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Oskar Lafontaine redet sich bei „Illner“ um Kopf und Kragen

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

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Berlin  Antiamerikanismus und Verschwörungstheorien: Der Ex-Linken-Chef offenbarte ein krudes Weltbild. Das Thema Nato-Gipfel kam eher zu kurz.

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Sollte Maybrit Illner sich vorgenommen haben, vor der Sommerpause noch einmal für Irritationen zu sorgen, ist ihr das gelungen. Und nein, das lag diesmal nicht an US-Präsident Donald Trump , dessen irrlichternde Politik im Zentrum der Debatte am Donnerstagabend stehen sollte. „Schutzmacht ade – muss Europa aufrüsten?“, fragte die Talkmasterin ihre Gäste, zu denen auch Oskar Lafontaine zählte, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Saarland.

Es ist bekannt, dass Lafontaine – wie seine Ehefrau Sahra Wagenknecht – dem dogmatischen Flügel der Linkspartei angehört, der ein eher angespanntes Verhältnis zu den Vereinigten Staaten im Allgemeinen und der US-Außenpolitik im Besonderen hat. Dass ein ehemaliger Spitzenpolitiker aber vor laufenden Kameras nahezu unwidersprochen Antiamerikanismus und Verschwörungstheorien verbreitet, lässt tief blicken – auch was den Zustand der Linkspartei betrifft, in der Realos und Fundis seit jeher um die Ausrichtung kämpfen. Und in der es viele Anhänger des Saarländers gibt.

Thesen, die auch bei der Rechten ankommen

Aussagen wie: „Auch viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sind wir immer noch kein souveränes Land“ (O-Ton Lafontaine) hätten auch aus der politisch ganz rechten Ecke kommen können. Die Verschwörungstheorie, wonach die Bundesrepublik kein souveränes Land sei, erfreut sich in diesen Kreisen hoher Beliebtheit. Und wer steckt dahinter? Die USA. Da schließt sich der Kreis zu Oskar Lafontaine, der in Illners Runde die Vereinigten Staaten für alles Elend auf der Welt verantwortlich machte.

„Die Bundeswehr ist eine Verteidigungsarmee. Sie soll nicht die US-Kriege um Rohstoffe oder Absatzmärkte mitführen“, zürnte Lafontaine, als Illner eigentlich den Nato-Gipfel und den Streit um Militärausgaben analysieren wollte. „Das sind doch alles Stanzen“, warf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein und Frederick Ben Hodges, Generalleutnant a.D. der US-Army hielt Lafontaine vor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

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US-Präsident Trump zeigte sich sehr zufrieden mit dem Nato-Gipfel in Brüssel. Die USA bekenne sich weiterhin entschieden zu dem Bündnis, sagte der US-Präsident.
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Der Fokus der Sendung verrutscht

Natürlich durfte bei Lafontaine auch der Verweis nicht fehlen, dass es die USA waren, die den Irak kaputt bombardiert und den IS mit aufgebaut haben. Also gingen auch die Migrationsbewegungen auf ihr Konto. Und überhaupt: wenn es ein Risiko für den Frieden gebe, seien das die USA. Nicht etwa Russlands Präsident Wladimir Putin , der in Europa – Stichwort Krim – wieder Grenzen verschiebt.

Auch wenn Lafontaines Thesen krude, überzogen und entlarvend waren, hätte es der Ausgewogenheit doch gut getan, wenn jemand in Illners Runde entschiedener Widerspruch erhoben hätte. Auch der eigentliche Anlass der Sendung, die Debatte um die Nato, Militärausgaben und die Frage, welchen Beitrag Deutschland und Europa in Zukunft leisten müssen, ging so etwas unter.

Denn Trump zeigte sich beim Nato-Gipfel zwar versöhnlicher. Die Drohung aber, künftig in Verteidigungsfragen ohne die Einbindung der Allianz zu handeln, steht noch immer im Raum. In der kommenden Woche reist der US-Präsident zu seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. „Es ist denkbar, dass er die völkerrechtswidrige Annexion der Krim dann anerkennt“, sagte die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff. Für Europa wäre das eine Hiobsbotschaft. „Trump kann mit Begriffen wie Bündnispartner nicht viel anfangen“, so der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Für den Republikaner gebe es Fans und Feinde, und mit diesem Weltbild mache er Politik.

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Randnotiz Putin-Besuch

Und Oskar Lafontaine? Für den ist Trumps Besuch bei Putin ohnehin nur eine Randnotiz: „Die USA haben überall Truppen und Militärstützpunkte auf der Welt, von denen sie aus Krieg führen. Das wird auch so bleiben“, sagte er. „Wir wissen, wer der Aggressor ist und welches Land immer weiter eingekreist wird.“

Böses Amerika, gutes Russland. So einfach ist das. Wie gut, dass jetzt nicht nur für Maybrit Illner, sondern auch für Oskar Lafontaine die Sommerpause beginnt.

Hier gibt es die Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ZDF-Mediathek.

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