ZDF-Film

„Dengler“ jagt Verschwörung der Waffenindustrie hinterher

Dengler (Ronald Zehrfeld) hat es im Fall „Brennende Kälte“ mit einer gewaltigen Verschwörung zu tun.

Dengler (Ronald Zehrfeld) hat es im Fall „Brennende Kälte“ mit einer gewaltigen Verschwörung zu tun.

Foto: Stephan Rabold / ZDF und Stephan Rabold

Essen.  „Brennende Kälte“ beschwört böseste Machenschaften von Waffenbauern und dem BND. Der spannende Film neigt aber zur Unglaubwürdigkeit.

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In Stuttgart laufen die Hochzeitsvorbereitungen seines Sohnes auf Hochtouren, da erhält Georg Dengler (Ronald Zehrfeldt) eine Nachricht aus Berlin. Hacker-Aktivistin Olga Illiescu (Birgit Minichmayr) bittet den ehemaligen BKA-Zielfahnder um Hilfe. Ihre Freundin Anne, eine Internet-Journalistin mit Themenschwerpunkt Waffenhandel, hat ihr Informationen über geheime Baupläne von Mikrowellen-Waffen geschickt, dazu Namenslisten von beteiligten Bundeswehr-Offizieren und Bilder von gefolterten Männern.

Doch den ganzen Datensatz kann Anne nicht mehr überspielen. Killer erschießen sie und drei Unbeteiligte in einem Internet-Café, lassen die Tat wie einen Raubüberfall aussehen. Zeitgleich wird Annes Informant, ein Bundeswehr-Leutnant und Afghanistan-Veteran, beinahe Opfer eines brutal herbeigeführten Unfalls.

„Brennende Kälte“: Was ist realistisch, was Fiktion?

Nach und nach kommen Olga und Georg in „Dengler: Brennende Kälte“ einer gewaltigen Verschwörung auf die Spur. In das Komplott verwickelt: Geheimdienst, Heer und der Waffenproduzent MeySis AG in Gestalt der Vorstandsvorsitzenden Petry (Jeanette Hain), die ihrem Unternehmen für die Hightech-Waffe unbedingt die Weltmarktführerschaft sichern will. Je tiefer das Duo in das Wespennest sticht, desto mehr gerät es selbst ins Fadenkreuz. Der Gegner überwacht alle Schritte und wird aktiv.

Der fünfte Fall für Olga und Georg, wieder von Lars Kraume nach einem Roman von Wolfgang Schorlau entwickelt, setzt den Zuschauer einem Wechselbad der Empfindungen aus. Was an diesem von Regisseur Rick Ostermann bildgewaltig in Szene gesetzten, packenden Politthriller ist halbwegs realistisch, was reine Unterhaltung, pure Fiktion?

Ja, Deutschland ist, nach den USA und Russland, der drittgrößte Waffenexporteur, Saudi-Arabien der größte Abnehmer. Ja, die Entwicklung von Mikrowellen-Waffen steht auf der Agenda der internationalen Rüstungsindustrie. Und ja: Whistleblower sind wichtig, sind vielleicht wirklich, wie Wolfgang Schorlau sagt, die Helden unserer Zeit. Doch das von den Verschwörern betriebene Projekt „Fahrenheit“, das stark an die skrupellosen Operationen „Tread­stone“ oder „Blackbriar“ aus den Jason-Bourne-Filmen erinnert, findet eben nicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten statt.

Unglaubwürdige Verschwörung

Ein hochrangiger Mitarbeiter des für Auslandsaufklärung zuständigen BND, dessen kriminelle Machenschaften von höchster Stelle (Kanzleramt) gedeckt und gefördert werden, der Killer-Kommandos durch Berlin hetzt, die schließlich sogar an der Spree vom Hubschrauber aus eine Rakete auf das Fluchtboot von Olga und Georg abfeuern: Da dürfte sich auch für den größten Verschwörungstheoretiker die Frage der Glaubwürdigkeit stellen.

Dass Olga und Georg, die irgendwann Seit‘ an Seit‘ mit den Guten vom LKA ermitteln, dem Anschlag entgehen und knochentrocken aus der Spree klettern, sei nur am Rande erwähnt. Sei’s drum. Spannende Unterhaltung bietet „Brennende Kälte“ allemal. Und „Alarm für Cobra 11“ spiegelt ja auch nicht unbedingt den Polizei-Alltag.

• Montag, 7. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF: „Dengler: Brennende Kälte“

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