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"Markus Lanz": Wie Klingbeil bittersüß gegen Laschet pestet

Lesedauer: 6 Minuten
Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin  Bei "Markus Lanz" ging es vor allem um die SPD. Eine Frage verwandelte Generalsekretär Klingbeil aber in eine Attacke auf die CDU.

Ging es nach Markus Lanz, wäre Olaf Scholz ein exzellenter Kanzler. Aber ist er auch ein exzellenter Kandidat? Nicht nachvollziehen konnte der Moderator jedenfalls die "Verengung" der SPD auf ihren Kanzlerkandidaten, wie sie beim digitalen Parteitag vom letzten Wochenende zu beobachten gewesen war.

Warum holte sie nicht ihre vielen "richtig guten Leute" – wie zum Beispiel den Gesundheitsexperten Karl Lauterbach oder Boris Pistorius, Innenminister in Niedersachsen – ins Team? So wie Armin Laschet das für die CDU machte, wollte Markus Lanz in seinem Dienstag-Talk wissen und lieferte mit der unbedarften Frage plötzlich eine messerscharfe Steilvorlage für Lars Klingbeil.

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Lars Klingbeil (SPD), Politiker
  • Janine Wissler (Linke), Politikerin
  • Ulrike Herrmann, Journalistin
  • Rainer Hank, Wirtschaftsjournalist

"Der hat sich Merz und Maaßen ins Team geholt", kommentierte der SPD-Generalsekretär trocken – bevor er ausholte, wieso seine Wortwahl vom "ins Team holen" gar nicht so falsch war, wie Markus Lanz empört bestritt: "Ich hätte erwartet, dass Armin Laschet sich klar gegen so jemanden positioniert, der belegbar rechte Verschwörungstheorien bedient", kritisierte Lars Klingbeil.

Aber noch nicht einmal im Ansatz habe der CDU-Vorsitzende interveniert, als der ehemalige Verfassungsschutzchef Anfang Mai vom Südthüringer CDU-Landesverband zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl gekürt worden war. "Damit spielt Maaßen jetzt im Team Laschet."

Maaßen-Diskussion: So weit liegen GroKo-Partner auseinander

Die kurze, intensive Kontroverse war nur eine Momentaufnahme von vielen, die aufblitzen ließen, wie stark sich die langjährigen GroKo-Partner in Grundfragen doch unterschieden. Den Wahlkampf spürbar anschieben konnte aber auch die lebhafte und überwiegend launige Diskussion nicht: Als Sparringspartner hatte Markus Lanz nur Janine Wissler, seit kurzem Co-Vorsitzende der Linkspartei, ins Hamburger Studio eingeladen. Lesen Sie dazu: Die Linke – Mit Spitzenduo Wissler und Bartsch in die Wahl

Quasi von der Seitenlinie kommentierten dazu zwei Journalisten die Wahlversprechen der SPD: Während Ulrike Herrmann (taz) vor allem bemängelte, dass das 64seitige Wahlprogramm "wenig konkrete Zahlen" und viele Ähnlichkeiten zum Programm der Grünen lieferte, kritisierte Rainer Hank (FAS) wie wenig die SPD die "eklatante Schwäche" der CDU ausnutze: "Das ist schon eine Leistung", bemerkte er sarkastisch.

Frage bei "Markus Lanz": Wer folgt auf Angela Merkel?

Das meiste drehte sich ohnehin um die SPD. Noch einmal also: Warum setzte die SPD voll auf "den Dirigenten statt auf ein ganzes Orchester"? Lars Klingbeil, früher einmal singender Frontmann der Punk-Band "Sleepy Silence", fand ohne Mühe den richtigen Ton, um seine Idee vom Wahlkampf verständlich zu erläutern. Das könnte Sie interessieren: Ein Viertel der SPD-Wähler sieht keine Chance für Scholz

Im September gehe es vor allem um Frage, "welche Person folgt auf Angela Merkel", erklärte er: Erstmals seit 72 Jahren stehe bei einer Bundestagswahl kein Amtsinhaber zur Wahl. Gleichzeitig stehe das Land aber vor enormen innen- und außenpolitischen Herausforderungen, weshalb ein Kanzler gebraucht werde, der politische Erfahrung habe, Entscheidungen treffen könne und Führungsqualitäten zeige. "Mit Olaf Scholz haben wir jemanden, der die Vernünftigen einsammelt", führte er weiter aus, so selbstbewusst wie sein Kandidat.

Linke vom SPD-Programm nicht richtig überzeugt

Nach 20 Jahren fast durchgehender Regierungsbeteiligung mochte Janine Wissler nicht ganz erkennen, was die Sozialdemokraten in Zukunft ändern wollen sollten. "Entscheidend ist ja, wie das Wahlprogramm in praktische Politik umgesetzt wird", erklärte sie und nutzte die Chance, umso mehr für die Wahlversprechen der Linken zu werben: Pflegekräfte besser zu bezahlen, Verträge zu entfristen und mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

So weit voneinander entfernt schienen die Wahlversprechen der beiden Parteien aber nicht.

Neben dem munteren Austausch ging es noch um zwei weitere Politikfelder, die mehr Gemeinsamkeiten als deutliche Gegensätze hervorbrachten: Klimapolitik und Impfstoff-Patente.

"Markus Lanz": Wollen Sie Inlandsflüge verbieten?

"Wollen Sie zukünftig alle Inlandsflüge verbieten?", fragte Markus Lanz mehrfach nach, als ginge es um eines der letzten Tabus. Verbieten? Natürlich nicht, erklärten beide, aber mehr Fahrgäste auf die Schiene bringen – stillgelegte Bahnstrecken reaktivieren und gleichzeitig Hochgeschwindigkeitsstrecken ausbauen.

"Interessant ist ja", schaffte "taz"-Redakteurin Ulrike Herrmann die "Prinzipienreiterei" von Markus Lanz zu beenden, "dass sogar die großen Luftfahrunternehmen keine Kurzflüge mehr wollen."

Und machte mit ihrem Einwurf zumindest klar, dass dieses Verkehrsproblem komplexer war, als von Markus Lanz unterstellt: Der Luftraum über Deutschland wäre überfüllt, deshalb kooperierten sie bereits auf vielen Strecken mit der Bahn. "Dafür wollen sie mehr Langstrecken einrichten, die dann mehr Schaden anrichten werden."

"Markus Lanz": Impftermine verschieben?

Auch diese Frage war eigentlich populistisch und nicht fair, weil sie Null Spielraum für eine differenzierte Antwort zulassen wollte: Würden Sie den Deutschen zumuten, fragte Markus Lanz, zwei Monate länger mit ihrer Impfung warten zu müssen, damit der knappe Impfstoff nach Indien oder Brasilien exportiert werden kann?

Die Antwort sollte bloß Ja oder Nein heißen. Und nur Janine Wissler blieb bei der Forderung, die Impfpatente aufzuheben. Das sei keine Frage der Barmherzigkeit. "Es ist in unserem eigenen Interesse, dass sich im globalen Süden keine impfresistenten Mutanten entwickeln", erklärte sie.

Alle anderen Gäste plädierten für den Ausbau von Produktionsstätten und Wissenstransfer, um mindestens ebenso schnell an das gleiche Ziel zu gelangen.

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