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"Hart aber fair" und Co. - Was verdienen Talkshow-Gäste?

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Welche Talkshows finden trotz Corona statt?

Welche Talkshows finden trotz Corona statt?

Die Unsicherheit ist groß. Das Bedürfnis nach Information ebenso. In Zeiten von Corona hat es jeder schwer. Auch das TV-und Kulturprogramm. Welche Talkshows trotz Corona stattfinden, sehen Sie im Video.

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Berlin.  Ob "Hart aber fair" oder "Markus Lanz" - deutsche Talkshows sind beliebt. Doch was verdienen Gäste wie Politiker durch die Sendungen?

  • Bei "Hart aber fair", "Anne Will" oder "Markus Lanz" und Co. geht es meist um aktuelle politische Ereignisse
  • Es gibt einige Politiker oder Experten, die immer wieder in den Shows zu sehen sind
  • Doch wie viel Geld bekommen eigentlich die Gäste für ihre Teilnahme? Wir haben nachgefragt

Wer zur Primetime in Deutschland den Fernseher einschaltet, kommt an Talkshows kaum vorbei. Fast jeden Abend läuft ein anderes Format, in dem die Gäste diskutieren und debattieren. Meist nehmen Politikerinnen und Politiker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, aber auch Journalistinnen und Journalisten oder Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne Platz und teilen ihre Meinungen mit den Menschen im Studio und vor den Fernsehern.

Manche von ihnen sieht man so häufig im Fernsehen, dass man annehmen könnte, sie hätten kaum mehr etwas anderes zu tun als im TV zu diskutieren. Tun sie das wegen des Geldes? Wohl kaum. Denn das Honorar in Deutschlands beliebtesten Talkshows fällt vor allem für Politikerinnen und Politiker eher mager aus.

"Anne Will": Gäste erhalten keine Bezahlung

Moderatorin Anne Will empfängt ihre Gäste in der Regel sonntagsabends zur gleichnamigen Talk-Sendung, die in Berlin produziert wird. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Show erhalten kein Honorar für ihre Auftritte.

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Die Produktionsfirma "Will Media" übernimmt in Einzelfällen lediglich die Kosten der Anreise - nicht jedoch bei Politikerinnen und Politikern, teilt eine Sprecherin unserer Redaktion mit.

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Markus Lanz zahlt "branchenübliche Aufwandsentschädigung"

Gleich dreimal pro Woche - nämlich dienstags, mittwochs und donnerstags - lädt Moderator Markus Lanz prominente Gäste zu seiner Talkrunde ein. Politikerinnen und Politiker erhalten für ihre Teilnahme an der Sendung grundsätzlich keine Aufwandsentschädigung.

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Alle anderen Gäste bekommen eine "branchenübliche Aufwandsentschädigung", wie das ZDF mitteilt. Was "branchenüblich" in diesem Fall bedeutet, möchte der Sender allerdings nicht verraten, da man sich "nicht zu vertraglichen Inhalten" äußere.

"Maybrit Illner" zahlt zwischen 500 und 1000 Euro

Geht es um die Talkshow von Moderatorin Maybrit Illner, die in der Regel donnerstags läuft, ist das ZDF auskunftsfreudiger. Expertinnen und Experten bekommen dort in "begründeten Ausnahmefällen" eine Aufwandsentschädigung. "Diese beläuft sich in der Regel auf 500 Euro und übersteigt 1000 Euro nicht", so der Sender.

Außerdem kommt das ZDF nach eigenen Angaben für Reisekosten und Übernachtung in Berlin auf, wenn dies von den Gästen gewünscht wird. Politikerinnen und Politiker erhalten bei Maybrit Illner aber ebenfalls kein Honorar.

Maybrit Illner im Portrait
Maybrit Illner im Portrait

"Hart aber fair" und "Maischberger" - WDR schweigt über Höhe der Aufwandsentschädigungen

Auch bei "Hart aber fair" mit Moderator Frank Plasberg bekommen Politikerinnen, Politiker oder andere Menschen, die in einer "offiziellen Funktion zu Gast sind" keine Aufwandsentschädigung, teilt der WDR mit. Der Sender produziert die Sendung für die ARD.

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Gäste, die hingegen keine Politiker oder Offizielle sind, erhalten eine „Aufwandsentschädigung." Über die Höhe dieser Entschädigung schweigt der WDR trotz mehrmaliger Anfrage unserer Redaktion.

Falls notwendig, übernimmt der WDR zudem die Kosten für Anreise und Übernachtung der Gäste. Es gibt laut WDR keine Form von Zusatzvereinbarungen, wenn ein Gast zum wiederholten Mal eingeladen ist. Die gleichen Bedingungen gelten für die Sendung "Maischberger - die Woche", die auch vom WDR produziert wird und mittwochs im Ersten zu sehen ist.

Karl Lauterbach: Talkshow-König verdient kein Geld mit Auftritten

Bekämen die Politikerinnen und Politiker tatsächlich Geld für ihre Auftritte, hätte einer in den vergangenen Monaten wohl ordentlich kassiert: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie kaum mehr aus deutschen Talkshows wegzudenken. Mit insgesamt 14 Einladungen in den Talkshows von ARD und ZDF war Lauterbach im Jahr 2020 neben Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) der gefragteste Gast in den politischen Sendungen.

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Als der SPD-Politiker im vergangenen Sommer wieder einmal bei Twitter bekannt gab, dass er am Abend bei Markus Lanz als Gast zugegen sei, stellte ihm ein Nutzer eine indiskrete Frage. Er wollte öffentlich von Lauterbach wissen, wie viel Aufwandsentschädigung er denn für jeden Auftritt bei Markus Lanz bekäme: "2000 oder 5000 Euro?" Karl Lauterbach antwortete auf den Tweet: "Natürlich bekomme ich keine Aufwandsentschädigung."

Unter dem Post entbrannte eine Diskussion. So fragte ein User, warum Lauterbach dann überhaupt auftrete, während ein anderer den Politiker verteidigte: "Für einige anscheinend unvorstellbar, dass Menschen wie Karl Lauterbach aufklären und sich dafür auch noch beschimpfen lassen, bis hin zu Morddrohungen, und dafür noch nicht einmal Geld bekommen. Da sollten einige mal drüber nachdenken."

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