Film

Doku „The Creepy Line“ widmet sich Facebook und Google

Die Geschichte vom Internetriesen Google

So schaffte es die Garagenfirma zum zweitwertvollsten Unternehmen der Welt.

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Berlin  Überschreiten Facebook und Google eine Linie? Ja, sagen die Autoren der Dokumentation „The Creepy Line“, die jetzt Premiere feiert.

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Über die Datensammelwut von Facebook und Google ist schon viel geschrieben worden. Darüber, dass die beiden Internetriesen die Geschäftsmodelle etablierter Medien massiv bedrohen. Darüber dass sie alles über ihre Nutzer wissen und dieses Wissen, Datenschutz hin oder her, auch kommerziell verwerten.

Und auch darüber, dass die Konzerne eine Bedrohung für die Demokratie sein können, weil sie mitunter die übelsten Fake News gleichberechtigt neben Berichten seriöser Medien präsentieren.

Nun gibt es eine neue amerikanische Dokumentation die sich dieses Themas angenommen hat. Sie heißt „The Creepy Line“. Der Titel bezieht sich auf ein Zitat des ehemaligen Google-Chefs Eric Schmidt.

Überschreitet Google eine Linie?

Der hatte einst gesagt, Google würde schon sehr weit gehen – und zwar bis zu dem Punkt, an dem es für seine Nutzer unangenehm würde. Diese Linie, besagte „Creepy Line“, werde das Unternehmen aber nie überschreiten.

Die Autoren M.A. Taylor und Peter Schweizer wollen nun in ihrer Dokumentation, die am Dienstag in Berlin Deutschland-Premiere hatte, den Nachweis erbringen, dass Google, ebenso wie Facebook, diese Linie ständig überschreitet.

Nun gibt es durchaus Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit für ethisch fragwürdiges Verhalten der beiden Tech-Konzerne. So arbeitete Google offenbar an einer chinesischen Version seiner Suchmaschine, die den dortigen Behörden bei der Zensur unliebsamer Websites helfen soll. Im Dezember 2018 dementierte der Google-Chef allerdings solche Pläne.

Film widmet sich keinem der Skandale

Zudem unterstützte das Unternehmen das US-Militär bei dessen umstrittenen Drohnen-Programm. In unschöner Erinnerung ist auch der Skandal um die Entwendung von mehr als 50-Millionen-Facebook-Nutzerprofilen durch die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica (CA).

Das soziale Netzwerk wusste seit 2015 über den Datenklau Bescheid, informierte seine User aber nicht. Heraus kam die Sache erst als ein ehemaliger CA-Mitarbeiter 2018 die Presse alarmierte.

Seltsamerweise widmet sich „The Creepy Line“ keinem einzigen dieser Skandale. Etwa 80 Prozent der Dokumentation behandeln den in der Tat recht fragwürdigen Umgang mit Daten durch Google und Facebook.

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Doku unterstellt politische Voreingenommenheit

Viel Neues fördert die Dokumentation dabei aber nicht zu Tage. Nur Zuschauern, die sich mit dieser Thematik noch nie befasst haben, erfahren hier zum ersten Mal, wie die beiden Konzerne Nutzerprofile erstellen und vermarkten.

Dafür haben es die übrigen 20 Prozent in sich: In „The Creepy Line“ wird die Theses aufgestellt, Google und Facebook seinen politisch voreingenommen. Diese Voreingenommenheit habe dazu geführt, dass die beiden Internet-Riesen die US-Präsidentschaftswahl 2016 zuungunsten von Donald Trump verfälscht hätten.

Als Kronzeuge dient den beiden Autoren Taylor und Schweizer der US-Psychologe Robert Epstein. Er will herausgefunden haben, dass es bei Google mehr positive Suchergebnisse für Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton als für den späteren US-Präsidenten gegeben habe.

Hat Google manipuliert?

Epstein glaubt, dass Trump ohne die angeblichen Manipulationen von Google auch die absolute Mehrheit der Stimmen gewonnen hätte. Für Trump entscheiden sich knapp drei Millionen Wähler weniger als für Clinton. Präsident wurde er nur, weil die Mehrheit der von den US-Bundesstaaten entsandten Wahlmänner für ihn stimmte.

Dass er beim sogenannten „Popular Vote“ hinter seiner Widersacherin lag, wurmt Trump bis heute. Er führt dies auf Manipulationen zurück. Epstein könnte diese Manipulationen nun erklären. Aber ist seine Erklärung wirklich seriös?

Medien wie die Agentur Bloomberg, die britische Tageszeitung „Guardian“ oder das US-Portal „The Verge“ bezweifeln das. Epstein habe nicht verstanden, wie Suchmaschinen funktionieren. So seien die Suchergebnisse von Google auf die Erwartungshaltung des jeweiligen Nutzers zugeschnitten.

Trump-Anhänger bekämen eher Ergebnisse zu Trump, Clinton-Fans eher Ergebnisse zur Kandidatin der Demokraten angezeigt. Seltsamerweise wird dieser sogenannte Filterblasen-Effekt an einer anderen Stelle der Dokumentation durchaus thematisiert.

Autor gehört zum Umfeld von Steve Bannon

Dass Taylor und Schweizer Epsteins fragwürdiger These Glauben schenken, könnte einen einfachen Grund haben: Beide gehören zum Umfeld des ultrarechten Publizisten Steve Bannon , der für Trump Wahlkampf machte und bis August 2017 dessen Chefstratege im Weißen Haus war.

Taylor, der bei der Premiere anwesend war, sagt, Bannon habe das Drehbuch seiner vorangegangenen Dokumentation „Clinton Cash“ geschrieben. Schweizer wiederum hat mit dem Rechtsaußen 2012 den sehr konservativen Think Tank Government Accountibility Institute gegründet.

Bannon zählte übrigens auch zu den Gründern von Cambridge Analytica. Die bei Facebook abgegriffenen Profile soll Trump in seinem Wahlkampf genutzt haben. Ist das womöglich der Grund, warum einer der größten Datenskandale in der Geschichte des Internets in dem Film nicht thematisiert wird?

Deutsche Fassung bei Amazon und iTunes

Laut Epstein, der bei der Premiere in einem Berliner Kino ebenfalls zugegen war, liegen die Dinge ganz anders: Bei der Verwendung der Profile habe es sich um „gezielte Werbung“ gehandelt. Das sei nichts Neues. So etwas gebe es schon seit langem.

Das treffe im Übrigen auch auf Fake News zu. Dieses Phänomen hält der Psychologe für völlig überschätzt. Die eine Partei verbreite diese, die andere Partei jene Fake News. „Letztlich neutralisieren sie sich“, sagt er in der Dokumentation.

Die deutsche Fassung von „The Creepy Line“ wird demnächst auf Amazon und iTunes verfügbar sein. Mit einem TV-Sender gibt es Gespräche.

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