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„Illner“: Streeck nicht sicher, ob Corona-Impfstoff kommt

Blutgruppe könnte Einfluss auf Covid-19 haben

Forscher aus Kiel und Oslo haben untersucht, wie sich die Blutgruppe auf den Verlauf der Krankheit auswirkt. Nach ersten Ergebnissen gibt es ein höheres Risiko für Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe.

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Berlin.  Kanzleramtsminister Braun machte bei „Illner“ Hoffnung auf einen baldigen Coronavirus-Impfstoff. Virologe Streeck sah das kritischer.

Helge Braun mahnt zur Vorsicht. „Wir müssen dafür sorgen, dass Regeln eingehalten und die Infektionszahlen niedrig bleiben“, sagte der Kanzleramtsminister am Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“. Und natürlich: „Die Regeln gelten für alle“.

Gut, dass Braun das nochmal extra betont hat. Denn schon längst wird auch in Deutschland wieder gefeiert und demonstriert. „Völlig distanzlos“, wie Maybrit Illner es gleich zu Beginn der Sendung nannte. Und auch die Bundesländer preschen vor, wenn es um Corona-Lockerungen geht. „Corona-Leichtsinn – weniger Regeln, mehr Ärger?“, fragte die Redaktion daher.

Auf welcher Basis entscheidet die Regierung? Es wäre interessant gewesen, vom Kanzleramtsminister direkt zu erfahren, welches Ziel die Regierung eigentlich gerade verfolgt. Die Infektionszahlen sind niedrig – aber wie geht es weiter? Auf welcher Basis entscheidet die Koalition über das weitere Vorgehen?

Braun sagte zwar, dass eine zweite Welle von Neuinfektionen verhindert werden müsse. Dazu sollten die Deutschen „Vorsicht walten lassen“ und elementare Regeln wie den Abstand und das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen einhalten.

Schulleiterin bei „Illner“: Unterricht in Corona-Zeiten bereitet „Kopfzerbrechen“

Allerdings – und darauf verwendete Maybrit Illner einen großen Teil der Sendezeit – sollen auch die Schulen schon bald wieder in den Regelbetrieb übergehen. Und das heißt: normale Klassengrößen, kein Abstand, keine Masken. Unterricht wie in Vor-Corona-Zeiten. Passt das zusammen?

„Das macht uns schon ein bisschen Kopfzerbrechen“, gab die Berliner Schulleiterin Miriam Pech unumwunden zu. Schließlich können die Schulen genau das nicht einhalten, was Kanzleramtsminister Braun zuvor in der Sendung gefordert hatte.

Der Virologe Hendrik Streeck sagte, dass immer mehr Daten zwar dazu tendierten, dass Kinder weniger infektiös seien als Erwachsene. Ganz sicher könne man das aber nicht sagen. Ob das Risiko für Ansteckungen in der Schule zu groß ist, sei am Ende eine politische Entscheidung.

Netzaktivistin hat keine große Hoffnung in Corona-Warn-App

Allein das Thema Schule hätte genügend Raum geboten, eine ganze Sendung zu befüllen. Doch die Illner-Redaktion hatte beschlossen, das Thema weit zu fassen. So wurde zwar vieles angesprochen, doch nichts vertieft.

Da durfte der Entertainer Sebastian Pufpaff („heute show“) zwischendrin über die Not seiner Kollegen klagen, über die praktisch ein „Berufsverbot“ verhängt wurde. Kanzleramtsminister Braun beteuerte zwar, dass die Regierung für Künstler nachlegen wolle, Pufpaff aber blieb skeptisch.

Ebenfalls schnell abgehandelt wurde das Thema Corona-App Immerhin: Sie kommt. Und das schon kommende Woche. Minister Braun lobte sie als die „im weltweiten Maßstab beste App“. Doch sowohl der Virologe Streeck als auch die Netzaktivistin Katharina Noccun warnten davor, zu große Hoffnung in die App zu setzen. „In anderen Ländern haben wir gesehen, dass sie nicht so viel gebracht hat“, sagte Noccun.

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Virologe Streeck: Nicht ausgemacht, ob es jemals Corona-Impfstoff gibt

Wirklich erfolgversprechend im Kampf gegen Corona wäre ohnehin nur etwas anderes: Idealerweise ein Impfstoff oder zumindest ein Medikament. Andere Corona-Viren, so Wissenschaftler Streeck, seien im Laufe der Zeit weniger aggressiv geworden, da sie sich über Mutationen dem menschlichen Körper angepasst hätten – diese Hoffnung bestehe auch bei Sars-Cov-2.

Ob es jemals einen Impfstoff gebe, sei hingegen nicht ausgemacht. „Gegen die größten Killer, Malaria, HIV und Tuberkulose, haben wir bis heute keinen Impfstoff“, so der Virologe. Auch die Deutschen sind laut einer Studie bei der Frage nach dem Impfstoff kritisch. Deutlich optimistischer äußerte sich Kanzleramtsminister Braun. „Die Forschung ist auf einem sehr guten Weg“, sagte der studierte Mediziner.

Ob man nicht möglicherweise mit „Kanonen auf Spatzen geschossen“ habe, wenn es am Jahresende nicht mehr Tote als gewöhnlich gibt, wollte Maybrit Illner zum Schluss noch wissen. Eine sehr hypothetische Frage, die zudem ignoriert, dass die Zahl der Todesfälle mit der Wirksamkeit der Pandemiebekämpfung zusammenhängt.

„Es ist müßig, jetzt post-ante darauf zu schauen“, sagte Virologe Streeck. „Ich bin sehr froh, dass uns Bilder wie aus New York oder Italien erspart geblieben sind“, stimmte Netzaktivistin Noccun zu. Und auch Kanzleramtsminister Braun warnte davor, Sars-Cov-2 auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wer einmal aus Deutschland rausguckt, kann nicht den Eindruck haben, dass es sich hierbei um ein harmloses Virus handelt“, sagte er.

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