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Höhle der Löwen: Gründerinnen wagen sich an Tabu-Produkt

"Die Höhle der Löwen": Das ist die Jury 2019
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Berlin.  Im Finale der 6. Staffel von „Höhle der Löwen“ gab es eine heftige Abreibung. Zwei Gründerinnen wagten sich indes an ein Tabu-Thema.

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Es gibt Dinge, die stehen in der „Höhle der Löwen“ auf der roten Liste. Zum Beispiel unfaire Angebote. Da können sie fuchsig werden, die Investoren. So passiert am Dienstagabend, als Vox die letzte Folge der aktuellen Staffel der Gründershow ausstrahlte.

Gleich zu Beginn standen Leon Benedens (33) und Paul Seelhorst (34) vor den „Löwen“, um „fairment“ vorzustellen, ihr Ernährungs-Start-up. Dabei dreht sich alles um Fermentation. Oder besser gesagt: um Kombucha, einen Gärgetränk.

Mit Hilfe eines Pilzes und allerlei Bakterien und Hefen wird aus einem Zuckertee eine Vitamin- und Nährstoffquelle. „Ein ganz heißes Thema“, sagte Gründer Paul. Für 49 Euro können sich Kunden im Online-Shop ein Set bestellen, um zuhause ihren eigenen Kombucha-Tee herzustellen.

„Die Höhle der Löwen“-Finale – Das muss man wissen:

  • Am Dienstag ging die jüngste DHDL-Staffel zu Ende
  • Ein paar Gründer regte die Jury richtig auf: Die Löwen waren mit den angebotenen Firmenanteilen nicht zufrieden
  • Es war die erste Show nach der Ankündigung von Frank Thelen, aus der Sendung auszusteigen

Gründer wollen für „fairment“ 950.000 Euro einwerben

Und das Geschäft läuft. Sagen die Gründer. Eine Million Umsatz hätten sie im letzten Jahr gemacht. Doch jetzt brauchen sie Geld. 950.000 Euro wollten die beiden Berliner einwerben. Und im Gegenzug zehn Prozent ihrer Firmenanteile abtreten.

Die Mienen der „Löwen“ verfinsterten sich. „Ich stecke meine Zeit nicht rein für zehn Prozent“, schimpfte Frank Thelen, der die Show im Übrigen verlässt. „Ihr macht da einen Fehler“, sekundierte Ralf Dümmel. „Ihr gebt mir das Gefühl, dass ich nichts wert bin“, ärgerte sich Dagmar Wöhrl. Und Carsten Maschmeyer stöhnte nur: „Das ist mir zu wenig, ich bin raus“.

Mit der Bewertung tat sich die Jury erkennbar schwer, „Die Höhle der Löwen“-Gründer Frank Thelen gab sich am Ende doch noch einen Ruck und war bereit, im Team mit Judith Williams einzusteigen – allerdings für 30 Prozent. Die Gründer zogen sich kurz zurück, steckten die Köpfe zusammen und machten ein neues Angebot: 15 Prozent.

Frank Thelen: „Sorry, aus den 30 sind jetzt 15 geworden?“. Die Antwort – ein Nicken.

„Ja, ne“, stöhnte Thelen.

Die Gründer kamen mit einer starken Meinung über sich und ihr Produkt in die Sendung, sie pokerten hoch – und gingen mit leeren Händen. „Unseriöses Angebot, super Verkäufer“, bilanzierte Carsten Maschmeyer.

„HomeShadows“: Ralf Dümmel denkt pragmatisch – und steigt ein

Zum Erfolg führt oft der bescheidene Auftritt. Insofern haben Gerd Wolfinger (50) und Roland Huber (50) alles richtig gemacht. Ihre Erfindung war zwar nicht sonderlich innovativ. Aber praktisch. Sie brachten „HomeShadows“ mit in die „Höhle der Löwen“. Ein kleiner Kasten, der Bewegungen und Schatten simuliert, um Einbrecher abzuschrecken.

Ihr Angebot: 100.000 Euro für 20 Prozent.

Ohne viel Show kamen die beiden gleich zur Sache. „Eine tolle Idee, aber die passt nicht ins Jahr 2019“, senkte Carsten Maschmeyer den Daumen. Ihm fehlte eine App zum Steuern, die digitale Vernetzung mit anderen Geräten. Die Gründer konterten „Wir wollten, dass der Kunde es sich einfach hinstellen kann und es funktioniert“.

Die Jury von „Die Höhle der Löwen“

Doch die „Löwen“ hatten sich mehr erhofft. Alle stiegen aus – bis auf Ralf Dümmel. „Ich bin anderer Meinung als die anderen“, sagte er. „Das simple finde ich gerade gut“. Er investierte und sicherte sich 33 Prozent der Anteile.

„Elimba“: Nils Glagau von Geschichte überzeugt

Ein roh produzierter Kakao, der beim Abnehmen hilft und euphorisierend wirkt – genau das präsentierte Gründer Elias El Gharbaoui (23) den „Löwen“. Der Jungunternehmer, der „Elimba“ gegründet hat, reiste nach dem Schulabschluss durch Südamerika, nahm dort an einer traditionellen Kakao-Zeremonie teil. So kam er auf die Idee. Lesen Sie hier: Frank Thelen faltet Gründer bei DHDL zusammen.

Zurück in Deutschland unterstützte ihn seine Mutter beim Aufbau des Geschäfts. „Eine tolle Geschichte“, sagte Dagmar Wöhrl. Doch so ganz schmeckte den Löwen die Kakao-Idee nicht. Zu erklärungsbedürftig seien Produkt, Verpackung und Design. Nur Nils Glagau, der selber Ethnologie studiert hatte und nach dem Studium ebenfalls auf Reisen war, konnte der Idee etwas abgewinnen. Statt zehn Prozent handelte er für das Investment von 50.000 Euro sogar 24,9 Prozent heraus. „Wir werden das schon hinbekommen“, sagte er.

„Scansation“: „Löwen“ über Bewertung verärgert

Und auch eine saftige Abreibung hatte die letzte Folge der Show in Staffel sechs noch zu bieten. Schmerzlich mussten das Andreas Klett (35) und Leo von Klenze (35) erfahren. Sie hatten eine App fürs Handy entwickelt, mit der Kunden im Supermarkt ihre Waren selber einscannen und am Ende bezahlen können, ohne alles aufs Band und wieder runter zu räumen.

500.000 Euro wollten sie für 15 Prozent an „Scansation“ haben – und ein paar Tipps für den Vertrieb. Seit zwei Jahren tüfteln die beiden Wirtschaftsmathematiker an ihrer Idee, bisher sprang dabei aber nicht viel heraus. Gerade mal zwei Supermärkte in Bayern nutzen das System.

Und spätestens an dieser Stelle klingelten bei den „Löwen“ alle Sirenen. Womöglich haben sie sich schon vor dem inneren Auge vorgestellt, wie sie mit „Scansation“ ihr Geld verbrennen. Ein Investoren-Alptraum. „Dass ihr erst zwei Supermärkte habt, sagt eigentlich schon alles“, meinte Nils Glagau. Vor allem aber stießen sich die Investoren an der Bewertung. „Diese Bewertung abzurufen, finde ich frech“, ätzte Glagau. Auch Dagmar Wöhrl tadelte: „Sie haben sich mit dieser Bewertung keinen Gefallen getan“.

Am deutlichsten wurde Carsten Maschmeyer: „Ich überlege die ganze Zeit, wie ich Ihnen helfen kann. Ich kann Ihnen nur helfen, in dem ich Ihnen mein Beileid ausspreche“. Zwei Märkte in zwei Jahren seien kein Start-up, eher ein Start-down. Das hat gesessen.

Mit versteinerten Mienen ließen die Gründer den Total-Verriss über sich ergehen. Als sie schon wieder abgezogen waren, setzte Carsten Maschmeyer nochmal nach: „Die laufen mit einer Wasserpistole in einen Atomkrieg, ein Jammer.“

„ooshi“: Gründerinnen präsentieren Perioden-Unterwäsche

Und dann gab es da noch Kristine Zeller (37) und Kati Ernst (37). „Ihr seid beide unglaublich stark“, lobte Dagmar Wöhrl die selbstbewussten Frauen. Beide wagten sich mit einem Tabu-Produkt in die „Höhle der Löwen“ – mit Menstruations-Unterwäsche. Schlüpfer in verschiedenen Designs, die über ein Membransystem Flüssigkeit von Körper wegziehen und am Auslaufen hindern.

„ooshi“ heißt ihr Unternehmen. Klingt wie – ja, genau. „Gut, dass ihr das M weggelassen habt“, sagte Frank Thelen. Die beiden Frauen haben das Unternehmen in Eigenregie aufgezogen, die Unterwäsche vertreiben sie nur über den eigenen Online-Shop.

300.000 Euro wollten sie für zehn Prozent einwerben. Die Männer in der Runde, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Frank Thelen, gaben gleich zu, nicht vom Fach zu sein. Judith Williams wäre bereit gewesen einzusteigen – aber nur für 30 Prozent der Anteile. Die beiden schlagfertigen Frauen zogen sich kurz zurück, doch mehr als 15 Prozent waren sie nicht bereit abzugeben. Der Deal kam nicht zustande.

„Ihr seid zwei leuchtende Vorbilder“, sagte Judith Williams noch. Es hat schon schlimmere Abgänge in der „Höhle der Löwen“ gegeben.

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