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Bei Lanz: Trittin verteidigt Eigenheim-Debatte der Grünen

Lesedauer: 6 Minuten

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin  Bei „Markus Lanz“ ging es um „fatale Ehrlichkeit“ der Grünen, Milliarden der „russischen Führungsclique“ und - sehr kurz - um Corona.

„Wenn das Eigenheim als Klima-Killer stigmatisiert wird“, erregte sich Wolfram Weimer bei „Markus Lanz“, „ist das die Eröffnung eines Kulturkampfes.“ Für zwei Drittel der Deutschen sei ein eigenes Haus mit Garten schließlich das Ideal, wie sie leben wollten. „Für Annalena Baerbock und Robert Habeck bestimmt auch“, vermutete er. Doch zumindest Baerbock wohnt zur Miete in einem Mehrfamilienhaus.

Im Super-Wahljahr 2021 machten die Grünen schon wieder den gleichen Fehler wie 2013 oder 2017, analysierte der Verleger des Magazins „The European“ weiter: Ein Jahr vor Wahltag führten sie mit zweistelligen Umfragewerten, um dann mit unpopulären Themen wie Steuererhöhung, Autodiesel oder Veggie-Day die Wähler zu verschrecken und wieder in der linken „Acht-Prozent-Ecke“ zu landen. „Wenn sie die neue Volkspartei der linken Mitte werden wollen, dann müssen sie auch bürgerliche Positionen besetzen“, riet er entschieden.

Gleich zu Beginn von „Markus Lanz“ ging es gut und laut los mit der Frage, wieviel Eigentor in der Eigenheim-Debatte der Grünen steckte. War Anton Hofreiter im „Spiegel“-Interview vom Wochenende nur „fatal ehrlich“? Oder hatte er einfach nicht erkannt, zu welchem „kommunikativen Super-Gau“ seine Aussage führen würde?

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„Markus Lanz“ – Das waren die Gäste:

  • Jürgen Trittin, Politiker
  • Thea Dorn, Philosophin
  • Thielko Grieß, Journalist
  • Wolfram Weimer, Journalist

Debatte ums Eigenheim: Eine Frage der verfügbaren Fläche

„Warum macht er denn das?“, fragte auch Markus Lanz, fast schon händeringend. Und staunte nicht alleine, wie locker Jürgen Trittin den Häuslebauer-Fauxpas kleinzureden versuchte: Das sei doch eine Banalität, die man im ersten Semester Stadtsoziologie lerne, beschwichtigte der Alt-Grüne. Kein Kommunalpolitiker, egal welcher Partei, wollte das Wohnungsproblem noch durch Eigenheime lösen.

„An dieser Stelle wird Toni für eine Position geprügelt, die in Deutschland kommunal längst praktiziert wird“, nahm er stattdessen den Co-Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion in Schutz, dessen Aussage bewusst verfälscht worden sei, zum Beispiel von Markus Söder in dessen Aschermittwoch-Ansprache. Alles sei bloß eine Frage der verfügbaren Fläche. Niemand, auch er nicht, wollte Eigenheime verbieten: „In München erledigt sich die Frage aber von selbst“, setzte er lakonisch dazu.

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Natürlich, wenn man Klimaschutz ernst nehmen wollte, müsste man auch über Wohnen, Fahren, Leben sprechen. „Wir werden im Wahlkampf noch mehr Zuspitzungen erleben“, prognostizierte Jürgen Trittin.

Schon wieder ganz einig waren sich die Kontrahenten bei der darauffolgenden Frage, wem „Nord Stream 2“ nützt: Von der „Ostseepipeline, die niemand braucht und mehr will“ (Trittin) profitiere vor allem die russische Führungsclique um Wladimir Putin mit 20 Milliarden Euro Einnahmen durch den Gas-Verkauf. „Wir sind Putin Portemonnaie“, erklärte Wolfram Weimer pointiert und wünschte sich, den Bau der Pipeline auszusetzen, „wenigstens solange, wie Alexej Nawalny im Gefängnis sitzen muss.“

Putin-Kritiker wartet auf zwei weitere Prozesse

An diesem Punkt wurde der muntere „Lanz“-Talk durch den Russland-Korrespondenten der Deutschlandfunk ergänzt: Zugeschaltet per Video aus Moskau, berichtete Thielko Grieß anhand einiger Fotos, wie dem Kreml-Kritiker in der Untersuchungshaftanstalt „Matrosenstille“ inzwischen erging.

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Der Putin-kritische Anwalt saß in einer 12 Quadratmeter großen Einzelzelle mit Eisenbett und kleinem Fernseher und erwartete zwei weitere Verfahren – wegen Verleumdung eines Veteranen und wegen angeblichen Betruges.

Auch wenn sein entlarvendes Video zu Putins Milliardärs-Villa auf YouTube millionenfach geklickt worden sei, berichtete Thielko Grieß, hätte die Korruptionsrecherche bisher wenig Eindruck auf den russischen Durchschnittsmenschen gemacht: Laut einer Umfrage sagten 77 Prozent, das Video hätte ihre Einstellung zu Putin nicht verändert. „Es gibt eine apathische Mehrheit, die sich für Politik nicht interessiert, weil sie ohnehin glaubt, es ein dreckiges Geschäft ist.“

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„Kein ernsthaftes Bemühen, aus dem Lockdown zu kommen“

Corona blieb thematisch erst einmal vor der Tür, Thea Dorn als dritte Studio-Gästin im Grunde auch. Erst in der zweiten Hälfte dieses „Lanz“-Talks kam die Philosophin und Autorin zu Wort, als es dann doch noch um die gesellschaftlichen Folgen des Lockdowns gehen sollte.

An der No-Covid-Strategie bemängelte sie schon die praktische Durchführbarkeit des Vorschlags, Deutschland und womöglich ganz Europa in begrenzte rote und grüne Zonen einzuteilen. „Das hat schon 1830 unter den Preußen nicht funktioniert. Und die durften schießen“, kommentierte sie zugespitzt.

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Vor allem aber störte sie sich massiv an der die religiöse Sprache, in der die Wissenschaftler von dem Ziel redeten, das Land „dauerhaft in grüne Zonen zu führen.“ Da kämen ihr gleich grüne Auen und biblische Bilder in den Sinn. „Diese Sprache ist zutiefst befremdlich.“

Auch könne sie kein „ernsthaftes Bemühen, aus dem Lockdown zu kommen“, erkennen. „Ein schneller Weg ist illusorisch“, befand Thea Dorn. Aber ein Perspektive raus, bitter nötig: „In den letzten elf Monaten hat sich soviel Verzweiflung in dieser Gesellschaft angestaut“, beklagte sie. „Wir brauchen Ventile dafür.“

„Alle 25 Jahre kommt eine Seuche über uns“

Eines davon, so zeigte sich schnell, stehe in ihrem neuen Briefroman „Trost“: „Was nützt es, wenn wir aus Angst vor dem Tod unser Leben verzittern“, schrieb ihre Protagonistin darin einen Satz, der es Markus Lanz besonders angetan hatte und er das Buch wärmstens empfahl.

Noch tröstlicher erschienen aber die „guten Nachrichten“, die Wolfram Weimer verkündete, indem er einen befreundeten Seuchen-Historiker zitierte: „Alle 25 Jahre kommt eine Seuche über uns. Aus der Geschichte können wir aber lernen: 1. Die Sache geht vorüber. 2. Sie geht gut vorüber. 3. Die Mutanten sind eventuell der Anfang vom Ende. 4. Wir haben inzwischen Instrumente, wie Impfen und Tests, die uns helfen können.

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