ZDF-Talk

„Maybrit Illner“ zu Corona-Lockerungen: Reicht Hygiene aus?

Heinsberg Protokoll will den Corona-Ausbruch rekonstruieren

Wie wurde Heinsberg zum deutschen Hotspot des Coronavirus? Virologe Hendrik Streeck und Hygiene-Expertin Ricarda Schmithausen führen eine Studie durch. Ihre Ergebnisse teilen sie live als #heinsbergprotokoll.

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Berlin.  Bei „Maybrit Illner“ ging es um die Risiken der Lockerungen in der Corona-Krise. Warum sich Virologe Hendrik Streeck gelassen gab.

Das Wort „Öffnungsdiskussionsorgien“, das Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einigen Tagen in vertrauter Runde kreierte, wollte Maybrit Illner am Donnerstagabend mit ihren Gästen diskutieren. Schließlich scheint die Geduld mit dem Corona-Lockdown bei vielen immer mehr an ein Ende zu gelangen. „Deutschland macht auf – mutig oder riskant?“, lautete der launige Titel angesichts der ersten Lockerungen in Deutschland seit Anfang der Woche.

Doch mit einer Diskussion hatte der Talk wenig gemein. Wie auch? Jeder Gast hatte einen gänzlich anderen Themenschwerpunkt mitgebracht. Artig fragte Maybrit Illner ihre Gäste der Reihe dazu nach ab. Nur in einem Punkt blitzte eine Diskussion auf.

„Maybrit Illner“ über Corona-Krise – das waren die Gäste

  • Cem Özdemir (B‘90/Die Grünen), ehemaliger Parteivorsitzender
  • Hendrik Streek, Virologe
  • Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz
  • Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender Volkswagen AG
  • Mai Thi Nguyen-Kim, Wissenschaftsjournalistin

Coronavirus-Hotspot: Hendrik Streecks umstrittene Heinsberg-Studie

Mehrfach plädierte der Virologe Hendrik Streeck dafür, dass eine umfassende Hygiene der Bevölkerung die beste Maßnahme gegen weitere Infektionen sei. Dies hätten auch die Ergebnisse der von ihm geleiteten Heinsberg-Studie gezeigt. Dass aber das Virus aufzuhalten sei, glaubt er nicht: „Wir müssen anfangen, mit dem Virus zu leben“, sagte Streeck. Lesen Sie hier: Kritik an der Heinsberg-Studie zum Coronavirus – wer hat Recht?

Das wiederum wollte die Wissenschaftsjournalistin Nguyen-Kim so nicht stehen lassen. „Ich sehe in der Studie keinen Zusammenhang zu den Hygienemaßnahmen, für die Sie werben“, beklagte Nguyen-Kim. Stattdessen sollte bewusst sein, dass die Verbreitung des Coronavirus noch immer ein exponentielles Wachstum habe. Von Streecks Gelassenheit hielt sie nicht viel.

VW-Chef Driess in Corona-Krise auf Werbetour in eigener Sache

Vermutlich hätte die Diskussion zwischen den beiden noch einige Zeit weiter gehen können. Und sie wäre auch sicher spannend geworden, weil in diesem Moment der Kern der Frage zu den Risiken der Lockerungen berührt wurde. Dumm nur: Maybrit Illner hatte ja noch weitere Gäste in der Runde, die zwar wenig zu sagen hatten, aber ja schließlich nicht die gesamte Sendung über still dasitzen sollten.

Und so konnte VW-Chef Herbert Diess eine Werbeshow für den eigenen Konzern abliefern, Malu Dreyer ihre Schulöffnungspolitik verteidigen und Cem Özdemir staatstragend über den Detailfragen schweben. Lesen Sie hier: Youtuber Rezo kritisiert Politik scharf für Schulöffnungen

„Wissenschaftler werden gerade zu Politikern gemacht“

Wobei es Özdemir in der Diskussion zwischen Streeck und Nguyen-Kim war, der einen durchaus wichtigen Punkt einbrachte: Streecks Heinsberg-Studie war es schließlich, die der NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) zum Anlass nahm, massiv für weitere Lockerungen zu plädieren.

Maybrit Illner fragte den Virologen vermeintlich kritisch, ob er sich mit seiner viel diskutierten Studie nicht von den Anhängern der Lockerungen instrumentalisieren lasse. Streeck sollte also Laschets Politik verteidigen? Das ging Özdemir zu weit. „Das Problem ist, dass wir gerade aus Wissenschaftlern Politiker machen“, sprang Özdemir mahnend dazwischen.

Coronavirus-Krise bei Maybrit Illner – Das Fazit

Dieses Durcheinander prägte die gesamte Sendung. Entweder hätte Maybrit Illner nur eine Experten-Runde diskutieren lassen können – dann wäre man der Frage über den Wert der Heinsberg-Studie sicher nähergekommen. Oder man hätte nur die Politiker diskutieren lassen können – dann hätte Malu Dreyer erklären können, ob die Uneinigkeit der Länder sinnvoll ist.

Oder eben nur eine Wirtschaftsrunde. Dann hätte VW-Chef Diess auch erklären können, warum er einige Tage zuvor eine Abwrack-Prämie forderte. Alles drei ergab dagegen eine langatmige Abfolge von dahinplätschernden Monologen, die beim besten Willen nicht zusammenpassen wollten.

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