ZDF-Reihe

Hundert Jahre – und? „37 Grad“ stellt vitale Hochbetagte vor

Foto: ZDF/Pia Huneke / ZDF und Pia Huneke

Die ZDF-Doku „37 Grad“ zeigt: Mit 100 ist noch nicht Schluss. Auch im hohen Alter sind viele Menschen vital und neugierig auf Neues.

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Ingeborg Wolf ist bereit für den Tag: Gepflegter Kurzhaarschnitt, schicke Ohrringe. Schlank ist sie, weil sie sich die Schokolade einteilt, ins Fitnessstudio geht – oder besser: fährt. Denn Ingeborg Wolf, 103 Jahre alt, sitzt immer noch gerne hinterm Steuer. „Die Freiheit nehm ich mir“, sagt die ehemalige Innenarchitektin.

Frau Wolf braucht keinen Rollator. Im Gegenteil: Sie kann beim Fitnesstraining sogar auf diesen Wackelbrettern das Gleichgewicht halten, womit sie den etwa 75 Jahre jüngeren Trainer immer wieder verblüfft. So einen Gleichgewichtssinn habe ja nicht einmal er, sagt er.

Lange gabs großen Bogen um alte Menschen

Es ist noch gar nicht lange her, da haben die Fernsehsender einen großen Bogen um Menschen gemacht, bei denen Falten nicht mehr zu kaschieren sind. Alte, die kamen vielleicht als Leiche vor, wenn der Krimi im Seniorenheim spielte. Oder in Dokus über unhaltbare Zustände in Pflegeheimen. Krank, dement, unwürdig – das waren die Bilder, die das Kopfkino anwarfen: Siechtum, Sterben, Tod. Gekoppelt mit der Angst der Angehörigen, dass ihnen die Pflege der greisen Eltern die Lebensautonomie und das Ersparte raubt.

Es hat sich etwas geändert, wie auch dieser Film aus der Dokureihe „37 Grad“ belegt: „Mit 100 ist noch nicht Schluss“, so der Titel. Entsprechend gut aufgelegt zeigen sich die Vorzeige-Senioren: zwei Frauen und ein Mann. Neben der taffen Frau Wolf gibt es noch Frau Lehmann, die mit ihren 102 Jahren ohne Probleme öffentliche Verkehrsmittel benutzt. Super, das schaffen manche Fünfzigjährige nicht. Und Hermann Körber (mit 100 der Jüngste) kurvt vergnügt mit einem Elektromobil durch die Landschaft.

Zeitunglesen mit einem Vergrößerungsgerät gehört dazu

Er, der frühere Landwirt, ist nicht mehr ganz so gut drauf wie einst. Aber was soll’s. Es gibt doch Hilfsmittel. Herr Körber liest die Zeitung mit einem Vergrößerungsgerät. Sport und Lokales, ganz klar. Und über die Welt, da will er natürlich informiert sein. Im Wettbewerb der fitten Alten liegen diese drei ganz oben.

Eigentlich sind es schöne, aber immer ein wenig dieselben Geschichten. Die Botschaft lautet: Das Alter ist doch gar nicht so schlimm. So hoffnungsvoll diese Deutung ist – in der Summe nutzt sie sich etwas ab.

Als Moderator Eckart von Hirschhausen vor einem Jahr für sein „Quiz des Menschen“ Hundertjährige besucht hatte, war das so bewegend, weil es neu war. Schon der Aufguss durch Moderatoren-Kollege Kai Pflaume, der für seine Weihnachtsshow „Zeig mir Deine Welt“ ebenfalls bei Hundertjährigen zu Gast war, hatte ein wenig den Aha-Effekt eingebüßt. Auf charmante Weise zeigt „Mit 100 ist noch nicht Schluss“ auch wieder fidele Senioren in ihrem Element.

Fazit: Schön, dass das Fernsehen die Alten entdeckt hat. Dass sich ihre Geschichten ähneln, ist ein kleiner Makel. Trotzdem: Einschalten lohnt sich.

• „37 Grad“: „Mit 100 ist noch nicht Schluss“ , ZDF, Dienstag, 22. Januar, 22.15 Uhr

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