Arte-Film

TV-Drama „Schöne heile Welt“ zeigt Wandlung eines Griesgrams

Als Willi (Richy Müller, l.) auf den jungen Franz (N’Tarila Kouka) trifft, fühlt sich der wortkarge Menschenfeind an seinen Sohn erinnert.

Als Willi (Richy Müller, l.) auf den jungen Franz (N’Tarila Kouka) trifft, fühlt sich der wortkarge Menschenfeind an seinen Sohn erinnert.

Foto: SWR/Alexander Kluge / © SWR/Alexander Kluge

Berlin  „Schöne Heile Welt“ auf Arte: Ein packendes Drama über zwei Verlierer in einer globalisierten Welt mit einem wunderbaren Richy Müller.

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Im Supermarkt belagert eine muslimische Großfamilie den Flaschenpfand-Automaten – zum Missfallen eines Mittfünfzigers, der die Szene mit nicht mehr als einem Stirnrunzeln, einem leichten Verziehen der Mundwinkel registriert. Keine Frage: Der Mann ist total genervt und sauer.

Richy Müller spielt diesen arbeitslosen Elektromeister Willi; und allein schon die Präsenz und Ausdruckskraft dieses wunderbaren Schauspielers, der mit kleinsten Gesten und Blicken ungeahnte Empfindungswelten eröffnet, macht Gernot Krääs (Buch und Regie) Fernsehfilm „Schöne heile Welt“ zu einem Erlebnis.

Tatsächlich ist Willi, der pfiffig alle möglichen Leistungen des Sozialamts ergaunert und sich trickreich als einziger Mieter in einem zum Abriss bestimmten Häuserkomplex behauptet, kein Rassist. Berufliche und private Nackenschläge haben ihn zum verbitterten, wortkargen Menschenfeind gemacht, wie ihn etwa Clint Eastwood in „Gran Torino“ verkörpert hat.

Zeitloser Film mit aktuellen Bezügen

Willis Schutzmauer aus Egoismus, Isolation und Ablehnung bröckelt, ganz gegen seinen Willen, als ihm in seiner Mietshaus-Ruine ein jugendlicher afrikanischer Flüchtling (N’Tarila Kouka) über den Weg läuft. Irgendwie erinnert ihn der Junge, den er wegen des unaussprechlichen Namens nur Franz nennt, an seinen eigenen Sohn, zu dem er seit einer Ewigkeit keinen Kontakt mehr hat.

Willi quartiert Franz, dessen Mutter und Tante in einer der leerstehenden Wohnungen ein, verschafft den beiden Frauen Arbeit als Kellnerinnen, nimmt „Franz“ unter seine Fittiche. Zwar kann sich das ungleiche Duo wegen der Sprachbarrieren kaum verständigen, doch rasch entdecken beide die gemeinsame Leidenschaft fürs Eislaufen. Doch über allem schwebt das Damoklesschwert der Abschiebung der illegal in Deutschland lebenden Familie.

Geschichte zweier Verlierer in einer gründlich umstrukturierten Welt

„Schöne heile Welt“ ist keineswegs nur ein weiterer Film zur den gegenwärtigen Diskurs bestimmenden Flüchtlingsthematik: Gernot Krää schrieb das Buch zu einer Zeit, als das Ausmaß der anstehenden Umwälzungen noch gar nicht erkennbar war. Zudem beleuchtet die Filmvorlage, die bereits 2015 für den Deutschen Drehbuchpreis nominiert wurde, das Thema aus einer völlig anderen Warte. Aktuelle gesellschaftliche oder politische Gegebenheiten spielen keine Rolle. In erster Linie geht es um die Geschichte zweier Verlierer in einer gründlich umstrukturierten Welt.

Im Mittelpunkt stehen Menschen unterschiedlicher Herkunft, die jeweils tiefe Verletzungen erfahren haben und die trotzdem zu einem positiven emotionalen Austausch fähig sind. Vielleicht liegt es in Krääs Biografie als mehrfach preisgekrönter Kinder- und Jugendfilm-Regisseur begründet, dass sein Film so feinfühlig, so voller grenzenloser, beispielhafter Empathie ist. Es bedarf aber eben auch eines so exzellenten Darstellers wie Richy Müller, um – im Zusammenspiel mit N’Tarila Kouka – die Qualitäten des Drehbuchs in all seinen Facetten auszuleuchten.

Fazit: Ein packendes Drama über zwei Verlierer in einer globalisierten Welt mit einem wunderbaren Richy Müller.

• Freitag, 31. August, Arte, 20.15 Uhr

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