupt „bekommen habe“. Er habe auch noch nicht entschieden, „ob ich das nachhole“.

Betroffene Frauen wollen anonym bleiben

Die Frauen, die von dem Redaktuer belästigt worden sein sollen, hatten sich 2010 nicht nur Stauth, sondern auch einer Personalrätin anvertraut.

Sie schrieb daraufhin, dass es „Vorkommnisse gab und noch gibt, die (...) als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz bewertet werden können“. Schließlich soll sich eine Minderheit der Betroffenen, die Rede ist von ein bis drei Frauen, an die Kanzleien gewandt haben, die der WDR zur Anlaufstelle für Opfer sexueller Belästigung gemacht hat.

Der direkte Vorgesetzte des Redakteurs lehnt dessen vollständige Rehabilitierung ab. Auch in diesem Punkt stimmen die Quellen aus dem Sender überein. Problematisch ist aber, dass sich die Aussagen der Frauen arbeitsrechtlich nicht verwerten lassen. Die Betroffenen sind nicht bereit, dem Sender gegenüber ihre Anonymität aufzugeben.

Tom Buhrow entscheidet über Zukunft des Redakteurs

Insofern unterscheidet sich dieser Fall von dem des ehemaligen

-Fernsehspielchefs Henke. Dessen mutmaßliche Opfer hatten sich auch dem

-Personalchef Kurt Schumacher anvertraut, was die fristlose Kündigung Henkes zur Folge hatte. Zwar wären die Frauen wohl nicht bereit gewesen, in einem öffentlichen Prozess gegen den Fernsehspielchef auszusagen.

Auch, um ihnen einen solchen Auftritt zu ersparen, war der Sender bereit, sich mit Henke außergerichtlich zu einigen. Aber den WDR-Entscheidern ist es offenbar sehr wichtig, dass sich Frauen ihnen gegenüber zu erkennen geben, die so schwerwiegende Vorwürfe wie den der sexuellen Belästigung erheben.

Darüber, wie mit dem beschuldigten Redakteur verfahren wird, soll nun Intendant Tom Buhrow entscheiden. Theoretisch denkbar wäre auch eine Versetzung. Offiziell teilt der WDR lediglich mit, dass es „noch laufende Vorgänge“ gebe, „über die nach sorgfältiger Überprüfung entschieden wird“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben