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„The Voice of Germany“-Finale: Backstage mit Jess Glynne

"The Voice of Germany"-Finale: Backstage mit Supercoach Jess Glynne

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Berlin  Beim „The Voice“-Finale ist Jess Glynne am Sonntagabend ein Supercoach. Die erfolgreichste Sängerin Großbritanniens hat eine Mission.

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Zügig zieht der Mann in der übergroßen Armee-Jacke den Wischmop über die Bühne, bis der schwarzlackierte Boden wieder glänzt. Eben stand hier noch der britische Singer-Songwriter Tom Odell und probte mit Voice-Finalist Jessica Schaffler seinen Song „Half As Good As You“. Nur wenige Stunden, dann wird es ernst für Jessica – und für ihre Mitstreiter.

Außer Jessica kämpfen im großen „The Voice of Germany“-Finale noch drei männliche Talente um den Titel der besten Stimme Deutschlands: Eros Atomus Isler, Benjamin Dolic und Samuel Rösch. Sie alle singen ein Duett mit jeweils einem internationalen Star. Neben Tom Odell sind das Lukas Graham, Zara Larsson und Jess Glynne.

Jess Glynne ist die erfolgreichste Sängerin Großbritanniens

Jess Glynne springt die wenigen Stufen zur gerade gereinigten Bühne hoch, ihr Schützling und Duett-Partner Eros aus dem Team der Fanta Vier wartet schon auf sie.

„I want to feel beautiful“, trällert er, eine Zeile aus „Thursday“, dem neuen Hit-Song der Britin. Die Aufregung ist ihm kaum anzumerken, dabei steht er mit einem absolutem Superstar auf der Bühne: Jess Glynnes vor wenigen Wochen veröffentlichtes Album „Always in Between“ landete gleich auf Platz Eins der britische Charts.

Außerdem hat sie geschafft, was noch keiner anderen Sängerin in England vor ihr gelungen war: Sie ist die einzige britische Künstlerin, die sieben Nummer-Eins-Singles vorweisen kann. Ach ja, einen Grammy besitzt die 28-Jährige natürlich ebenfalls.

Auch in Deutschland hat sie viele Fans: Mit Real Love schaffte sie es 2014 immerhin auf Platz Zwei der deutschen Charts. Doch hier kann sie – anders als in ihrer Heimatstadt London – noch ganz normal auf die Straße gehen, ohne dass Fans sie belagern. „Man kennt meine Musik, aber nicht mein Gesicht“, sagt sie uns, ihre tiefe, souligen Stimme füllt den Raum.

Proben im Jogging-Anzug

Für die Proben trägt sie ihr Markenzeichen – die lange roten Locken – streng zurückgekämmt und zusammengebunden. Kaum Make-Up, nur ein bisschen schwarze Wimperntusche lassen ihre stahlblauen Augen leuchten. Ihr schlanker Körper verschwindet geradezu in einem schwarzen, weiten Jogging-Anzug.

Jess scheint diese Art der Berühmtheit ganz gut zu passen. Oder? Sie nickt: „Die Menschen kaufen mein Album, aber erkennen mich nicht. Das ist ein Segen, weil ich so ein bisschen ein normales Leben haben kann“.

Doch das wird sich wohl bald ändern, nicht nur durch ihren „Voice“-Auftritt oder weil sie für März eine Deutschland-Tournee plant. Sondern weil sie bald Teil eines gigantischen Pop-Kultur-Spektakels sein wird: Jess Glynne geht im Sommer mit den Spice Girls auf Tour.

. Auch Jess ist „riesiger Spice-Girl-Fan“, sagt sie.

Jess Glynne auf Tour mit den Spice Girls

„Die Band war so prägend für meine Generation, legendär, wie die Beatles“, erklärt sie. „Die Girl-Power-Message war so inspirierend für uns junge Mädchen, es ging ja um Ermächtigung von Frauen“.

Auch Jess als Songwriterin treibt die feministische Botschaft an, sie sei heute noch genauso wichtig wie damals, auch wenn sie sich weiterentwickelt habe. „Damals war die Message spaßig und bunt, heute ist sie ernster“, sagt Jess. Empowerment von Frauen in Zeiten von #MeToo.

So wie in ihrem Song „Thursday“, den sie mit Profi-Frauenversteher Ed Sheeran zusammen geschrieben hat. „So I won’t wear makeup on Thursday / Cause who I am is enough“ (Donnerstags trage ich keine Schminke, weil es ausreicht, wie ich bin) singt Jess und es klingt tatsächlich ziemlich genau wie die Zeile aus dem Spice-Girl-Song „Do It“: „Come on and do it / Don’t care how you look it’s just how you feel (Mach es einfach / Egal wie du aussiehst, Hauptsache es fühlt sich gut an).

Glynne: „Niemand will im Fernsehen scheiße aussehen“

Doch während die Spice Girls dazu im Glitzer-Outfit synchron tanzten, wiegt Jess Glynne sich im „Thursday“-Video langsam im karierten Jackett durch eine schwarz-weiße Kulisse. Dezentes Make-up und ein cooles Bühnen-Outfit sind aber auch für Jess Standard. „Ich will zeigen, dass ich nicht perfekt bin, aber lass uns ehrlich sein: Niemand will im Fernsehen scheiße aussehen“, sagt sie und lacht.

Diese ehrliche, pragmatische Einstellung konnte man auch bei ihrem Auftritt als „Supercoach“ in den sogenannten „Voice“-Sing-offs (Die Folgen direkt vor dem Halbfinale) beobachten. „Ehrlich gesagt ist das langweilig, so wirst du die Sendung nicht gewinnen“, sagte sie da zu einem der Kandidaten, der gerade seinen Song für sie performt hatte. Das sei auch für sie nicht leicht gewesen, sagt sie, aber: „Ich sage lieber ehrlich, wie es ist“, erklärt sie. „Denn wenn du einfach nur ein „Yes-Man“ bist, also zu allem Ja sagst, hilfst du niemanden“.

Eros singt ohne Gitarre

Für ihren Duett-Partner Eros, der seine Gitarre auf ganz spezielle Art spielt, hat sie aber fast nur lobende Worte. Eros hält sein Instrument flach auf dem Schoß und zupft dabei die Saiten. „Das ist interessant und einzigartig“, findet Jess. Jetzt, bei den Proben hat er diese Gitarre nicht dabei, sondern schreitet nur langsam singend die kleine Showtreppe hinab, die ihm und Jess als Bühnenkulisse Drama verleiht. Die Gitarre muss in der Garderobe bleiben – nicht nur jetzt, auch im Finale.

Ob das ausreichen wird, um von den Zuschauern zu besten Stimme Deutschlands gewählt zu werden? Und ob für Mädchenschwarm Eros die Girl-Power-Message das richtige Thema ist? Jess Glynne zumindest scheint beeindruckt. „Toll!“, ruft sie, sobald der erste Probe-Durchlauf beendet ist.

Aber vielleicht hat sie auch nur die Pyrotechnik gemeint, die zum Abschluss einen Feuerregen über den Performern ausgießt. Was auch immer sie genau denkt: Sie wird es Eros ehrlich sagen. Bestimmt.

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