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Schily und Linksradikale finden bei Hayali G20-Gemeinsamkeit

Der als Law-and-Order bekannte frühere Bundesinnenminister greift nach der Hand der Linksradikalen: Otto Schily und Emily Laquer bei Dunja Hayali.

Der als Law-and-Order bekannte frühere Bundesinnenminister greift nach der Hand der Linksradikalen: Otto Schily und Emily Laquer bei Dunja Hayali.

Foto: ZDF/Screenshot

Hamburg/Berlin  Eine Linksradikale gibt bei Dunja Hayali Protest den Vorzug vor Politik. Ex-Innenminister Otto Schily stimmt ihr an anderer Stelle zu.

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Die Sendung war gerade zu Ende gegangen, da stürmte Emma schon ins Studio. Der liebenswerte Golden Retriever taugt gut zum Runterfahren für Zuschauer, die sich zuvor aufgeregt haben. Emmas Frauchen ist Dunja Hayali, und die hatte Wortmeldungen in ihrer Sendung, die manchen Zuschauer auf die Palme bringen können. Eine militante G20-Gegnerin gab Einblicke in ihre krude Logik und Illusionen. Und dabei hatte ihr der frühere Bundesinnenminister Otty Schily (SPD) sogar darin zugestimmt, dass das Treffen nur fauler Zauber ist.

Emily Laquer, 31, Sprecherin der „Interventionistischen Linken“ hat vor ein paar Tagen gesagt, beim G20-Gipfel sollten nicht die „falschen Bilder“ erzeugt werden. Als die Premiere von „Dunja Hayali“ läuft, liefert sie Sätze, die dem Großteil der Zuschauer auch falsch vorgekommen sein dürften. Die Frage nach Gewalt durch den „schwarzen Block“ blockt sie mehrfach ab als „verdreht“. Die Gewalt sitze in den Messehallen, wo die Mächtigen der Welt tagen.

Ihre Logik: Wie kann jemand nach Steinewerfern oder Brandstiftern fragen, wenn es doch gegen den „richtigen“ Gewalttäter Donald Trump geht, der die „Mutter aller Bomben“ werfen ließe? „Wo sind die Leute, die sich aufregen über 5000 Mittelmeer-Tote?“

Hayali war bei vermummten „Rote Flora“-Köchen

Und die Polizei provoziere ja auch. „Sehen sie in die Visiere der Polizisten, die da vermummt und gewaltbereit stehen“, riet sie dem früheren Innenminister Schily. Vorher waren im Reportagebeitrag aus der „Roten Flora“, Zentrum der Autonomen, vermummte Köche zu sehen. Dunja Hayali hatte ihnen beim Zubereiten veganen Gulaschs zuschauen dürfen. Die Moderatorin hat die richtigen Zutaten für die Sendung, tischt aber mit drei Themen einen Gang zuviel auf. Es geht auch noch um die Sinnhaftigkeit von Gefängnissen und um Körperkult.

Vor der „Roten Flora“ sagt ihr deren Sprecher Andreas Blechschmidt zum Thema Gewalt, an Polizisten komme man für den Protest nicht durch die Übergabe von Blumensträußen vorbei. Hayali, die auch schon das Gespräch bei AfD-Kundgebungen gesucht und von differenzierten Reaktionen berichtet hat, nimmt auch aus Hamburg vielfältige Erkenntnisse mit.

Der Witz von Erdogan, Trump und Putin

Die Moderatorin bestätigt „zum Teil“ das wenig deeskalierende und viel kritisierte Vorgehen der Polizei, Hayali hat auch mit weggetragenen Demonstranten gesprochen. Und sie stellt fest: „Wahnsinn, wie viel unterschiedliche Leute da sind.“ Die Kritik am G20-Gigantismus geht durch die ganze Gesellschaft. Laquer könnte sogar mehrheitsfähig sein, als sie den Satz „Kommen Erdogan, Trump und Putin nach Hamburg...“ den „Anfang von einem schlechten Witz“ nennt.

Schily findet dann auch „gar nicht schlecht, was Sie zum Teil veranstalten, wo Sie friedlich demonstrieren. Es gibt ja viele Dinge zu kritisieren.“ Er legt los: Das G20-Treffen sei „ein Schauspiel, das nichts bringen kann“. 20 Leute an einem Tisch könnten nicht miteinander reden, „das können wir zwei ja hier schon kaum. Er kritisiert Trump, Erdogan sei „eher Problemveranstalter“ und in vielen Jahren habe es die Politik noch nicht fertig gebracht, für eine gerechte Weltwirtschaft zu sorgen.

„Verteidigen unsere Rechte auf der Straße“

Doch der Gipfel in Hamburg sei Folge einer demokratisch legitimierten Entscheidung. Hochmut wirft er Laquer und Gleichgesinnten vor, wenn die bestimmen wollten, wer eingeladen werden darf. „Kritik ist berechtigt, aber nicht mit Gewalt.“ Wer etwas ändern wolle, müsse für andere Mehrheitsverhältnisse sorgen, „dass so ein Blödsinn [wie der G20-Gipfel] nicht passiert“.

Laquer glaubt an das Konzept Wahlen offensichtlich weniger: „Das einzige, was das ändern wird, ist wenn Menschen auf die Straße gehen und sagen, sie nehmen das nicht mehr hin“, behauptet die Aktivistin. Hoffnung gebe es nur, „wenn Menschen auf die Straße gehen und aufbegehren. Unsere politischen Rechte verteidigen wir auf der Straße.“

Die Sendung steht in der Mediathek. Sie war die erste von sieben Ausgaben von „Dunja Hayali“ mittwochs live aus dem ZDF-Hauptstadtstudio.

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