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„Maischberger“-Talk: Corona-Skeptiker hält wirre Wutrede

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Berlin.  Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über die teils sehr aggressiven Corona-Skeptiker. Einer von ihnen ist selbst zu Gast.

Die derzeit vielerorts stattfindenden Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zeigen obskure Bilder von Impfgegnern, Esoterikern und Rechtsextremen. Woher die teils aggressive Stimmung der Verschwörungstheoretiker kommt und welche diffusen Gründe dafür angeführt werden, konnte man am Mittwochabend bei „Maischberger. Die Woche“ aus der Nähe betrachten.

Mit dem Kabarettisten Matthias Richling war einer dieser sogenannten Corona-Skeptiker zu Gast bei Sandra Maischberger. Er präsentierte sich mit einer Mischung aus Unwissenheit und purer Wut. Beinahe ironisch war es, dass neben Richling mit Horst Seehofer (CSU) jemand saß, der für manche populistische Formulierung bekannt ist, aber hier wie die personifizierte Vernunft wirkte.

„Maischberger. Die Woche“ – das waren die Gäste am Mittwochabend:

  • Horst Seehofer (CSU), Bundesinnenminister
  • Annalena Baerbock (Grüne), Parteivorsitzende
  • Ulrich Wickert, Autor und ehemaliger „Tagesthemen“-Moderator
  • Mathias Richling, Kabarettist
  • Pia Heinemann, Wissenschaftsjournalistin bei der „Welt“

Denn beim „Maischberger“-Talk war schnell Feuer in der Debatte. Während der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert und die „Welt“-Journalistin Pia Heinemann die bisherigen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus für weitgehend angemessen hielten, konnte Kabarettist Richling dafür keinerlei Verständnis aufbringen. „Die Leute sind entsetzt und wütend wegen einer widersprüchlichen Informationspolitik“, kritisierte er – was in Teilen sicher eine angemessene Kritik ist.

Verschwörungstheoretiker: Woher kommt die Wut?

Doch Richling redete sich da erst in Fahrt. „Gibt es nicht noch mehr als dieses Virus?“, fragte er rhetorisch und verglich im nächsten Satz das Coronavirus mit einem Erdbeben am Bodensee, das nicht kommt. Ein schräger Vergleich, den die Journalistin Pia Heinemann auch so nicht stehen lassen wollten. „Das Virus ist ja da – im Unterschied zu Ihrem Erdbeben“, erwiderte sie nüchtern – im Unterschied zum hyperventilierenden Richling.

Aber es wurde noch wirrer: Da werde, so der Kabarettist, mit den Schutzmaßnahmen „die Gesellschaft ermordet“. Besonders die Wut auf Virologen treibt Richling um. Gegen den Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, scheint es gar pathologische Dimensionen anzunehmen.

Horst Seehofer wird altersmilde

Innenminister Seehofer musste gar nicht explizit auf seinen Sitznachbarn eingehen. Es war zu absurd. Und auch im eigenen Haus hat der Bundesinnenminister mit solchen Positionen zu kämpfen – ein Mitarbeiter seines Hauses veröffentlichte kürzlich ein nicht abgesprochenes Papier im Alleingang, das die Maßnahmen der Regierung für völlig fehlerhaft kritisierte. Seehofer entband ihn von seiner Dienstpflicht.

Gegenüber Sandra Maischberger verteidigte er sich auch dafür. Gleichwohl schätzte er die bundesweit stattfindenden „Hygiene-Demonstrationen“ als nicht sonderlich bedenklich ein. „Ich sehe dadurch keine Gefahr für unsere Demokratie“, sagte Seehofer. Das sollte man im Hinterkopf behalten, schließlich warnen mehrere Rechtsextremismus-Forscher genau davor.

Vor allem aber war erstaunlich, dass da ein Seehofer saß, wie er in der Vergangenheit selten zu sehen war: Voll des Lobes für die Bevölkerung, für kritische Geister, für die Kanzlerin und für Markus Söder (CSU). Da wirkte beinahe eine ungewohnte Altersmilde.

Grünen-Chefin Baerbock: Rollback in der Gleichstellungsfrage

Demgegenüber strahlte die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock deutlich weniger Optimismus aus. Denn trotz all der angekündigten und stattfindenden Lockerungen, blieben einige gesellschaftliche Gruppen besonders zurückgelassen: Kinder und Frauen. Lesen Sie hier: Schrittweise Rückkehr zum Alltag? Nicht für Frauen

„Der große Fehler ist, dass wir nicht hinschauen, wo die sozialen Härten am größten sind“, beklagte Baerbock und sah gar ein Rollback in der Gleichstellungsfrage. Schließlich würden Frauen, die einerseits noch immer vermehrt für die Erziehung zuständig seien, mit geschlossenen Schulen überfordert. Andererseits seien es im Zweifel sie, die in einer Partnerschaft deshalb beruflich zurücktreten müssten.

„Maischberger“-Talk – das Fazit

Wer die „Hygiene-Demos“ bislang als Ansammlung von bedeutungslosen gesellschaftlichen Gruppen betrachtet hat, muss sich zunehmend eines Besseren belehren. Nicht nur die Zahlen der Demonstranten sind erstaunlich hoch, sondern auch die Verteidiger dieser Demonstranten sitzen nun plötzlich in den Talkshows. Ob das nur eine kurze Episode sein wird, ist ungewiss.

Interessant zu sehen war es beim „Maischberger“-Talk dennoch. Weil abweichende Meinung per se wichtig sind, war das auch sinnvoll. Doch betrachtet man in der Summe den Humbug, den jemand wie Richling da verbreitet, stellt sich automatisch die Frage, ob diesen Positionen nicht zu viel Raum gegeben wird.

Denn wenn diese Meinungen einzig auf schrägen Vergleichen und kruden Bezügen auf abwegige Zahlenwerte beruhen, dann ist das vielleicht unterhaltsam. Hilfreich aber sicher nicht.

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