„Hart aber fair“

Psychiater bei Plasberg: Handys gefährlicher als Rauchen

So machen Smartphone und PC unsere Augen krank

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Berlin  Wenn ein Psychiater das Smartphone für gefährlicher hält, als Rauchen weiß man: Bei „Hart aber fair“ ist gehörig etwas schiefgegangen.

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Frankreich ist für radikale Ansätze im Bildungsbereich bekannt. Diesem Ruf macht das Land dieser Tage mal wieder alle Ehre: In französischen Schule werden Handys und Smartphones für Kinder bis 15 Jahre verboten . Das soll die Konzentration erhöhen und das Klima an den Schulen verbessern.

Wäre das nicht auch für Deutschland sinnvoll? Diese Frage nahm Frank Plasberg am Montagabend zum Anlass, um allgemeiner über das Thema zu sprechen: „Wie gefährlich sind Smartphones?“, fragte er bei „Hart aber fair“ etwas reißerisch in die Runde zu einem möglichen Handyverbot an deutschen Schulen.

Der Smartphone-Kritiker

Die Antwort von Manfred Spitzer fiel eindeutig aus: Sie sind sehr gefährlich. „Die Weltgesundheitsorganisation spricht mittlerweile auch von einer Krankheit“, sagte der Psychiater. Dass es sich beim Umgang mit dem Smartphone häufig um eine Sucht handle, werde allein schon daran deutlich, dass man immer Ausreden dafür erfinde, warum man nicht verzichten könne.

Spitzer zufolge reichen die negativen Effekte allerdings noch viel weiter. Smartphones würden etwa durch das blaue Licht den Schlaf rauben und damit das Risiko für Diabetes erhöhen. Auch würden sie den Blutdruck erhöhen. Und: „Wer digitale Medien zu viel nutzt, zerschießt sich seine Bildung und riskiert Demenz“, behauptete der Wissenschaftler unter Verweis auf Studien. „Wenn man das alles zusammen zählt, ist Rauchen fast ein Klacks.“ Hui!

Der Smartphone-Befürworter

Bei so viel Überspitzung tat es gut, dass der Kritiker auch einen Befürworter als Gegenüber hatte, der zumindest ein paar Mal einschritt. „Herr Spitzer sucht sich die Studien die er zitiert sehr selektiv aus“, merkte der Medienpädagoge Jöran Muuß-Merholz an. Auch würde er immer nur kleine Teile aus den Veröffentlichungen und diese etwas ungenau anführen. „Eigentlich kann man die Folgen noch gar nicht absehen, weil das so ein neues Phänomen ist.“

Sollte man dann aber nicht doch Vorsicht walten lassen? Muuß-Merholz machte deutlich, warum das so schwer fällt: Das Smartphone sei nützlich, es lenke ab – und es ermögliche, einfach soziale Kontakte zu halten. „Es ist eine Hassliebe“, fasste der Medienpädagoge zusammen.

Sind Smartphones an der Schule sinnvoll?

Doch was folgt daraus nun für die Schule? „Es sollte handyfreie Bereiche und Zeiten geben“, forderte Yvonne Gebauer, FDP-Bildungsministerin in NRW. Handyverbote aber seien unsinnig. Vielmehr müsse ein verantwortungsvoller Umgang mit der Technologie gelehrt werden. „Das ist ein Medium des 21. Jahrhunderts!“, stellte Gebauer fest.

Dagegen stellte sich natürlich Spitzer. „Wir können Wissen nicht durch Googeln ersetzen“, stellte der Psychiater fest. Auch zeigten die Pisa-Studien, dass höhere Investitionen in die Digitalisierung der Schulen zu schlechteren Leistungen bei den Schülern führten. „Immer wenn ich in der Zeitung lese, wir seien weit hinten bei der Digitalisierung an Schulen, denke ich: Gott sei Dank.“

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Das Fazit

Was für eine seichte Ausgabe von „Hart aber fair“! Zwischen den gezielten Provokationen von Spitzer und den leider sehr zurückhaltenden Erwiderungen von Muuß-Merholz tummelten sich noch die Schauspieler Anne-Sophie Briest und Thomas Heinze, die im Prinzip Schwänke aus ihrem Leben zum Besten gaben. „Ich könnte leichter ohne Smartphone leben als meine Umgebung“, erzählte etwa Heinze, der seinen Kindern eine Stunde vor dem Schlafengehen die Handys abnimmt.

Und so ließ sich am Ende als Quintessenz nur erahnen, was eigentlich schon vorher feststand: Smartphones können süchtig machen, ein verantwortungsvoller Umgang will gelehrt und gelernt sein. Wer hätte das gedacht?

Zur Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek.

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