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Trügerische Sehnsucht nach Heimat beim Hesse-Abend

Herbert Knaup (vorne) und August Zirner (dahinter links) in der Hesse-Verfilmung „Die Heimkehr“, Foto: arte

Herbert Knaup (vorne) und August Zirner (dahinter links) in der Hesse-Verfilmung „Die Heimkehr“, Foto: arte

Essen.   Dank hervorragender Schauspieler wird der Hesse-Themenabend auf Arte ein Erlebnis. Heike Makatsch, Herbert Knaup oder August Zirner garantieren Unterhaltung auf hohem Niveau. Allerdings wirkt die Herangehensweise manchmal auch altbacken.

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In den 60er-Jahren wurde Hermann Hesse wiederentdeckt. Mit Büchern wie seinem „Siddartha“ oder „Der Steppenwolf“ wurde er zum Guru einer jungen Generation, die auf der Suche nach neuen Lebensformen war. Seinen späten Erfolg erlebte Hermann Hesse nicht mehr. Am 9. August 1962 starb der Schriftsteller in seiner schweizerischen Wahlheimat Montagnola.

Zum 50. Todestag widmet Arte dem bis ans Lebensende Suchenden einen Themenabend. Zunächst mit dem hochkarätig besetzten Film von Jo Baier „Die Heimkehr“.

Als erfolgreicher Geschäftsmann kehrt der einst vom Vater aus Gerbersau vertriebene August Staudenmeyer (August Zirner) nach 30 Jahren in das Kaff seiner Kindheit zurück. Anfangs wird der verlorene Sohn von den Dorfhonoratioren gefeiert, wittern sie doch ein lukratives Geschäft mit dem reichen Mann machen zu können. Doch Staudenmeyer passt sich nicht an, spielt nicht mit, wenn die kollektive Gemeinschaft über die im Dorf lebende Witwe Katarina Endriss (Heike Makatsch) herfällt.

Staudenmeyer erkennt schnell die Doppelmoral seiner neuen Freunde, das Piefige hinter der Fachwerkidylle, die perfiden Spiele des Bürgermeisters (Herbert Knaup) und seiner alkoholsüchtigen Frau Leonore (Margarita Broich). Er stellt fest, dass diese Sehnsucht nach Heimat, die ihn aus der Fremde zurückgeführt hat, eine trügerische Selbsttäuschung ist. Heimat – eigentlich gibt es sie in Hesses Vokabular gar nicht. Und so inszeniert der mit zahlreichen Fernsehpreisen dekorierte Jo Baier („Der Laden“, „Stauffenberg“) in der ihm eigenen Manier einen eher nachdenklichen, ruhigen, aber vor allem massentauglichen Film, der sich an das 1912 erschienene Buch von Hermann Hesse anlehnt.

Irrungen und Wirrungendes Nobelpreisträgers

Gerecht wird er dem Literaturnobelpreisträger weniger. Der hatte sich eigentlich immer dagegen gewehrt, dass seine Bücher verfilmt werden.

Auch die Dokumentation von Andreas Christoph Schmidt „Der Weg nach Innen“ (21.45 Uhr) im Anschluss versucht eher auf altbackene Art sich dem Autor und Maler zu nähern. Viele statische Bilder, einzelne Fotos, keine Spielszenen. Schmidt folgt der Lebensreise Hesses vom kleinstädtischen Calw über den Drill in der Klosterschule Maulbronn. Er erzählt von abgebrochenen Ausbildungen, gescheiterten Beziehungen, den Irrungen und Wirrungen Hesses. Die bessere Alternative an diesem Abend: Nicht Hesse sehen, sondern Hesse lesen.

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