TV-Preis

Privatfernsehen geht beim Grimme-Preis (fast) leer aus

Die Gewinner des Grimme-Preises wurden am Mittwoch in Essen bekannt gegeben.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Die Gewinner des Grimme-Preises wurden am Mittwoch in Essen bekannt gegeben. Foto: Caroline Seidel / dpa

Essen  Jede Menge Premieren beim Grimme-Preis. Erstmals wurde ein Streamingdienst ausgezeichnet. Für die Privatsender sah es weniger gut aus.

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Keine Scheinwerfer, keine Kameras und kaum Publikum. Ins Café des Essener Grillo-Theaters hat Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme Institutes, geladen, hat sich an einen Tisch gesetzt und zusammen mit Moderatorin Jenni Zylka binnen fünf Minuten die diesjährigen Preisträger des Grimme-Preises verlesen.

So ähnlich läuft das schon seit Jahren ab. Wenn es in Deutschland einen TV-Preis gibt, der ohne großen Glamour bekannt gegeben wird, dann ist es der Grimme-Preis. Was ihn in der Branche aber keineswegs weniger begehrenswert macht. Ganz im Gegenteil.

Abgesehen vom bekannt bescheidenen Ambiente aber gab es am Mittwoch bei der Bekanntgabe der 2018er-Preisträger jede Menge Premieren. Gleich drei Bezahlsender kommen mit ihren eigenproduzierten Serien zu Ehren.

Erstmal wird Streamingdienst aufgezeichnet

Und es sind genau die drei Serien, die auch schon beim Deutschen Fernsehpreis und der Goldenen Kamera in aller Munde waren. Mit der von Netflix produzierten Mystery-Serie „Dark“ erhält erstmals ein Streamingdienst eine Auszeichnung für Qualitätsfernsehen.

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Dazu gesellen sich das Gangster-Drama „4Blocks“ vom Sender TNT Serie und das bisher nur bei Sky ausgestrahlte „Babylon Berlin“ , das die ARD im Herbst zeigen will.

„Bahnbrechend“ nennt die Jury die historische Krimiserie nach Romanen von Volker Kutscher, „fantastisch“ findet sie „Dark“ und von „grandiosen Schauspielern“ schwärmt sie bei „4 Blocks“. Frauke Gerlach fasst zusammen: „Die Qualität dieser hochklassigen Preisträger zeigt, dass Deutschland auch auf dem internationalen Serienmarkt bestehen kann.“

Nur ein Privatsender erhält Grimme-Preis

Bei 90- beziehungsweise 180-minütigen Filmen kann es das schon lange. Und sie sind nach wie vor eine Domäne der öffentlich-rechtlichen Sender. Preise gibt es in diesem Jahr für den Zweiteiler „Landgericht – Geschichte einer Familie“ (ZDF), in dem Johanna Wokalek und Ronald Zehrfeld ein jüdisches Ehepaar während der Nazi-Zeit spielen. Und auch die ARD-Produktion „Zuckersand“, in der es um Kindheitserinnerungen aus der DDR geht, wird ausgezeichnet.

Düster sieht es in diesem Jahr für das deutsche Privatfernsehen aus, das praktisch nicht stattfindet. Mit einer Ausnahme: Für die bei Pro7 gelaufene „Circus HalliGalli“ -Sonderfolge #GoslingGate, die nachzeichnet, wie es Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gelang, bei der Verleihung der Goldenen Kamera ein Double des amerikanischen Schauspielers Ryan Gosling einzuschleusen, gibt es auch einen Grimme-Preis.

Auszeichnung auch für die Berichterstattung vom G20-Gipfel

Besondere Beachtung in der Kategorie „Information & Kultur“ fand der NDR mit seinen „Panorama“-Reportern für deren Berichterstattung zu den Ereignissen des G20-Gipfels. Maren Kroymann und Sebastian Colley erhalten in der Grimme-Kategorie „Unterhaltung“ einen Preis für „Kroymann“.

Insgesamt zeichnete die Jury 68 Einzelpreisträger aus – so viele wie noch nie. Was Frauke Gerlach mit dem Satz „Masse und Klasse“ zusammenfasste. Abgeholt werden können die Preise am 13 April. Dann vor laufenden Kameras, strahlenden Scheinwerfern und mit mehr als nur einer Spur Glamour – auf der großen Grimme-Gala 2018 in Marl.

Eine Liste der Preisträger finden Sie auch hier:

Wettbewerb Fiktion:

• „4 Blocks“ (TNT Serie)

• „Babylon Berlin“ (ARD Degeto/Sky/WDR)

• „Dark“ (Netflix)

• „Landgericht - Geschichte einer Familie“ (ZDF)

• „Zuckersand“ (BR/ARD Degeto/MDR)

Wettbewerb Information & Kultur:

• „Ab 18! Du warst mein Leben“ (ZDF/3sat)

• „Alles gut - Ankommen in Deutschland“ (NDR/SWR)

• „Cahier Africain“ (ZDF/3sat)

• „Sewol - Die gelbe Zeit“ (BR)

• Volker Steinhoff, Sven Lohmann und Dietmar Schiffermüller stellvertretend für die Redaktionen für die besondere journalistische Leistung ihrer Berichterstattung zu den Ereignissen des G20-Gipfels (NDR)

Wettbewerb Unterhaltung:

• „Circus HalliGalli #GoslingGate“ (ProSieben)

• „Eier aus Stahl – Max Giesinger und die deutsche Industriemusik“ aus dem „Neo Magazin Royale“ (ZDF/ZDFneo)

• „Kroymann“ (RB)

Wettbewerb Kinder & Jugend:

• „5vor12“ (BR)„Germania“ (ZDF/funk)

• Publikumspreis der Marler Gruppe:

• „Eine unerhörte Frau“ (ZDF/Arte)

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