ARD-Krimi

„Kühn hat zu tun“ wird Jan Weilers Buchvorlage nicht gerecht

In „Kühn hat zu tun“ mimt Thomas Loibl einen biederen Kommissar. Das will aber nicht so recht passen.

In „Kühn hat zu tun“ mimt Thomas Loibl einen biederen Kommissar. Das will aber nicht so recht passen.

Foto: Handout / WDR/Bernd Schuller

Essen  Schriftsteller Jan Weiler lieferte die Vorlage zu dem Krimi „Kühn hat zu tun“. Doch die Literaturverfilmung ist ganz schwach geraten.

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Zu den Romanhelden, die sich einer Verfilmung offenbar hartnäckig widersetzen, zählt mit dem Sendedatum von heute Jan Weilers Thomas Kühn. Dabei hat Weiler, erfolgsverwöhnt durch Heiterkeitsbestseller wie „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“, mit seinem Ermittler doch gerade nach dem Durchschnitt gefischt.

Durchschnitt, weil der Krimi-Markt voll ist von ermittelnden Exzentrikern, opernverrückten Autisten, zuckerkranken Cholerikern ... Dieser brave Kühn aber hat ein austauschbares Reihenhaus mit Mini-Gärtchen, eine Frau, der Kinder sind natürlich zwei und erwartbar Junge und Mädchen.

Kühn kriegt während der Ermittlungsarbeit Einkaufs-Order aufs Handy („Joghurt, nicht den fetten!“) und ist auf den ersten Blick von einer nicht uncharmanten Verlierer-Art, die ihm beim Anblick einer Baumarkt-Schönheit prompt den Sack mit Dünger-Perlen platzen lässt.

„Kühn hat zu tun“: Dem Idyll ist nicht zu trauen

Freilich hat Jan Weiler sich mit „Kühn hat zu tun“ clever über geländegängige Schmunzelkrimis hinausgeschrieben: Unter diesem Jedermann von der bayerischen Polizei verbergen sich Abgründe.

All das scheint Regisseur Ralf Huettner („Vincent will Meer“) bei seiner TV-Adaption durchaus gewissenhaft im Blick zu haben. Die Zeitsprünge zu Kühns mysteriösem Kindheitstrauma etwa bettet Armin Golisanos Kamera in unheilvolles Pastell. Aber gegen das schleppende, unraffiniert klischeehafte Erzählen, das Huettners Film zu drei Vierteln belastet, kommen jene Bilder nicht an, die dem Bürger-Idyll in Kühns Muster-Siedlung von Anfang an nicht trauen.

Ein Toter lässt die Fassade bröckeln

Grund genug dazu bietet die Lage bald: Ein Kind verschwindet, ein grausig zugerichteter Mann liegt tot ganz nah an Kühns Zierrasen. Und also zieht das Misstrauen ein in die schönen Polsterwelten dieser SUV fahrenden Nachbarschaft aus ehrenwerten Bankern, Proktologen, Oberstudienräten.

Thomas Loibl muss sich als Kommissar Kühn durch den Morast aus Spießertum und unterdrückten Trieben kämpfen. Der starke Schauspieler, der so oft noch in kleinsten Partien („Toni Erdmann“) zu glänzen wusste und Herausragendes auf den großen deutschsprachigen Bühnen leistet, trägt diesen Film leider nicht.

Filmfassung ist zu stark kürzt und vereinfacht

Der von Weiler komplex erdachten Melange aus Mittelmaß und monströsen Schatten der Vergangenheit bietet Huettners Zugriff allzu schmalen Raum. Zu stark gekürzt und vereinfacht gerät das. Und Loibl ist – auch physisch – einfach ein viel zu interessanter, schillernder Typ, als dass man ihm dieses lebenslängliche Biedermanns-Abonnement abnehmen mag.

Jammervoll dürftig geführte Kleindarsteller (lachhaft ein rechter Aufruhr vor dem Kolonialwarenladen eines tatverdächtigen Griechen) und aufdringliche Comedy-Einlagen der Staatsanwaltschaft (Trystan Pütter) geben dem Unternehmen so ziemlich den Rest.

Dafür findet man Trost bei einem kleinen großen Auftritt: Wie Lisa Wagner die Verzweiflung einer Mutter ins Unkontrollierte boshafter Aggression münden lässt, das ist ein Augenblicks-Porträt weit über dem Niveau der Produktion.

Fazit: Eine der ganz schwachen Krimi-Literaturverfilmungen jüngeren Datums. Vorwiegend langweilig dazu.

ARD, Mittwoch, 30. Januar, 20.15 Uhr

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